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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Lionel Sanders - Lionel wer?
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Alt 07.04.2022, 10:49   #2492
schnodo
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Oceanside 70.3 Recap - Teil 2

...Alles absolut sein eigenes Verschulden, er hatte nicht vorhergesehen, dass die Flaschen eine andere Größe haben würden. Die Radperformance war somit nicht ansatzweise seine beste, aber dadurch, dass er nicht besonders hart gefahren war, hatte er gute Beine fürs Laufen. In T2 hatte er wieder Ahornsirup und Salz und wusste, dass er damit gut auskommen würde, wenn er darauf achtet, genügend Wasser zu trinken. Er ist zufrieden mit seiner gewählten Strategie auf dem Rad. Die Angst, zu platzen war einfach zu groß.

Er lief einige Kilometer mit Arnaud und gratulierte diesem zu seiner Radleistung, die Lionel richtig gut fand. Lionel rechnete sich nicht allzu große Chancen aus aufzuholen. Er spekulierte darauf, dass vielleicht einer vor ihm zu hart gefahren war und deswegen zurückfallen würde. Deswegen hatte Lionel innerlich mehr oder minder von Rennen auf Trainingslauf umgestellt – einfach die bestmögliche Leistung abliefern, zeigen dass er nicht platzt und bis zum Ende stark laufen kann. Nichts deutete darauf hin, dass er Plätze gutmachen könnte.

Bei der ersten Wende sah er die anderen entgegenkommen und Brownlee hatte 2:15 min Vorsprung, genauso viel wie in T2. Lionel hatte also keine Zeit gutgemacht. Das war ihm aber egal, er wollte nur für sich selbst sein Bestes tun.


Bildinhalt: Lionel liegt zurück

Er sah sich als Fünften oder Sechsten im Ziel und das war okay so. Dann fiel Sam Appleton zurück, was Lionel etwas motivierte, aber er dachte dennoch, dass es das gewesen sei. Der Abstand zu Kanute schien sich nicht zu verändern, obwohl er nun die anderen vor sich erkennen konnte, was er extrem motivierend fand. Das half ihm, ein gleichmäßiges Tempo zu halten, aber dachte dennoch nicht, dass sie zurückfallen würden.

Aber nach 15 oder 16 km hatte er eine Ahnung, dass er vielleicht Ben Kanute einfangen könnte. An einem Hügel, den Kanute schon halb überwunden hatte als Lionel ankam, nutzte Lionel die Gelegenheit sich heranzuarbeiten. Kanute wehrte sich aber energisch und Lionel musste stark anziehen, um ihn loszuwerden. Damit war Lionel eigentlich zufrieden, fünfter Platz zu diesem Zeitpunkt.

Am letzten Anstieg war Lionel am Beginn der Rampe und Brownlee schon oben, trotzdem witterte Lionel Morgenluft und schuftete sich den Hügel hoch. Irgendjemand schrie ihm dann zu: "There's blood in the water!" wie schon einmal bei einer ITU-Langdistanz. Lionel weiß nicht warum ihn das in diesem Moment angespornt hat, aber es war so. Da begann Lionel richtig zu arbeiten, den letzten Kilometer. Seine Waden zahlen jetzt den Preis. Er schnappte sich Brownlee ca. 600 m vor dem Ziel. Brownlee reagierte überhaupt nicht, ihm schien es egal zu sein, dass Lionel ihn einholte.


Bildinhalt: "Brownlee hat überhaupt nicht reagiert."

Und dann war Rudy von Berg vor ihm. "Was um Himmels Willen ist da los?" Lionel zog erneut an, um Rudy zu holen. Er war dann neben ihm und Lionel wollte sich kurz entspannen und für den finalen Sprint vorbereiten. Rudy war aber wohl erschreckt, dadurch dass Lionel an seiner Seite auftauchte und begann zu sprinten.


Bildinhalt: No retreat, no surrender

"Okay, was soll's", dachte sich Lionel und sprintete auch. Er war beeindruckt davon, wie Rudy losrannte. Es ist nicht so, dass Lionel ein toller Sprinter wäre, aber es imponierte ihm, dass Rudy noch einen solchen Spurt im Tank hatte. Jede Muskelfaser in Lionels Körper war in diesem Moment gefordert. Es ging hin und her, aber auf den letzten 20 m hatte Lionel ein winziges bisschen mehr als Rudy.

Lionel weiß, dass es nicht eindeutig ist, wer denn nun tatsächlich zuerst im Ziel war, aber aus seiner Sicht war es ganz klar, dass er sich vor Rudy von Berg ins Ziel gelehnt hatte. Letzendlich lief es auf ein Foto-Finish hinaus, auch wenn es kein echtes Zielfoto gab; es ist aber auch nicht wichtig.


Bildinhalt: Das Publikum tobt

Es war eine coole Erfahrung, aber es ist befriedigender wenn man sich einen solchen Kampf um den ersten und nicht den zweiten Platz liefert. Aber andererseits sind im die Plätze nicht so wichtig, er liebt den Kampf. Das hat wirklich Spaß gemacht.

Sie mussten auch feststellen, dass man nicht genügend Platz hat, wenn man mit 24 km/h ankommt. Beide sind fast in – es müssen 50 gewesen sein – Fotografen reingerauscht. Zum Glück gab es einen kleinen Korridor zur Rechten, in welchen beide fallen konnten. Vielleicht sollten in zukünftigen Rennen die Leute mit den Kameras etwas weiter hinter sein.

Lionel hatte keinerlei Chance Jackson Laundry einzuholen. Der war einfach zu gut an diesem Tag. Er freut sich sehr für ihn. Er kennt ihn seit Jahren, seit einem Camp in 2012. Damals war er auch schon gut. Es ist faszinierend, dass es so lange gedauert hat bis er große Rennen gewinnt. Aus Lionels Sicht ist Jackson einer der talentiertesten Späteinsteiger ins Schwimmen, mit wunderschöner Technik. Er hatte einen schweren Unfall bei den 70.3-Weltmeisterschaften in Nizza. Und dann beim Schwimmen ein solches Comeback zu haben ist sehr beeindruckend.

Lionel hasst es, zu verlieren. Aber wenn er sich jemanden aussuchen dürfte, gegen den er verlieren muss, dann wäre das Jackson Laundry.

Er schlägt vor, dass Rudy und er sich auf ein Unentschieden einigen und bei einer anderen Gelegenheit herausfinden, wer der Bessere ist. Talbot meint, dass der Collins Cup eine gute Gelegenheit dafür sein könnte. Lionel ist angetan von der Idee: Jan, Rudy und Lionel.


Bildinhalt: "I like that a lot!"

Aus meiner Sicht ist Lionel auf einem guten Weg, auch wenn ihm natürlich die Zeit etwas davonläuft und die Nachrücker unglaublich stark sind. Lionel plant besser als früher, ist weniger impulsiv und betreibt vernünftige Schadensbegrenzung. Dennoch wird er dabei nicht zum Roboter. Wenn es drauf ankommt, kann er es krachen lassen wie kaum ein anderer. Und dazu ist er noch so unterhaltsam, dass ich nach wie vor motiviert bin, seinen Weg zu begleiten und Zeit dafür zu investieren.
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Geändert von schnodo (07.04.2022 um 19:52 Uhr). Grund: Formulierung, Rechtschreibung
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