Zitat:
Zitat von sabine-g
Du scheinst ja sehr überzeugt von deiner Meinung zu sein. (Vielleicht neben ein paar anderen Schreibern)
Die Tatsache ist:
Du hast keine Ahnung. Null.
Aber: Alle anderen haben auch keine Ahnung. Null. Inklusive der ganzen Experten weltweit.
Weil: Putin und seine Marionetten handeln nicht rational. Niemand kann vorhersagen was er bereit ist zu tun oder auch nicht. Was er eigentlich noch will oder auch nicht.
...
|
Ich bin kein Experte, das dürfte ja wohl klar sein. Warum du allen echten Experten Ahnungslosigkeit unterstellst, ist mir unklar. Natürlich hat jeder Experte
in seinem in der Regel eng umschriebenden Fachgebiet sehr wohl Ahnung, sonst wäre es ja kein Experte.
Was ich hier schreibe beruht auf den meist angelesenen, teils auch angehörten Teilmeinungen von Experten, die ich versuche zu verknüpfen. Beim Schreiben versuche ich meine eigenen Gedanken zu ordnen und verschiedene Gedanken abzuwägen. Da wo du Logikbrüche erkennst, solltest du diese benennen und idealerweise begründen, so dass andere (oder ich) in der Lage sind darauf beruhende Schlussfolgerungen zu hinterfragen oder anders zu konstruieren.
Dein oben zitierter Beitrag ist in seinem Fatalismus dazu wenig geeignet.
Dass Putin nicht rational handelt und ein Dummkopf oder Wirrkopf sei, ist ein weitverbreitetes Missverständnis. Er ist ein widerliches Arschloch, aber trotzdem (bislang) nicht irrational.
Alles, was er in den letzten 20 Jahren politisch und militärisch geplant und getan hat, beginnend mit dem brutalen Tschetschenienkrieg zu Beginn seiner politischen Laufbahn, über den
sukzessiven Rückbau aller demokratischen Strukturen, die in der Perestroja-Phase entstanden waren, über die jahrelange Hochrüstung des Militärs bis hin zur Gleichschaltung der Medien folgte rückblickend betrachtet einem langfristigen Plan.
Es ist nur eben nicht der Plan, den sich der Westen für Russland gewünscht hat und an den russlandfreundliche Politiker des Westens bis zuletzt geglaubt und sich daran geklammert haben.
Kein Politiker einer westlichen Demokratie kann in derartig langfristigen Zeiträumen denken, planen und handeln wie es Autokraten nunmal möglich ist, weil üblicherweise im Westen die Macht nur geliehen ist und alle paar Jahre im Rahmen von Wahlen verloren gehen kann.
Putin hatte als KGB-Agent in Berlin ein massives Trauma, das aus dem Zusammenbruch und Bedeutungsverlust der UDSSR resultiert und alles was er in den letzten 23 Jahren politisch getan hat, diente letztlich dazu die weitere Aufspaltung der russischen Föderation zu verhindern und ehemals russische Gebiete wieder an die Föderation anzuschließen, kurz gesagt Russland wieder zu alter Größe und alter Bedeutung zurück zu führen.
Mit aller Brutalität, die schon in Grosny, später in Aleppo zu besichtigen war und die auch die Erschießung und Vergiftung von politischen Gegnern, kritischen Journalisten und abtrünnigen Agenten und Oligarchen in Russland selbst sowie auch im Ausland umfasste, ist Putin letztlich auch nahezu jedes der oben skizierten Ziele bisher gelungen. Die Krim-Anexion verlief im Vergleich zu früheren militärischen Unternehmungen geradezu märchenhaft einfach und die anschließenden westlichen Sanktionen waren angesichts des Tabubruchs der Anexion eines Teils eines völkerrechtlich souveränen Staates geradezu lächerlich, so dass Putin 2014 geradezu aufgefordert wurde, auf seinem eingeschlagenene Weg weiter zu machen.
Und wenn der Westen nicht in der Ukraine mit deren konsequenter Unterstützung indirekt interveniert hätte, dann könnte Putin jetzt auch das nächste Zwischenziel abhaken und sich der nächsten Etappe seines Plans widmen.