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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Race around Slovenia (DOS-RAS Extreme) 2014
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Alt 21.05.2014, 22:45   #40
einzelstueck
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Zitat:
Zitat von Duafüxin Beitrag anzeigen
Schööööön, ich hab trainingsfrei, das passt
ok, ihr habt es so gewollt:

Das Rennen…..

Unterirdisch geht’s dann los: Startaufstellung ist eine halbe Stunde vor der Startzeit - in einer Tiefgarage. Von dort wird man über ne Treppe direkt auf den tatsächlich gut besuchten Marktplatz gelotst. Nicht sehr heroisch, aber ok. Wir sind ja hier zum Radeln, nicht zum Posen. Nur noch eine Treppe hoch aufs Podest, kurzes Interview und ab geht’s auf die 1200 KM-Schleife durch Slovenien. Die ersten 6km fahren wir zusammen, die ersten 2 in Begleitung eines Polizei-Motorrads. Wir hatten vereinbart daß ich Michi Windschatten gebe und mich dann ausklinke wo das Wohnmobil auf mich wartet (das Geläuf wurde natürlich im Vorfeld vor Ort inspiziert). Er donnert aber so brutal los daß ich gefühlt 3 km brauche um mich vor ihn zu setzen.

„Au weia, worauf hab ich mich hier eingelassen“ schießt mir durch den Kopf…..aber nach ein paar Metern denk ich mir: genau wie beim Schwimm-/Rad-/Lauf-start bei jedem Mara-/Dua-/Triathlon: das Tempo wird sich auch hier schon noch einpendeln. Ich sollte Recht behalten. Vor lauter Aufregung hatte ich vergessen meinen Garmin einzuschalten. Nach ein paar Minuten ist der Parkplatz mit dem Wohnmobil erreicht, ich feuer ihn nochmal an und klink mich dann aus. Am WoMo angekommen genieße ich zum 1. Mal die umsichtige Behandlung unseres Betreuer-Teams. Michael war schon mal beim RAAM dabei, Conny hat auch schon einige Rennen erlebt, nur Fabi ist Neuling. Alles geht wie hundertmal geübt: das Rad wird mir abgenommen und verstaut, jeder Wunsch wird mir von den Lippen abgelesen. Von meinen Rennen in der Schweiz wusste ich: die Erfahrung bei den Betreuern ist ein ganz entscheidender Faktor bei so nem Ultrarace. Wir hatten da echt ein Superteam am Start.

Die erste Etappe wurde wg Bauarbeiten kurzfristig nochmal verkürzt, so daß wir uns ziemlich sputen mussten um den 1. Wechsel zu erreichen. Mein Part waren dann noch knapp 25km bis zu ersten Timestation, quasi zum Einrollen. Allerdings gabs hier einen ersten Vorgeschmack: über 600 Höhenmeter warteten auf mich, teilweise mit über 15% Steigung. Nach knapp anderthalb Stunden Fahrtzeit kam Michi angerauscht, fliegender Wechsel am Berg. Kurzer Blick zurück, das FollowCar war da. Die Navigation am Lenker mittels Edge 810 wurde über eine Funkverbindung zum FollowCar ergänzt, wo von unserem 4er Team immer jemand das Routebook mitlas. Das bedeutete für uns Fahrer auch immer ein bisschen Abwechslung, weil permanent jemand zum Quatschen da war. Meine Süße hatte die 1. Schicht, meine Schwägerin (sie war auch schon in der Schweiz mit dabei) übernahm das Fahren des Viano. Nach ner knappen Stunde hatten wir die erste TS erreicht. Noch war von anderen Teams oder Fahrern nicht viel zu sehen: lediglich kurz vor dem Wechsel hatte ich 2 oder 3 Teams gesichtet, auf der Strecke war ich dann ziemlich allein auf weiter Flur. Ungewohnt wenn man an die Horden von Triathleten bei den Wettkämpfen denkt. Kurzes Signing bei der Kontrollstelle, einen Klaps für Michi und weg war er. Da er aber erstmal in die andere Richtung fuhr und wir die Autobahn nutzen konnten auf dem Weg zum nächsten Wechsel, hatten wir etwas mehr Zeit diesmal. Dennoch versuchte ich immer, mich so schnell wie möglich ins WoMo zu begeben, da ich wusste wie wichtig das noch sein würde wenn es mal wieder zeitlich eng werden würde. Routinemäßig schon die Handgriffe: Edge und Trinkflasche vom Rad nehmen, Lampen auschalten, Schuhe ausziehen, ab ins Motorhome. Als ich auf meine Daten schaue traue ich erstmal meinen Augen nicht: Normalized Power 290 Watt. Das war dann doch etwas außerhalb meines definierten Bereichs von 210-220 Watt.Aber die Buckel mit 15% STeigung mussten ja irgendwie weggedrückt werden. Egal, Füße hoch legen und Regeneration ist angesagt.

