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Alt 08.09.2009, 13:24   #13
Jimmi
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Registriert seit: 16.11.2006
Ort: Eisenach
Beiträge: 2.607
Folgendes habsch mal vor Jahren für einen Vortrag über Leistungsdiagnostik einer Trainerausbildung getippert. Das lebt ein wenig durch die damals noch an die Wand gebeamerten Graphen sowie die im Praxisteil an einigen Kursteilnehmern durchgeführten Messungen. Ich hoffe, das ist trotzdem verständlich:

CONCONI-Test

Üblich sind Feldstufentests für das Laufen auf der Tartanbahn und Laborstufentests auf dem Laufband bzw. Ergometer (Radfahren). Die Belastung wird dabei stufenweise erhöht und mit der Herzfrequenz korreliert.

Durchführung

Während der Dauer einer Stufe muss die Belastung konstant gehalten werden, zwischen den Stufen findet keine Pause statt. Die sich gegen Ende der jeweiligen Belastungsstufe einpendelnde Herzfrequenz wird bei der Auswertung des Tests über der Belastung aufgetragen, d.h. der Geschwindigkeit beim Laufen, bzw. der Leistung beim Radfahren. Die Dauer des Tests und Länge der Stufen sollte so angelegt sein, dass am Ende eine hinreichend große Anzahl von Messpunkten (mindestens ca. 8) vorliegt. Die Dauer der Stufen sollte so lang sein, dass sich eine stabile, der jeweiligen Belastung entsprechende Herzfrequenz ablesen lässt und so kurz, dass der Test nicht zu lange dauert und auch höhere Belastungsstufen ausreichend lange verkraftet werden können.
Eine Pulsuhr mit Speicher für Herzfrequenz und Zwischenzeiten ist ratsam. Da die Herzfrequenz immer etwas schwankt, sollte sie in sehr kurzen (<=5 sec) Intervallen automatisch gespeichert werden, damit eine genaue Betrachtung der zur Leistungsstufe gehörigen Herzfrequenz möglich ist. Dazu sollten die letzten Zwischenspeicher vor dem Erreichen des Endes der Teilstrecke ausgelesen werden. Für Tests auf dem Fahrrad müssen zusätzlich parallel Leistung oder Geschwindigkeit aufgezeichnet werden.

Laufen

Beispiel: Stufenweise Steigerung der Laufgeschwindigkeit um 0:30 sec/km alle 200 m von 7:00 min/km bis 3:30 min/km ergeben 15 Stufen bei einer Testdauer von ca. 16 Minuten. Die gelaufenen Geschwindigkeiten werden beim Feldtest über die 200 m Splitzeiten errechnet, welche mit aufgezeichnet werden müssen.

Problematisch im klassischen Feldtest: Die Vorgabe der Laufgeschwindigkeit erfolgt durch akustische Signale (Pfiff), wenn eine bestimmte Wegmarke theoretisch erreicht werden sollte. Dies führt aber in der Praxis dazu, dass der Proband auf der jeweiligen Teilstrecke meist entweder zu schnell oder zu langsam unterwegs ist du sehr oft die Geschwindigkeit für den nächsten Abschnitt über- oder unterkorrigiert. Solange eine stufenweise Steigerung der Belastung stattfindet und die Laufgeschwindigkeit in den einzelnen Bereichen konstant bleibt, ist dies für die Auswertung allerdings unproblematisch.
Vorgeschlagen wird deshalb von vorneherein eine Geschwindigkeitssteigerung nach Gefühl in 8-10 Stufen bis zu Ausbelastung, wobei Augenmerk auf eine sehr geringe Geschwindigkeit bei den ersten Stufen gelegt werden sollte.
Problematisch beim Test auf dem Laufband: Die Umrechnung auf tatsächliche Geschwindigkeiten und damit Vorgaben für das Training ist wegen des fehlenden Luftwiederstandes nur bedingt möglich. Bei hoher Belastung ist durch fehlende Kühlung die Wärmeabgabe des Körpers stark behindert, eine Verfälschung der Messergebnisse ist dadurch möglich, ebenso ein zu früher Abbruch des Tests. Bei hohen Geschwindigkeiten ist die Verletzungsgefahr auf Laufbändern zu beachten.

