Zitat:
Zitat von LidlRacer
...
Das Modell scheint ja recht gut funktioniert zu haben, so dass man annehmen könnte, dass auch die zugrundeliegenden Annahmen nicht völlig verkehrt waren.
Zu diesen Annahmen gehören solche zur Impfeffektivität für Omikron (ohne BA.2) und Delta in Abb2. auf Seite 4.
...
|
Bezüglich der Impfeffektivität gegenüber der Deltavariante brauchen wir nicht zu diskutieren: da sind wir einer Meinung und da Delta mindestens bis jetzt oder vor wenigen Tagen durchaus noch eine relevante Rolle bei der Intensivbettenbeanspruchung gespielt hat (da Omicron-Intensivpatienten gewissermaßen Langlieger sind) hat das in die Voraussagen für die Intensivstationen in dem Modell eine erhebliche Rolle gespielt.
Was Omicron (hier BA.1) angeht: da sind sich mittlerweile alle Virologen und Epidemiologen einig, dass diese Variante im Vergleich zu Delta deutlich harmloser war als noch im Dezember erwartet.
Du erinnerst dich sicher noch, dass man den damals überraschend unkomplizierten Verlauf der Omicron-Welle in Südafrika v.a. damit begründet hatte, dass die Südafrikanische Bevölkerung so jung sei und trotz niedriger impfrate so einen hohen Durchimmunsierungsgrad hatte. Tatächlich gab es aber anschließend auch in GB viel weniger Krankenhauseinweisungen und nur eine verschwindend geringe Anzahl an Intensivbettenbeanspruchung, jedenfalls wesentlich weniger als erwartet. Und die Impflücke in GB ist größer als in Deutschland ( bei etwas höherer Genesenenquote, was für Omicron-Infekte aber bekanntlich eine untergeordnete Rolle spielt, denn die Wildtypinfizierten vom Frühjahr 2020 haben gegen Omicron sicher keinen relevanten Infektionsschutz mehr).
Interessant sind auch die
Omicron-Zahlen aus Rumänien, dem Land mit der niedrigsten Impfquote (40'%)in Europa, das deshalb von der Deltawelle im Herbst noch katastrophal (gerade auch im innereuropäischen vergleich) getroffen wurde und in dem auch die Qualität der Intensivbetten was Beatmungsmöglichkeiten oder gar ECMO-Plätze anbelangt nicht ansatzweise das deutsche Niveau erreichen.
Im direkten Vergleich zu Deutschland (Impfquote 75%) hätte man für Rumänien bei hoher Impfeffektivität deutlich schlechtere Mortalitätszahlen für die omicronwelle (vergleichbar der katastrophalen Übersterblichkeit während der Deltawelle) erwartet als für Deutschland mit seiner vergleichsweise hohen Impfquote und v.a. auch hohen Boosterquote. Die niedrigere Pathogenität von Omicron (so war die Einschätzung des Expertenrats im Dezember) sollte konterkariert werden durch den gravierend höheren R-Wert und die deshalb zu erwartende viel höhere Inzidenz. Aus dieser Grundannahme heraus wurde damals dringenst zur Boosterimpfung geraten, weshalb sich auch viele Menschen noch kurzfristig zur Boosterung entschlossen hatten.
Kurz zusammengefasst: Nur weil die Vorhersagen eines Modells halbwegs eingetroffen sind, kann man nicht den Rückschluss ziehen, dass die für das Modell getroffenen Annahmen alle richtig waren.