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Für mich wird in dieser Diskussion das Pferd vom Schwanz aufgezäumt.
Es bräuchte meines Erachtens zunächst mal ein Verständnis dafür, weshalb die beiden grossen Volksparteien wie CDU und SPD in Deutschland im letzten Jahrzehnt kontinuierlich sehr deutlich an Wähler und Mitglieder verloren haben. Das liegt halt nicht einfach nur an deren Politik, sondern primär an soziologischen Veränderungen der deutschen Gesellschaft von einer Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft, an gewachsener Mobilität der Einwohner, an wachsender Individualisierung, am Zerfall der die Volksparteien tragenden Milieus, an der Fragmentierung der Arbeiterschaft, an strukturellen Krisen wie der Eurokrise, der Finanzkrise, der Coronakrise, dem Krieg in Europa, der Klimakrise, dem Anwachsen von Armut / Reichtum, der wirtschaftlichen Stagnation, der Globalisierung. Die objektiven Widersprüche verschärfen sich krisenhaft, was sich in den politischen Veränderungen der Parteien und z.T. instabilen Koalitionsmehrheiten (Ampel z.B.) widerspiegelt, wo unter diesen Gegebenheiten mit der AFD eine Partei dem Bürger Sündenböcke für die Krisen präsentiert wie primär die Migranten, die liberalen Linken etc. und selbst wieder die Fahne des übersteigerten Nationalismus und der kulturellen konservativen Reaktion wehen lässt, um auf diese Weise die ehemaligen Wähler der grossen Volksparteien um sich zu scharen.
Geändert von qbz (Gestern um 19:59 Uhr).
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