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Alt 05.10.2011, 15:48   #749
Pantone
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Hölle, Hölle, Hölle

Sonntag Abend im Biergarten. Glaubt man den Wetterfröschen, ist es der letzte schöne Tag in diesem Altweibersommer. „Wolfgang Petry ist auch da“, raunt ein Keller dem anderen im Vorbeigehen direkt hinter meinem Rücken zu. Schräg links in meinem Blickfeld sitzt der Doppelgänger mit einer langhaarigen Dunkelhaarigen, die bis zu den Schultern blond ist. Sieht aus als hätte sie sich einfach eine blonde Kurzhaarperücke über lange dunkle Haare gestülpt, aber vermutlich ist das in langwierigem und kostspieligem Procedere gefärbt. Nicht zu glauben, was manche Leute so für Ideen haben. Als ich mir den Doppelgänger so ansehe, fällt mir sofort Wolles „Hölle, Hölle, Hölle“ ein. Vielleicht hat er das ja auch mal nach einem komplett vermurksten Halbmarathon geschrieben, denke ich.

Der Morgen war wie immer. Ich hatte gefrühstückt wie immer, war aufgeregt wie immer und freute mich auf einen schönen Tag. Beim kurzen Warmlaufen in Rodenbach merke ich, dass mein Magen muckt, aber ich schiebe das auf die Anspannung. Hätte ich man lieber auf mein Bauchgefühl gehört. Nach einem Kilometer ist klar, dass das heute leider gar nichts wird. Ich habe vom Start weg keine Kraft und Magenschmerzen. Bedauerlicherweise wird das für den Rest der Strecke auch so bleiben. Wenn es eine Trainingsrunde wäre, würde ich nach Hause gehen und einen Kamillentee trinken. So entscheide ich mich dafür, einfach anzukommen.

Es sind vier Runden zu laufen, wobei man bei meinem Tempo nicht wirklich von laufen sprechen. Der Begriff Tempo verbietet sich in diesem Zusammenhang eigentlich auch geradezu von selbst. Auf der zweiten Runde überholen mich mindestens zehn Frauen, auf der dritten bestimmt noch mal acht. Nach der dritten Runde sind sich meine am Rande stehenden Eltern einig: „Entweder kommt sie gar nicht an oder sie steht gleich im Wald und spuckt.“ und rufen mir ein fröhliches "Das sieht gut aus!" zu. Ich selber habe den Eindruck, dass ich sofort einschlafen würde, wenn ich mich jetzt irgendwo hinlegen würde. Im Kopf ist leider auch nichts frisch, aber ich stelle mir vor, es wären die letzten 20 Kilometer nächstes Jahr im Juli in Frankfurt, da würde ich ja auch nicht einfach so aufhören. Und außerdem: Wenn ich jetzt schon so einen gebrauchten Tag erwische, habe ich im nächsten Jahr vielleicht das Glück, dass der 8. Juli ein ganz besonders guter wird.

Ins Ziel komme ich nach 2:02 Stunden. Normalerweise heule ich ja nur vor Wut, aber heute bin ich so enttäuscht, dass ich mal tüchtig schlucken muss. Bis zum Ende des Tages gibt´s Schonkost und mir geht´s wieder besser. Für einen Softie wie mich bleibt der Trost, dass ich nicht aufgegeben habe. Ansonsten war´s wie gesagt: Hölle, Hölle, Hölle.
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