Fahrrad

Beispiel Ergometertest: Stufenweise Erhöhung der Leistung bei Ergometertest um 40 W alle 2 Minuten von 100 W bis 380 W ergeben 8 Stufen bei einer Testdauer von ca. 16 Minuten.
Beispiel Feldtest: Gewählt werden sollte eine möglichst lange Gerade ohne nennenswerte Steigungen, um alle Belastungsstufen vergleichbar zu machen. Stufenweise Erhöhung der Geschwindigkeit von 20 km/h um jeweils ca. 2 km/h alle 2 Minuten nach Gefühl bis zu Ausbelastung.

Problematisch beim Feldtest: Sollte ein geeignetes Testgelände vorhanden sein, ist trotzdem die Reproduzierbarkeit fraglich, da Witterungseinflüsse wie Wind, Temperatur oder Regen auch gleich sein sollten.

Eine Auswertung des Tests kann ohne Leistungsmesskurbel nur über der Geschwindigkeit erfolgen, welche sich nur unter theoretischen Annahmen in die gefahrene Leistung in Watt umrechen lässt (Die zur erbringende Leistung gegen den Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, Widerstandsbeiwerte lassen sich nur schätzen).

Auswertung

Die Herzfrequenz der einzelnen Stufen wird über der Leistung (Hilfsweise Geschwindigkeit) beim Radfahren bzw. der Geschwindigkeit beim Laufen aufgetragen. Werden die Messpunkte verbunden, ergibt sich im unteren (linken) Bereich der Kurve ein linearer Anstieg der Herzfrequenz, welcher im weiteren Verlauf abknickt und wesentlich flacher, näherungsweise ebenfalls linear, weiterverläuft. Dieser Knickpunkt wird als individuelle anaerobe Schwelle iAS interpretiert. Begründung: Bis zum Erreichen dieses Punktes wird die körperliche Mehrleistung über eine erhöhte Sauerstoffversorgung an den Muskel durch erhöhte Pumpleistung/Herzfrequenz gedeckt (aerobe Energiebereitstellung). Ab dem Knickpunkt aber steigt die Herzleistung trotz größerer erbrachter Gesamtleistung nicht mehr im selben Maß an, folglich wird die Leistung ab diesem Punkt zunehmend zusätzlich durch anaerobe Prozesse erbracht. Bei einer Lakatmessung wird ab diesem Punkt mehr Lakat auf- als abgebaut. (Individuell verschieden bei ca. 4 mmol/ltr).

Weiterhin von Aussagekraft ist die Steigung der Geraden im aeroben Bereich: Ein Ziel der Ausdauertrainings ist eine Erhöhung der Leistung bei gleichem Anstrengungsgrad des Herz-Kreislaufsystems, d.h. gleicher Herzfrequenz. Ein effektives Training sollte diese Gerade flacher machen, d.h. eine Verschiebung hin zu niedrigeren Herzfrequenzen bei gleicher Belastung.

Weitere Parameter, die bei diesem Test ermittelt werden können sind:
· Maximale Herzfrequenz
· Erholungspuls (nach 1,2 und 5 Minuten)

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, den Test mehrmals im Jahr zu wiederholden, um die Wirksamkeit des Trainings zu überprüfen. Dabei wird sich die iAS nur geringfügig ändern, die Steigung der Geraden sollte aber flacher werden, d.h. bei gleicher Herzfrequenz sollte eine höhere Geschwindigkeit bzw. Leistung möglich sein. Ebenso ist ein niedrigerer Erholungspuls Indikator für einen besseren Trainingszustand. Dabei ist die Periodisierung der Trainings im Jahresverlauf zu beachten.

Probleme bei der Auswertung

· Bestimmung der Knickpunktes ist kniffelig.
· Die aerobe Schwelle (2 mmol/l Laktat) wird nicht ermittelt und wird in der Literatur lediglich mit pauschal 20-30 Schläge unter der ermittelten iAnS angegeben.


Vorteile Conconi-Test gegenüber anderen Leistungstests

- einfach
- schnell
- kann selbst durchgeführt werden
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Keine Panik!
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