Zitat:
Zitat von pioto
Hallo Wurzi,
ich habe hier zwar nicht alles mitgelesen, ist ja doch recht ausführlich  aber was ich nicht verstehe: warum machst du dich nicht selbständig? Das hat zwar auch einige Nachteile, aber ich glaube, nicht ganz so viele...
Grüße
pioto
|
Puh.
Diese Frage hab ich eigentlich n
paar Beiträge weiter oben schon beantwortet.
Ich war nie ein Kaufmann, bin keiner und werd nie einer sein.
Wahrscheinlich wär ich besser als viele meiner Kollegen, die mehr schlecht als recht über die Runden kommen, aber ich hab keinen Spass dran.
Dass ich Vollzeit im Laden arbeite, bedeutet ja nicht, dass ich ncht nebenher auch noch selbständig wär, aber ich verschenke jedes Jahr Hunderte oder gar Tausende weil ich zu faul oder träge bin, meine Buchhaltung auf nem höheren Level als unbedingt nötig zu führen, dem Finanzamt nicht mehr als das Minimum in den Rachen zu schmeissen oder sonstigen Institutionen Kohle ausm Kreuz zu leiern, nachdem ich mich in deren Regularien vertieft hätte.
Sowas fixt mich einfach weniger an als handwerkliche Sachen und das war schon immer so.
Auf irgendeiner der zahlreichen Schulen die ich besucht hab, bin ich mal nem Berufsberater des Arbeitsamtes in die Hände gefallen.
Zusammen mit dem hab ich den idealen Job für mich rausgefunden: Reiseverkehrskaufmann
Interessante Geschichte;- ich hatte keine Ahnung, was das eigentlich ist, habs rausgefunden und war der Meinung, das hörte sich interessant an.
Von den paar hundert Bewerbungen, die ich daraufhin höchst ambitioniert verschickt hab, kamen immerhin ein paar nett formulierte Absagen zurück und nachdem ich der Geschichte weiter nachgegangen war, hab ich auch rausgefunden, warum.
Völlig unbenommen der Tatsache, dass mir anhand der Ereignisse rund um diese Aktion der Heini vom Arbeitsamt und die komplette Institution ein für alle Mal höchst unsympathisch wurde (schon weil er hätte wissen müssen, dass ich für so nen Job nen völlig falschen Ausbildungsgang hatte oder umgekehrt), brauchte ich ne weitere Phase der Orientierung und mein Dad hatte die Idee, bei ihm in der Firma ne Bewerbung als Industriekaufmann abzusetzen.
Da kam natürlich keine Absage sondern ne Einladung zum Einstellungstest.
Als der ausgewertet war und es zur abschliessenden Besprechung kam, war selbst mir als Greenhorn in berufsbildenden oder -bahnenden Angelegenheiten die Diplomatie, die hinter dem Umstand stehen musste, mich nicht sofort mit ein paar höflichen Floskeln vom Schlachtfeld zu komplimentieren, klar.
Die Nachricht, die da, nur unzureichend mit belanglosen Worten kaschiert, zwischen den Zeilen stand, klang gut: in ner handwerklichen Ausbildung stünde mir ein unendlicher Höhenflug bevor und alle Türen im Unternehmen sperrangelweit offen;- was aber meine kaufmännische Karriere anginge, würde man mir als 'daddy´s son' nicht unbedingt diese Türen vor der Nase zuschlagen, riet mir aber, diesbezügliche Pläne nochmal gründlichst zu überdenken.
Zwischen damals und heute liegen natürlich ein paar Jahre, aber uns allen ist grob klar, wie´s weitergegangen ist.
Ich hab dabei durchaus Kritik einstecken dürfen;- schliesslich hätte ich wie ne knapp unendliche Zahl meiner Freunde Maschinenbau oder was in der Art studieren können, hab meine Kenntnisse aber lieber unter Wert verkauft und ne handwerkliche Ausbildung gemacht.
Naja, zugegebenermassen wars mehr als eine, aber wenn man schonmal dabei iss...
Doch wie auch immer: es hat Spass gemacht, mich wenig Anstrengung gekostet und dennoch einigen Lorbeer gebracht.
Was in Daddy´s Laden mit Vitamin B gegangen wär, konnte so problemlos durch Erfolg ausglichen werden...
Irgendwann läuft das Ding dann von selbst und ganz ehrlich: ich würds wieder haargenauso machen.
Natürlich gabs zwischendrin Irrwege aber gerade wegen denen bin ich sicher, dass die grobe Hauptrichtung stimmt:
- mach, was du kannst
- mach dein Ding alleine
- seh zu, dasses dir Spass macht
- blas den Ballon nedd zu gross auf
Grad in den letzten Tagen wird mir wieder klar, dass ich absolut keine Böcke hätte, nen Laden wie den unseren dauerhaft als Chef zu schmeissen.
Ich hab n paar Jahre den "technischen Betriebsleiter" irgendwo gegeben, genauso Leute eingestellt und rausgeworfen wie wenn ich in der obersten Etage gesessen hätte und war immer froh, dass noch wer über mir sitzt, der sich übergeordnet drum kümmert, dass am Monatsende meine Kohle aufm Konto landet.
In frühen Jahren hats mal nen wirklich ausserordentlichen Höhenflug in nem kleinen Laden gegeben und die Kontakte aus der Zeit pflege ich immer noch sehr gerne und sie helfen mir teils heute noch weiter, aber die Luft war raus, als mein damaliger Chef durchblicken lies, dass er es gerne sehen würde, wenn ich den Laden irgendwann übernehmen würde.
No chance, das iss einfach nicht meine Welt.
Ich kann mich, auch wenn ich nix davon hab ausser kargem Lohn und sonst nichtmal ein Dankeschön (quasi das gegenteil dessen, was ich im Moment hab), reinhängen, als wärs mein eigener Laden, da klugschicen, das letzte Wort haben, unbequemer Ratgeber und Partner sein, aber sowas alleine zu tragen, mich ggf. noch mit Angestellten rumzuschlagen;- da geht einfach die Klappe runter.
Vielleicht kann mans auch, und das soll nu bitte nicht überheblich klingen, auf einen Satz runterbrechen: ich könnte einfach nicht so gut sein wie ich wollte. Punkt.