Zitat:
Zitat von ThomasG
Sich vor anderen Wiegen, anschließend demütigen und beim Essen und Trinken bevormunden zu lassen, dürfte sich kaum ein eingermaßen selbstbewusster Mensch bieten lassen.
Das kann man nur mit Leuten machen, die in irgendeiner Art und Weise abhängig vom Umfeld sind oder sich fühlen und bereit sind sich zu unterwerfen.
Ich würde da vermuten die Athleten wurden schon so ausgewählt, dass es sehr wahrscheinlich ist damit zumindest ziemlich lange durchzukommen.
Kurz war ich mal auf dem Twitteracount von Mary Cain und habe ein paar Beiträge überflogen.
Einmal ist da zu lesen: "I still loved him."
|
Das was Cain da beschreibt (hinsichtli des öffentlichen Wiegens, der Nahrungsrestriktion und des Drängens zur illegalen Medikamenteneinnahme) sind selbstverständlich zu verurteilende Auswüchse eines in diesem Fall entarteten Trainingssystems.
Alles andere aber, was du oben angesprochen hast, ist die normale Realität des Hochleistungssportes nahezu in jeder Trainingsgruppe auf diesem sportlichen Level und in dieser Altersstufe.
Welcher Sportler ist denn mit Anfang 20 so selbstbewusst, dass er sich gegen derartige Auswüchse aktiv wehren könnte?
Jeder Athlet in Mannschafts- und Einzelsportarten steht in einem (potenziell pathologischen) Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Trainer und zu den Funktionären. Da geht es jede Woche aufs Neue um Nominierungen zu Meisterschaftsspielen, in Individualsportarten um die Nominierung zu wichtigen Wettkämpfen, das Recht an Trainingsmanahmen (Trainingslager) teilnehmen zu dürfen, um die erneute Nominierung für die jeweilige Kaderstufe bzw. um Anschlussnominierungen für höherwertige Kaderstufen, und schlicht und ergreifend darum, dass der zuständige Trainer einen vernünftigen, langfristig erfolgreichen Trainingsplan aufstellt.
An dem Abhängigkeitsverhältnis kommt man im Hochleistungssport wegen der dort immanenten Selektion letztlich nicht vorbei, denn man sucht ja aus einem größeren Kollektiv stets die wenigen, die es an die absolute Spitze schaffen und ganz oben ist halt nunmal nur Platz für einige wenige.
Das Entscheidende ist, dass die Macht ausübenden Personen (Trainer, Funktionäre) einerseits verantwortungsvoll mit ihrer Macht umgehen (was meistens eine Persönlichkeitsfrage ist) und für den Fall dass dies nicht der Fall sein sollte, selbst institutionalisierten Kontrollmechanismen (jenseits von einer bloßen Erfolgskontrolle im Sinne von Medaillenzählen) unterliegen. Beides scheint im Nike Oregon Projekt über Jahrzehnte hinweg nicht der Fall gewesen zu sein, so dass es zu den beschriebenen Auswüchsen kommen konnte.
Sportliches Scheitern ist im Hochleistungssport ab einem bestimmten Level nahezu der Normalfall für 90% der Beteiligten, nur sollte beim Scheitern niemals der Mensch und dessen Perönlichkeit auf der Strecke bleiben und Schaden nehmen.