Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Es sind verschiedene Interessen oder Rechtsgüter abzuwägen. Von einem wegen Dopings am eigenen Leib überführtem Sportler geht keine so große Gefahr für die Gesellschaft aus, dass ein lebenslanges Berufsverbot (z.B. als Trainer) gerechtfertigt wäre.
Wem droht Gefahr, wenn Jan Ullrich ein Buch über Radsport schriebe? Oder ein Buch über Radsporttraining? Sind die Laufseminare von Dieter Baumann eine Gefahr für die Gesellschaft? Muss der Staat einschreiten, wenn Christoph Daum Fußballer fit macht? Muss man Andreas Niedrig aus Schulen fernhalten? Und wie ist es mit Lisa Hütthaler?
Grüße,
Arne
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Buch schreiben, Seminare veranstalten und wirklich als Trainer langjährig am und mit dem Athleten arbeiten sind durchaus unterschiedliche Paar Stiefel.
Das Problem beispielsweise im Profi-Radsport sind gerade die ganzen sportlichen Leiter, die fast durch die Bank ehemalige Ex-Profis sind und damit zwangsläufig ehemalige Doper sind. Für die gehört Doping einfach zum Profi-Radsport dazu und sie können gar nicht einem Jungprofi davon abraten, weil sie sonst ihre eigene Biografie verleugnen würden. Also erklären sie den Jungprofis stattdessen, was sie alles tun müssen, um nicht erwischt zu werden.
Wir haben bei uns im Verein eine mittlerweile recht große Jugendabteilung, in der neben vielen mäßig talentierten Jugendlichen auch 4 hochmotivierte und ziemlich talentierte Jung-Triathleten im Alter von 14-19 aktiv sind (einer ist schon im Kader, drei sind leistungsmäßig an der Schwelle dazu). Für die ist durch die Bank der Sport aktuell wichtiger als die Schule und sie würden alles tun, um schneller zu werden.
Wenn ich denen Trainingstipps gebe, merke ich, wie aufmerksam sie an meinen Lippen hängen, weil sie unbedingt dorthin wollen, wo ich mal war (und vermutlich noch darüberhinaus) und ich spüre so förmlich, dass ich da ein Stück weit Macht habe. Natürlich versuche
ich das positiv zu nutzen, aber wie sollte ein
Ex-Doper, dessen Reputation nicht zuletzt auf seinen Erfolgen in der Vergangenheit beruht, einem leicht zu beeinflussenden Nachwuchsathleten glaubhaft vermitteln, dass es besser ist im Sport nur sauberer 5. oder 10. zu werden, wenn er selbst früher jahrelang umjubelter Seriensieger war. Der müsste ja seine eigene Biografie verleugnen und welcher Mensch macht das freiweillig?