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Kann nur besser werden
Wer Triathlon betreibt, muss auch mental Einiges aushalten. Dafür, dass wir erst Anfang Juni haben, habe ich die Latte der Peinlichkeiten für dieses Jahr schon ganz schön hoch gehängt. Beispiele gefällig? Nur zu:
Neroman. Das Schwimmen ist zu Ende. Leider komme ich partout nicht aus dem Wasser. Mein erster Gedanke: Du Supergurke, hättest du bloß ordentlich bei der Liegestütz-Challenge mitgemacht, aber nein, einen Tag 100 Stück und dann drei Tage jammern. So sieht´s doch aus. Vor mir ein Mann am Beckenrand, der irgendwas von "Nicht-helfen-dürfen" und "Schon-Leute-verletzt" ruft. Ist mir egal, ob der mich verletzt. Mir ist jedes Mittel Recht, dieser Peinlichkeit ein Ende zu bereiten. Ihm aber nicht. Und deswegen rührt der sich einfach nicht, sondern ruft so lange weiter bis garantiert auch der letzte Zuschauer merkt, dass Muddi nicht von der Bahn kommt. Mit einer verzweifelten Bewegung und einem entschiedenen alles-oder-nichts-auf den-Bauch-Wälzer liege ich schließlich Flunder-platt auf den Kacheln. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich einen Neo angehabt hätten. Da hätten doch die ersten Zuschauer gerufen: "Ein Hering, die will bestimmt einen Hering!".
Ich persönlich finde es ja ganz gut, wenn der Versanstalter bei so einem Event nicht so viele Fotos macht!
Offenbacher Citylauf. "Nenn´mich Andrea", sage ich zu meinem Mann als ich ins Ziel plumpse. Es ist sehr heiß, mein Mann schaut mich besorgt an und holt mir einen Becher Wasser zwecks Wiederbelebung. Dazu muss ich sagen, dass es in unserer Familie zwei grundsätzlich kontroverse Herangehensweisen für die Teilnahme an einer Sport-Veranstaltung gibt. Wenn´s ginge, würde mein Mann jede Strecke nicht nur einmal angucken, sondern am besten auch noch zweimal abschwimmen, - fahren und -laufen. Mein Motto lässt sich kurz und bündig zu einem schlichten "Einfach hinterher!" zusammenfassen. Und so habe ich auf dem Weg zum Start zwar aus den Augenwinkeln den Zieleinlauf gesehen, aber in meinem Kopf leider doch nicht so richtig abgespeichert. Den grünen Mann, den ich auf dem letzten Kilometer heimlich Kermit getauft habe, versuche ich in der letzten Kurve abzuhängen. Hätte auch beinah geklappt. Wenn´s denn die letzte Kurve gewesen wäre. Leider kommen aber noch ein paar Schlenker und ich knicke ein. Selbst Schuld. Kleiner Trost: Immerhin war´s nicht die Europameisterschaft. Da hätte ich mich dann schon geärgert, gell, Andrea?
PS: Eine Anmerkung zum fachkundigen Offenbacher Publikum sei mir an dieser Stelle noch erlaubt. Die Siegerehrung der Damen wurde von einem Experten aus den Zuschauerreihen mit den Worten "Die sind ja alle blond!" kommentiert. Der Moderator machte es dann noch ein bisschen schlimmer, indem er ergänzte: "Und die sind alle hübsch!". Auf schnell ist da keiner gekommen.
Cross-Duathlon. Auf der gesamten Radstrecke ist nichts los. Bis auf eine Stelle. Da geht´s ein kleines Stückchen eine asphaltierte Straße runter und dann scharf rechts wieder auf einen Wald- und Wiesenweg. Hier haben sich zur Abwechslung ein paar Zuschauer eingefunden. An den Rest habe ich eher so nebulöse Erinnerungen. Zu schnell bergab, zu spät gebremst. Immerhin bin ich noch so geistesgegenwärtig und wähle statt des All-inclusive-auf-die-Nase-Packen-auf-Schotter-Pakets die ebenso unelegante Mit-Karacho-in-die-Bombeer-Büschung-Variante. Dort stehe ich kurz, aber oberschenkelhoch in den Brombeeren, mein Rad liegt unter mir.
Meine körperliche Qual wird nur noch doch die seelische Grausamkeit meines Mannes übertroffen, der in der Wechselzone steht und mit Blick auf meine Knie meint: "Nee, nicht schon wieder, oder?!!"
Also, Ziele habe ich für diese Saison wirklich mehr als genug, will ich meinen.
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