gemeinsam zwiften | youtube | forum heute
Triathlon Coaching
Triathlon Coaching
Individueller Trainingsplan vom persönlichen Coach
Wissenschaftliches Training
Doppeltes Radtraining: Straße und Rolle mit separaten Programmen
Persönlich: Regelmäßige Video-Termine
Mehr erfahren: Jetzt unverbindlichen Video-Talk buchen!
triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Putin und die Ukraine
Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 01.05.2022, 15:36   #4877
Hafu
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Klugschnacker Beitrag anzeigen
Warum sollte der wirtschaftliche Ruin Russlands ein Beitrag zum Frieden in Europa sein?
...

Anzustreben, oder sich zu wünschen, oder zu tolerieren, dass es 145 Millionen Menschen wirtschaftlich möglichst schlecht gehen möge – damit habe ich auch moralisch meine Schwierigkeiten. Wie passt das zu unserem Selbstverständnis, wir träten europaweit für unsere Werte ein? Falls das stimmt, müsste das doch auch für die Bürgerinnen und Bürger Russlands gelten. Wenn wir uns wünschen, dass es 44 Millionen Ukrainern möglichst gut, aber 145 Millionen Russen möglichst schlecht geht, für Jahrzehnte, dann stimmt doch etwas nicht.
Jetzt interpretierst du ein wenig viel in mein kurzes Zitat hinein.

Natürlich geht es nicht bei meiner Prognose vom wirtschaftlichen Ruin nicht darum, dass es den 145 Mio Russen schlecht geht. Den meisten davon geht es auch unter Putin schlecht und es wird sich für sie auch mit dem zukünftigen Wegfall des Großteils der Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft nicht viel ändern, da diese Gelder seit Jahrzehnten großteils in die Taschen von Oligarchen, in ein System der Korruption sowie in den Polizeiapparat und eben in das Militär geflossen sind.
Es geht darum, dem Machtapparat der Putin-Clique die finanzielle Basis zu entziehen und dazu gibt es aus dem aktuellen Status Quo heraus nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg keine Alternative mehr.

Putin hätte die Chance gehabt, sich in die europäsiche Staatengemeinschaft einzugliedern. Es gab - insbesondere in den Jahren nach seinem Machtantritt mehr als genug Angebote hierfür. Er hat sich dagegen entschieden und betreibt seit über 10 Jahren ein System der Destabilisierung des Westens durch unmittelbare Wahlbeeinflussung, Desinformation und eben auch durch völkerrechtswidrige Kriege, von denen der Angriffskrieg gegen die Ukraine nur der größte und aufsehenerregendste, aber eben keineswegs der einzige ist.
Die Ermordung zahlreicher regierungskritischer Journalisten und Oppositionelle durch Putins Geheimdienstapparat muss ich an dieser Stelle vielleicht auch nochmal erwähnen, um deutlich zu machen, wie unrealistisch es ist von einem zukünftigen Miteinander mit Putin zu träumen, auch wenn das vielleicht von einem humanistischem Standpunkt aus wünschenswert wäre.

Wer einen ungerechtfertigten, imperialen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland führt, muss dafür bestraft werden. Das gehört zu den völkerrechtsstaatlichen Grundsätzen, so wie innerhalb eines Rechtsstaates ein Mörder unbedingt sanktioniert werden muss. Anderenfalls, wenn es für eklatante Rechtsverstöße keine für den Täter schmerzhafte Sanktionen gäbe, würde jede Rechtsordnung erodieren.

Ein wirtschaftlich schwacher Staat ist eine viel geringere Bedrohung für die weltweite Staatengemeinschaft als ein Staat, der sich finanziell ein potentes Militär leisten kann. Das belegen seit Jahrzehnten die Beispiele Nordkorea und Iran.

Ausgehend von den Taten, die Russland in der Ukraine angerichtet hat, gibt es einfach mittelfristig keine Handlungsalternative als das System Putin durch konzertierte Aktionen wirtschaftlich maximal zu schwächen. Die meisten jetzt beschlossenen Sanktionen hätten schon 2014 nach der Krim-Anexion beschlossen werden müssen, dann wäre es möglicherweise gar nicht zum Angriff auf die Ukraine gekommen und auch der Krieg im Donbass wäre dann (ohne die massive Unterstützung der prorussischen Separatisten dort) mutmaßlich auch nicht derartig eskaliert.