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Ich sehe Ullrich eher als Opfer denn als Kriminellen. Natürlich sind dopende Sportler nicht "unschuldig", sollten bestraft werden und für Verfehlungen geradestehen. Allerdings könnte man bei der Art der Strafe ruhig etwas kreativer sein, als immer gleich den Holzhammer "Gefängnis für alle Doper" auszupacken. Nach den Enthüllungen der letzten Jahre sollte klar sein, dass der dopende Sportler nur ein kleines Rad in einer großen Maschinerie ist.
Bei der ganzen Diskussion oft völlig außen vor bleiben die zahlreichen anderen "Täter" wie (i) Ärzte, die Dopingmittel verabreichen, (ii) (Universitäts-)Labore, die prüfen, wie man positive Tests vermeidet und die Sportler so "herrichten", dass nichts passiert, (iii) Arzneimittelhersteller, die genau wissen, was mit ihren Mitteln passiert, sich aber nichts daraus machen und keine Strukturen einfordern, die den ordnungsgemäßen Verbrauch dokumentieren und (iv) Teambesitzer, Sponsoren, Sportverbände, Veranstalter, Sportpolitiker etc, die die Augen vor der Problematik verschließen oder Doping sogar aktiv fördern um Erfolg einzufahren oder daran teilzuhaben.
Von Jan Ullrich's Erfolgen haben viele profitiert. Dass er jetzt die ganze Ladung abbekommt, wird dem Problem einfach nicht gerecht. Nur zwei Beispiele für diese einseitige Beurteilung: wie kann es sein, dass Riis Teamchef eines Radteams ist? Oder weshalb durfte (und darf?) Fuentes weiter als Arzt arbeiten?
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