Auf der 2. Etappe dann der erste Überholvorgang: man sieht die Blinklichter im Dunkeln schon von weitem, das motiviert enorm. Langsam hab ich mich an das Followcar vor mir rangepirscht, als dann genug Platz war gings vorbei, ein kurzer Gruß zum Fahrer und weiter geht’s. Auf der 3. Etappe sammel ich weitere Fahrer ein, das waren dann allerdings alles Einzelstarter, die 2 Stunden vor uns los sind. Am Ende der 3. Etappe wird’s dann auch schon langsam hell, was deutlich angenehmer zu Fahren ist, auch wegen der teilweise echt schlechten Straßen. Zweimal bin ich bei Abfahrten so richtig in ein Loch gebrettert, aber die Mavic K10 sind unverwüstlich. Auf Etappe 4 geht’s aufs Dach unserer Rundfahrt: der Vrsic-Pass wartet hier auf mich. Die Höhe an sich ist mit 1600 Metern nicht so spektakulär, allerdings geht’s vom Start weg ca 1200 Höhenmeter hoch. Am Ende hat die Etappe gesamt über 1500 HM auf knapp 80km. Als ich an den Pass komme, tönt laut Volksmusik von einem Follow Car (bzw. aus den Lautsprechern aufm Dach). Für die Slowenen hat das ganze auch ein bisschen Volksfest-Charakter. Normalerweise bin ich „kulant“ was Musikstile angeht, ich verdien ja mein Geld damit. Hier nervt es dann aber auf Dauer doch. Ich versuch meinen Rhythmus zu finden und das Getöse zu ignorieren. Den Rhythmus hab ich bald, es läuft noch ziemlich gut. Am Berg hab ich immer wieder Spitzen um die 280 Watt, gesamt sind es dann noch 215 NP. Der Anstieg fährt sich insgesamt sehr gleichmäßig. Bin dann aber doch sehr froh als ich endlich oben bin, die Sonne hat ihren Teil dazu beigetragen. Kurzer Stopp, Windweste an und ab in die Abfahrt. Bis zum Ende der Etappe geht’s dann für mich fast nur noch bergab. Nach Michis nächstem Turn folgt noch eine weitere Etappe für uns beide, dann geht’s schon in die 2te Nacht. Die Regeneration wird immer wichtiger, zum Glück kann ich im WoMo immer wieder mal ein Powernapping machen, auch wenn es nur ein paar Minuten sind hilft das sehr.

