Heute geht es um eine der großen Unbekannten in der diesjährigen Hawaii Rechnung, jemanden, den man seinen Kona-Rookie Status gar nicht abnehmen mag, so lange steht er in den Triathlon-Popularitätscharts schon weit oben:
Michael Raelert
Eigentlich wollte und sollte Michael Raelert sein Hawaii Debüt ja schon vor einem Jahr geben und alle waren auf seinen Start nicht nur gespannt, weil er der Athlet ist, der die 70.3 Distanz eine ganze Zeit fast spielend dominierte, nein, ein Sponsor hatte auch noch 1.000.000 Dolar für einen Doppelsieg der Raelert Brothers ausgelobt. Und dann mußte er seinen Start platzen lassen, weil der Körper nicht mitspielte.
Das war extrem bitter für ihn. Wer sich an das Interview vor dem Ironman Frankfurt erinnert, den er ja für den Hawaii-Start brauchte, wird verstehen was ich meine: Michael war während des ganzen Interviews den Tränen nahe und konnte sich kaum eingestehen, dass seine Hüftverletzung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Auf der einen Seite schien seine trotzige Reaktion darauf gar nicht Profi-like zu sein, aber auf der anderen Seite schimmerte durch, was ihm der Sport bedeutet!
Diese harte Zeit, es war wohl seine erste ernsthaftere Verletzung, liegt zum Glück hinter ihm und scheint keine langfristigen negativen Auswirkungen zu haben, wenn man sich sein Bilanz von 2012 anschaut.
Michael Raelert ist ein Modellathlet, dessen Stärke vor allem in seiner Ausgeglichenheit liegt. Im Schwimmen kann er bis auf vielleicht die Spezialisten, wie Andy Potts, jedem Paroli bieten, so dass er immer mit den ersten aus dem Wasser steigt. Auf dem Rad ist er zwar kein Uberbiker vom Schlage eines Lieto oder Kienle, aber doch ohne Schwäche, so dass er das Rennen kontrollieren und auf seine Laufstärke am Ende des Wettkampfes vertrauen kann.
Auf der LD ist Michael allerdings noch nicht wirklich einzuschätzen. Das Rennen in Regensburg ist er für mein Dafürhalten in der zweiten Hälfte mit angezogener Handbremse gelaufen. Das hat er zwar dementiert, aber für mich hat er sich von Dirk Bockel ein wenig zu einfach abschütteln lassen....
Wir werden also wohl erst am Samstag sehen, was er auf der LD drauf hat und das wird noch aus einem zweiten Grunde spannend: die Raelerts halten es ja sonst so wie die Klitschko's und gehen sich immer schön aus dem Wege, so dass man nicht sagen kann, wer denn nun der Bessere ist. Dies wird wohl, wenn sie nicht Hand in Hand ins Ziel laufen in Kona anders werden. Wird dabei jeder sein Rennen machen oder der an dem Tag Schwächere den Bruder unterstützen?
Saisonhighlights 2012
Anfang April ging die Saison beim IM 70.3 in Galveston so los, wie 2011 aufgehört hatte: mit Problemen! Das Fahrrad war irgendwo über dem großen Teich verloren gegangen und außerdem hatte er sich noch eine fette Erkältung eingehandelt. Trotzdem kam er mit der Spitze aus dem Wasser und fuhr mit einem gewissen Ex-Radprofi an der Spitze des Feldes bis sich die Luft aus einem Laufrad verabschiedete. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass ohne den Platten mehr als der 4. Platz rausgesprungen wäre.
Dass die Form stimmte, zeigte er schon einen Monat später bei seinem ungefährdeten Sieg beim IM 70.3 Mallorca und drei Wochen später beim gleichen Event in Rapperswil. Dann gab's den schon angesprochenen zweiten Platz in Regensburg und im August holte er sich seinen Lieblingstitel in Wiesbaden zurück, bei zugegeben nicht ganz so harter Konkurrenz wie man sie dort schon an der Startlinie sehen durfte.
Dass die Form Richtung Hawaii gut ist, konnte man schon in Vegas sehen, bis er für vier Minuten vom Rad geholt wurde, was in so einem Rennen immer eine genauso bittere wie fragwürdige Entscheidung ist. Es wäre spannend zu sehen gewesen, wie er sich bei Sebastians Attacke auf dem Rad geschlagen hätte oder zumindest sich beim Laufen mit Alexander und O'Donnel gehalten hätte. So steht hinter seiner Rolle am Samstag noch ein größeres Fragezeichen, womit wir zum nächsten Punkt kommen....
Was ist in Kona 2012 drin?
Verdammt schwer zu sagen! Auf der einen Seite hat es auf Hawaii seit Luc Van Lierde kein Rookie mehr geschafft auf Anhieb das Rennen zu gewinnen, auf der anderen Seite ist Michael aus dem Holz geschnitzt gerade das zu schaffen! Die Erfahrungen die Andreas gesammelt hat werden ihm sicher helfen und dessen Leistungen auf Big Island geben einen Fingerzeig, was Michael dort leisten könnte.
Er wird sicher mit den ganzen anderen Top-Schwimmern unter den Favoriten aus dem Wasser kommen und das hilft auf dem Rad erstmal Körner sparen. Bis Hawi wird er sicher mit vorne fahren und dann beginnt das Rennen von vorne (hehe, alte Weisheit ). Wir werden sehen, wer von den guten Läufern auf dem Rad am meisten investiert, aber ich denke, dass Michael ohne großen Rückstand auf die Top-Läufer vom Rad steigen wird und dann schauen wir mal, was er auf der langen Laufstrecke zu leisten im Stande ist. Mein Tipp ist top5, wenn er sich nicht für seinen Bruder aufopfert, und was dann nach vorne geht, könnte uns alle überraschen.
So locker wird er bei seinem zweiten IM-Marathon vermutlich nicht aussehen...(Foto: Thomas Eismann)