Zitat:
Zitat von Trimichi
Na-ja. Ja, letztlich ruft Habermas dazu auf, dass sich Wissenschaft weiter befreien müsse. Du überliest aber, dass es um vernünftige Freiheit geht, geschätzter Klugschnacker. Was ist Vernunft? Wie kommt sie her? Wie ist sie definiert? Aus der Wissenschaft lässt sich Vernunft nicht ableiten, schon gar nicht im Zusammenhang mit vernünftiger Freiheit. Daher bedarf es sehr wohl der Moral. Und Moral wurzelt im Religiösen, nicht in den mathematischen Formeln der nomothetischen Wissenschaften.
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Danke für Deinen Lesebericht. Irgendwann leihe ich es mir aus einer Bibliothek. Würde gerne mal reinschauen, ob ich dann daraus eine geistige LD mache, weiss ich noch nicht. :-) .
Heute veröffentlicht die NZZ ein Interview mit Habermas, indem er sich zum Thema: Glaube - Wissen / Religion - Nachmetaphyik äussert. Habermas sieht es wohl eher so: In früheren Gesellschaften orientierte sich die Moral an religiösen, metaphysischen Vorstellungen, während die heutige Gesellschaft diese aus sich selbst schafft. Also mir scheint im Interview keine Rückkehr zur Religion im Alter bei Habermas erkennbar. ;-) .
Hier mal 2-3 Appetitanreger, aus dem Interview zitiert.
"Ab dem 17. Jahrhundert sind diese metaphysischen Weltbilder aus guten Gründen zerfallen;
die modernen Gesellschaften müssen alle normativen Orientierungen gewissermassen aus ihren eigenen Ressourcen erzeugen. Mein Buch soll dann prüfen, ob wir auch unter diesen Bedingungen nachmetaphysischen Denkens an jenen grossen, seinerzeit von Kant formulierten Grundfragen festhalten können."
"Historische Umstände fordern uns zu solchen oft schmerzlichen
normativen Lernprozessen heraus. Dabei lernen wir, wenn alles gut geht, unterprivilegierte Andere in unsere Lebensformen einzubeziehen oder diskriminierte Fremde als gleichberechtigte Andere in einer gemeinsam erweiterten Lebensform anzuerkennen."
"Wenn wir Hegel eine demokratische Lesart geben, kann die soziale Integration nur in dem Masse gelingen, wie wir im Hinblick auf ein balanciertes Verhältnis zwischen gerecht verteilten sozialen Verpflichtungen und individuellen Entfaltungsspielräumen die Gesellschaft politisch gestalten."
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Das nachmetaphysische Denken kann sich aus guten Gründen nicht mehr auf eine transzendente Macht beziehen; aber schon der triviale Impuls, sich mit dem schwer Erträglichen in der Welt nicht abzufinden, nötigt uns zur wechselseitigen Zumutung eines autonomen Urteilens und Handelns, das die Welt im Ganzen gleichsam von innen her transzendiert."
NZZ: juergen-habermas-im-gespraech-was-heisst-saekulares-denken