In der 2ten Nacht hab ich dann quasi die 1.Schicht: jeder fährt ca 100km am Stück, damit der andere mal etwas mehr Schlaf bekommt, so war der Plan. Mein Part beginnt in Dravograd, nicht weit von der Grenze zu Österreich. Das Höhenprofil liest sich entspannt, es rollt richtig gut dahin, trotz Schlaglöchern. Nach anderthalb Stunden hab ich nen 29er Schnitt, das läuft. Dann allerdings kommt Ungemach von links: Blitze kündigen ein Gewitter an. Der Donner ist nicht zu vernehmen, ich rede mir ein daß es noch sehr weit weg ist. Es dauert allerdings nicht lange, bis die ersten Tropfen fallen. Da ich schon in lang-lang fahre brauch ich erstmal nix zum überziehen, wird schon nicht lange dauern. Pustekuchen. Der Regen dauert bis zum Ende meines Parts und drückt meinen Schnitt runter auf 26. Immer wieder kurze heftige Anstiege gefolgt von ebenso heftigen Abfahrten, die ich wegen der Nässe eher vorsichtige angehe. Egal, ich komm ohne Sturz durch und kann mich erstmal hinlegen. Michi hat einen ähnlich langen Part wie ich, wir schätzen daß er ca. 4 h braucht und fahren direkt zum nächsten Wechsel. Ich bin dann doch so k.o. daß ich ziemlich schnell einschlafe. Als ich dann im Halbschlaf mitkriege daß er „nur noch 4 km hat“ glaub ich erstmal noch ich träume. Fehlanzeige, es hat wieder aufgehört zu regnen, er ist tatsächlich schneller gewesen als eingeschätzt und die Kollegen vom Followcar haben uns irgendwie nicht erreicht. Ich schrecke hoch und bin in Rekordzeit angezogen, raus aus dem WoMo, da kommt der gute auch schon angebraust. Ab aufs Rad, das ist so richtig hart jetzt: aus dem warmen Bettchen raus und direkt in GA2 rein….Naja, was um die Zeit noch von GA2 über ist, mein Puls driftet immer öfter Richtung Reg-Bereich. Der Körper wehrt sich. Selbst an heftigen Anstiegen die es immer wieder gibt geht die HF nicht mehr über 130. Im Nachhinein zeigt sich, daß es die Phase ist wo wir am meisten Boden gut machen auf unsere Gegner: bei den Etappen der 2ten Nacht und am Morgen danach liegen wir teilweise auf Rang 3, im Gesamt-Ranking arbeiten wir uns auf Rang 8 vor. Ein Team haben wir noch in Reichweite, das wir dann irgendwann mittags überholen können. Kurz danach bin ich wieder dran, mit dem Konkurrenten im Nacken und nochmal ordentlich Höhenmeter vor mir. Echtes Wettkampf-Feeling und das nach 40 Stunden on the road. Das Treten ist mittlerweile ein Automatismus geworden, an den Anstiegen schön ruhig reinfahren, Rhythmus finden, durchziehen, auf den Abfahrten immer schön die Beine gelockert. Zum Glück hielt sich der Wind in den Flachstücken in Grenzen, das hätte dann auch noch weh getan.

Als wir dann die vorletzte Etappe angehen, liegen wir beruhigende 50 Minuten vor dem nächsten Team, scheinbar waren die Beine doch nicht so schlecht wie gefühlt. Zum Ende hin wird es dann vom Belag her nochmal ganz übel: man wird durchgeschüttelt, sowohl die Hand am Lenker als auch der Hintern (der bis jetzt noch überraschend gut in Schuß ist J) leiden. Aber man sieht das Ziel, auf die letzte Etappe gehen wir gemeinsam, Michi vorneweg da er aus der Pause kam. Er kennt auch die Strecke vom letzten Jahr noch, als er dann auf einem Buckel in der Nähe von Postojna die Arme hochreist weiß ich es ist geschafft, von dort geht’s nur noch runter ins Dorf, letzte Unterschrift, wieder rauf auf die Rampe, nochmal Interview. Ich freu mich erstmal sehr daß wir so super ohne Pannen, Stürze etc durchgekommen sind, auch fürs Team, die ja teilweise Urlaub opfern um sich sowas anzutun. Alle sind sehr happy daß es endlich geschafft ist. Eines hab ich mir unterwegs aber selbst geschworen: einen Einzelstart werde ich bei so ner Distanz definitiv nicht angehen…..aber im Team würd ich es wieder tun....

Ergänzend noch ein paar Daten, to whom it may concern

Gesamtstrecke 1205km, mein Anteil 619, Gesamtzeit 46:35h, zzgl. 15 Minuten Penalty wg. gelber Ampel , davon bin ich 23:36 gefahren. Höhenmeter Gesamt 14.000, mein Anteil glatte 8.000. Geamtzüge 102.000. Average Power 190 Watt, Norm.Power 210 Watt. HF 1. Etappe: 134, letzte: 110, im Schnitt 117.

Wir belegen sehr stolz den 7. Platz als bestes ausländisches (und drittältestes) Team von 13 gestarteten.
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Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
OJ Bierbaum
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