Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Interessanter Ansatz. Ich halte im Gegensatz zum oben Gesagten das Mentale eher für überschätzt.
Wenn jemand im Rennen schneller ist als ich, dann ist er normalerweise auch im Training rein physisch stärker und kann mir das bei Bedarf jeden Tag zeigen.
Es gibt zweifellos das Phänomen, dass einem eine vierstündige Radtour kurz erscheint, wenn man gewohnt ist, fünf oder sechs Stunden zu fahren. Ob das eine mentale oder eine körperliche Anpassung ist, lasse ich mal offen. Falls es sich um eine mentale Anpssung handelt, erwirbt man sie sich im Training und nicht auf dem Sofa. Durch wenig trainieren wird man nach meiner Überzeugung kein besserer Radfahrer, auch nicht auf langen Distanzen.
Allerdings habe ich keine persönlichen Erfahrung auf derart langen Distanzen, wie ihr sie vorhabt. Ebenfalls nicht auf mehrtägigen Etappenrennen. Jedoch erscheint mir, dass gerade die Etappenfahrer ("Rundfahrer") sehr viele Kilometer abspulen, um die Regenerationsfähigkeit auf das benötigte Niveau zu heben. Von der Strategie " fahre nicht so viel vor der Tour, sonst hast Du am Galibier keine Lust mehr" habe ich noch nie gehört.
Das ist nur meine unmaßgebliche Sicht auf diesen Aspekt. Es liegt mir fern, den erfahrenen Ultrafahrern ungefragte Tipps aufzudrängen.

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Ein paar Gedanken dazu:
1. Du hast ja schon beim Langdistanztraining den Effekt, dass du die Renndistanz selten bis nie im Wettkampfdistanz vorab im Training absolvierst. Dieses Phänomen hast du beim Ultrarennen noch viel mehr. Das eigene Zeitbudget reicht selten aus, um gigantische Umfänge abzuspulen, die notwendig erscheinen um ein Ultrarennen zu finishen. Das wird nicht funktionieren. Also ist schon die Frage, wie man die verfügbare Zeit einsetzt und hier gibt es durchaus einige Stimmen, die ein diverses Training am Anfang der Vorbereitung befürworten und lange Radausfahrten eher später im Programm haben. Auf-dem-Sofa-Sitzen gehört aber nicht zum Alternativtraining.
2. Das Mentale ist beim Ultracycling wesentlich relevanter als beim IM. Du wirst will mehr Probleme zu lösen haben. Technische Probleme, unangenehmes Wetter, Schlafmangel etc. Sowas gibt's natürlich beim LD-Triathlon auch, aber eben kurz. Die LD ist am Abend zu Ende und es geht unter die heiße Dusche und ins warme Bett. Und selbst da verzweifeln ja schon Leute an verhältnismäßig kleinen Problemen (Man erinnere sich an das Gejammer wegen des bisschen Regens beim IM Klagenfurt im letzten Jahr). Beim Ultracycling potenziert sich aber die Probleme und irgendwann kommt der Punkt, wo man aufhören will. Die hohen Scratchraten in den Rennen haben eben auch hierin einen Grund und das will auch verhindert sein, wenn man ankommen will. Eine hohe FTP hilft da nicht unbedingt.
3. Die von dir angesprochenen (Profi-)Etappenradrennen sind ein ganz anderer Sport; meiner Meinung nach ein Anti-Sport. Die Typen flippen aus, wenn sie mal einen Platten haben und schmeißen ihr Fahrrad in den Graben. Geht's noch? Die Vögel will ich mal sehen, wenn abends kein Radmechaniker und kein Teamhotel da ist. Aber ja, die können natürlich schneller Radfahren, als Trainingsvorbild taugen die eher nicht.