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Zitat von Bockwuchst
Die IgA Antikörper verschwinden doch aber als allererstes wieder. Eine Infektion jetzt mit Omikron wird dir im Herbst in 8, 9 oder 10 Monaten nichts an Immunität bringen. Da liegt zu viel Zeit dazwischen.
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Die IgA-Antikörper verschwinden natürlich nach einiger Zeit wieder, genauso wie IgG und IgM-Antikörper, aber die
Fähigkeit bei erneutem Erregerkontakt rasch passende IgA-Antikörper zu produzieren bleibt viel länger erhalten.
zu einer kompletten Grundimmunisierung gehört eben die Schleimhautimmunität als Teil des
mucosalen Immunsystems zwingend dazu und das ist viel mehr als nur die leicht im Reagenzglas messbaren IgA-Antikörper.
Das mucosale Immunsystem, zu dem neben den Mund- und Nasenschleimhäuten und den ganzen Schleimhäuten in der Lunge auch die Darmschleimhäute gehören macht rund 75% des gesamten Immunsystems des Körpers aus und wird durch eine intramuskulär in die Blutbahn verabreichte Impfung logischerweise nur unzureichend stimuliert. Irgendwann muss da für eine vernünftige Immunisierung noch zwingend eine natürliche Infektion (gerne auch asymptomatisch oder oligosymptomatisch) dazu kommen, wenn der Mensch sich an SARS-Cov2 als endemischen Erreger gewöhnen will.
Zitat:
Zitat von Bockwuchst
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Mal abgesehen davon dass bis dahin wahrscheinlich schon wieder neue Varianten unterwegs sind. Diese absolut katastrophalen Inzindenzen, die wir jetzt haben, sind doch der beste Brandbeschleuniger für die Bildung neuer Mutanten.
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Natürlich wird es im Herbst neue Varianten geben (und gibt es bei der weltweit riesige Inzidenz natürlich auch jetzt schon), aber auch gegen die neuen Varianten wird höchstwahrscheinlich der Schutz besser sein, wenn man jetzt schonmal Kontakt mit Omicron hatte, als wenn man nur auf die aktuellen Impfungen setzt.
Alle zugelassenen Impfstoffe konzentrieren sich ja bekanntlich auf das Spike-Antigen von SARS-Cov2, was gleichwohl beim Wildtyp, Alpha und bei der Deltavariante exzellent funktioniert hat.
Antikörper gegen die restlichen Bestandteile von Sars-Cov2 werden durch die Impfungen nahezu überhaupt nicht gebildet, so dass zukünftige Immunescape-Varianten in einer überwiegend durchgeimpften und kaum natürlich immunisierten Bevölkerung vorzugsweise auf Veränderungen im Spike-Antigen selektiert werden, so wie das ja auch bei Omicron zu beobachten war, das besonders viele Mutationen gerade im Spike-Antigen aufweist. Zum Glück war/ ist halt Omicron nicht besonders krankmachend, sondern nur besonders infektiös.
Eine natürliche Infektion führt dagegen auch zur Bildung von Antikörpern gegen andere Virusbestandteile als nur das Spike-Antigen und dies kann von Vorteil bei zukünftigen Varianten sein.
Bei zukünftigen Immunescape-Varianten, die es zweifellos geben wird, ist es nicht vorhersehbar, wie krankmachend diese dann sind. Darauf hat Lauterbach genauso wie Drosten richtigerweise vor ein paar Tagen hingewiesen.
Irgendein anderer Virologe hatte zwar letzte Woche das Gegenteil behauptet, aber diese Prognose, dass Sars-Cov2 sich immer mehr abschwächt halte ich nicht für nachhaltig. Das kann sein, kann aber auch nicht sein.
Aktiv selektiert werden die Varianten zwar derzeit im Hinblick auf maximale Übertragbarkeit, aber solange es das Virus schafft sich schnell zu replizieren und auf andere Wirte zu übertragen, ist es SARS-Cov2 "egal", was nach erfolgter Übertragung auf möglichst viele andere Wirte mit dem Ursprungswirt passiert. Ob der Wirt einige Wochen nach der infektion an der neuen Imunescape-Variante verstirbt, Long-Covid entwickelt oder wieder komplett gesundet spielt evolutionsbiologisch aus der Sicht des Virus keine Rolle, sondern hängt eher von Zufällen ab, insbesondere davon, ob das Virus, das v.a. zur optimierten Verbreitung die Mund- und Raschenschleimhäute befallen "will", nebenbei auch noch sich in Lungen- oder in Gefäßepithelzellen replizieren kann (was die ersten Varianten bis Delta relativ gut konnten, was aber Omicron ziemlich schlecht kann) oder ob es z.B. durch die von zukünftigen Varianten hervorgerufenen Immunreaktionen auch Kollateralschäden gibt (Autoimmunphänomen oder Dinge wie der übersteigerte Zytokinsturm bei einigen imunnaiven Infizierten, der beim Wildtyp wohl mehr Todesopfer gefordert hat, als das damalige Virus selbst.