Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Natürlich muss man das "vermischen". Du kannst im Jahr 2025 nicht vom "Erfolg" eines Wirtschaftssystems sprechen, und dabei nur den monetären Erfolg aufseiten der Profiteure sehen. Die Nachteile dieses Wirtschaftssystems gehören mit ins Bild.
Zu den Nachteilen gehört neben der Ungleichheit des globalen Nordens gegenüber dem Süden die existentiell bedrohlichen Umweltzerstörung. Die 2-3 Generationen seit dem Zweiten Weltkrieg haben ausgereicht, um einerseits viel Wohlstand im globalen Norden zu schaffen, andererseits aber die gesamte Menschheit vor kaum lösbare Umweltprobleme zu stellen.
Selbstverständlich muss man beides gemeinsam betrachten.
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Ich glaube, wir reden an einem Punkt aneinander vorbei, weil wir unterschiedliche Ebenen vermischen.
Ich habe den Kapitalismus zunächst deskriptiv als ein System beschrieben, das über Profitabilität einen Selektions- und Selbstreinigungsmechanismus besitzt. Unternehmen, die Kundenbedürfnisse effizient erfüllen, überleben; ineffiziente verschwinden. Das ist eine Funktionsbeschreibung, keine moralische Bewertung.
Natürlich hat dieses System Nebenwirkungen wie Umweltbelastungen, Ungleichheiten, externe Effekte. Das bestreite ich ausdrücklich nicht. Entscheidend ist aber, dass ein System funktional effizient sein kann und gleichzeitig falsche Anreize setzt. Genau deshalb ist die eigentliche Frage nicht, ob der Kapitalismus „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern wie wir seine externen Effekte sinnvoll bepreisen und begrenzen, ohne seine Leistungsfähigkeit zu zerstören.
Marktbasierte Instrumente sind dafür m.E. grundsätzlich der richtige Ansatz. Der Zertifikatehandel gehört dazu. Der greift genau an der Ursache an, indem er Emissionen bepreist, statt Symptome moralisch zu bewerten. Die Wirksamkeit hängt jedoch zwingend von der Reichweite ab. Ein Zertifikatesystem funktioniert nur, wenn ein relevanter Teil der globalen Emittenten einbezogen ist.
Unilaterale oder regionale Alleingänge führen dagegen vor allem zu Verlagerungseffekten (Carbon Leakage) statt zu realen Emissionsreduktionen. Ja, globale Koordination ist schwierig, aber sie ist nicht schwieriger, als zu glauben, ein globales Problem ließe sich dauerhaft durch nationale Sonderwege lösen.
Genau deshalb lehne ich den deutschen bzw. europäischen Sonderweg ab, nicht aus Prinzip, sondern weil er strukturell scheitern muss. Die Kosten sind real und hoch. Der klimaökonomische Effekt ist dagegen gering. Globale Probleme verlangen zwingend globale Instrumente, alles andere ist teuer, gut gemeint und letztlich wirkungslos.