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Alt 06.12.2019, 00:12   #15675
Jörn
Esst mehr Gemüse
 
Benutzerbild von Jörn
 
Registriert seit: 22.09.2006
Beiträge: 3.499
Zitat:
Zitat von Mirko Beitrag anzeigen
Daher teile ich auch überhaupt nicht den Eifer, irgendwem seinen Glauben auszureden, schon gar nicht den evangelikalen.
Vielleicht lohnt es sich, diesen Punkt etwas näher zu erläutern: Soll den Gläubigen ihr Glaube ausgeredet werden?

Nehmen wir als Beispiel Hütchenspieler auf Mallorca, die dort naive Touristen ausnehmen. Die Polizei möchte den Hütchenspielern das Handwerk legen. Niemand würde das ernsthaft kritisieren, richtig?

Nun ist es sehr schwierig, die Hütchenspieler zu schnappen, weil es meist Privatpersonen sind; und für jede Bande, die man schnappt, gibt es am nächsten Tag zwei neue. Also was tut man? Man verteilt Handzettel, auf denen man den simplen Trick des Hütchenspielens erklärt, damit die Touristen nicht mehr darauf reinfallen. An wen verteilt man die Handzettel? An die Hütchenspieler? Natürlich nicht. Man verteilt sie an die Touristen, obwohl man ja überhaupt nichts gegen Touristen hat.

Wenn Dir das Beispiel mit den Hütchenspielern nicht zusagt, dann stelle Dir vor, dass man Kindern in der Schule beibringt, nicht jeden Käse auf Facebook für wahr zu halten. Auch hier wendet man sich nicht an die Täter, sondern an die Opfer — einfach weil man die Täter nicht richtig zu fassen bekommt.

Gläubige haben in ihrer gläubigen Lebensphase nach meiner Erfahrung noch nie etwas davon gehört, warum ihr Glaube womöglich dubios sein könnte. Es gelingt den Kirchen oder Glaubensgemeinschaften, sie von diesen Informationen abzuschotten oder Kritik von vornherein zu diskreditieren. Sie gleichen naiven Touristen, die sich nicht vorstellen können, dass sowohl die Hütchenspieler als auch die angeblichen Passanten alle zur gleichen Bande gehören. Sie gleichen Schulkindern, die noch nicht gelernt haben, warum die Erde nicht 6.000 Jahre alt sein kann und warum es keinen ersten Menschen gegeben haben kann, und woher man das ohne Irrtum weiß.

Also verteile ich meine Argumente (anstelle von Handzetteln). Ich richte mich scheinbar an Gläubige, aber nur deswegen, weil ich den Priestern ihren Betrug vermasseln möchte.

Es ist nicht zutreffend, dass ich etwas gegen Gläubige oder ihren Glauben hätte. Ich habe etwas gegen Priester und ihr Handwerk. Das gebe ich gerne zu. Es ist aber ein Unterschied.
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