Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Was verstehst Du unter gesellschaftlichem Zusammenhalt? Immer wenn es darum geht, als Gesellschaft gemeinsame Lösungen zu finden, wirfst Du mir ein "kollektivistisches" Gesellschaftsbild vor. Besser sei es, jeder Einzelne würde nach eigenem Ermessen tun oder lassen, was er oder sie für richtig hält.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist etwas anderes als Gleichgültigkeit. Wenn es einem egal ist, wie viele alte Menschen sterben, braucht man sich nicht in einer gesellschaftlichen Kontroverse um Schutzmaßnahmen kümmern. Das ist aber kein Zusammenhalt, sondern das Gegenteil von Zusammenhalt.
|
Zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zählt für mich die Akzeptanz, daß die Menschen innerhalb der Gemeinschaft ihren individuellen Weg und Bewertung haben, daß ihnen dies zugestanden wird. Zusammenhalt entsteht nicht aus identischer Einstellung, sondern aus der Überzeugung, daß man auch bei Unterschieden etwas verbindendes haben kann; für mich entsteht gesellschaftlicher Zusammenhalt primär aus einem Gefühl der Zusammengehörigkeit, die sich üblicherweise aus der gemeinsamen Geschichte, Kultur und (in Grenzen) Sprache ergibt. Wenn so eine Basis da ist, sind Unterschiede im Umgang mit Krisen trotzdem gemeinsam zu bewältigen. Dahinter steht allerdings das Konzept des Nationalstaats als sehr hilfreiche Basis - was in Deutschland bedauerlicherweise irgendwie nicht gern gesehen wird. In Ungarn haben alle nach ihren Möglichkeiten und Ansichten ihr Beitrag geleistet, und keiner wurde angegriffen, weil er es anders anging, als der Nachbar.
Zitat:
Zitat von Klugschnacker
Weder sind die Ungarn besser als wir, noch wären die Deutschen besser als die Ungarn. Wir brauchen aber von einem Land, das sich regelmäßig bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen quer stellt und homosexuelle Menschen von einer gerechten Teilhabe an der Gesellschaft ausschließt, erstmal keine Nachhilfe in Sachen Zusammenhalt.
|
Nein, keiner ist besser, als der andere. Aber in diesem Punkt haben die Ungarn den besseren Weg gefunden, und das hat gar nichts mit den anderen Themen zu tun. Das ist einfach eine Tatsache. Egal was für ein Feindbild Orbán abgibt - er ist nicht "die Ungarn", ebenso wie Frau Merkel nicht "die Deutschen" ist.