|
Ideologie ist ja nur eine Seite der terroristischen Existenz. Ob nun religiös oder politisch legitimiert, die Sattelfestheit und auch die theoretische Konsistenz der eigenen Sichtweise schwankt da beträchtlich.
Konsistenter sind da psychologische Macht- und Moralmotive und zur radikalisierung beitragende Gruppendynamiken. Aus beruflicher Perspektive interessiert mich das naturgemäß mehr.
Typisch ist ein grandioses Selbstbild („Wir sehen klarer als die Masse“), Moralische Überhöhung („Unsere Gewalt ist notwendig, eure ist verbrecherisch“)Eine wichtige Rolle spielt oft Kränkung und Wut („Dieses System erkennt unsere Wahrheit nicht an“)
Und der Wunsch nach historischer Bedeutung („Wir zwingen die Geschichte zum Handeln“) sowie Macht über Leben, Angst und Aufmerksamkeit.
Die wenigsten von uns können wohl behaupten, das Leben von 35.000 Menschen über Tage entscheidend geprägt zu haben und soviel mediale Aufmerksamkeit zu erlangen.
Weiterhin ist die Entdeckungsgefahr relativ klein und man kann sich den Kollateralschaden schönreden. Relativ viel Output für wenig in.
Die Gewalt ist da in erster Linie identitätsstiftend, machtvoll und aufmerksamkeitsgenerierend.
Es gibt auch andere Typen, wo dann moralische Rigidität in Grandiosität umschlägt und Unfähigkeit zur Ambivalenz und totale Identifikation mit der Rolle zu solchen Taten führen,
Jedenfalls tritt dann am Ende in den Hintergrund, dass das ganze nur wenig oder in keinster Weise geeignet ist, die Welt ideologisch zu verändern oder zu beeinflussen.
|