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Zitat von Bleierpel
Ich habe zwei Fragen:
1. er hat ne 2. Chance verdient, nicht im Sport => wo? Ginge in deinen Augen Amateur?
2. Wie wirkt sich der damalige Wettbewerbsvorteil heute noch aus?
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Die zweite Frage treibt mich geradezu um und lässt auch bei mir den Senftopf aufgehen.
Zwar bin ich nicht im gleichen Maße persönlich betroffen, aber ich sehe hier ein grundsätzliches sportethisches Problem, das ich bei nahezu jedem Doping-Akteur sehe.
Die im Sport handelnden Akteure erbringen ihre Leistungen im Vergleich gegen einen (oder mehrere) Gegner unter einem definierten Regelwerk in einem ganz bestimmten Rahmen. Dazu gehört, dass die Leistungen nicht mit unerlaubten Hilfsmitteln erbracht werden. Wer dies dennoch tut, tut dies meistens bewusst unter Umgehung der bestehenden Kontrollmechanismen in der Hoffnung, unentdeckt zu bleiben.
Dies bedeutet nicht nur einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, mutmaßlich sauberen Sportlern, es sabotiert aber insbesondere den Sport und sein Regelwerk insgesamt. Doping ist ein Anschlag auf den Sport als solchen, weil es seine grundlegenden Werte aushebelt. Mit einem solchen vorsätzlichen Verstoß (der zumeist solange kategorisch geleugnet wird, bis die Beweise unwiderlegbar sind) oder das Vertuschen eines solchen Verstoßes (durch Verbände, Labore, Funktionäre usw.) stellt sich der jeweils Handelnde und seine Mittäter genau außerhalb jenes Sports, den er doch - mit allen möglichen und unmöglichen Unschuldsbeteuerungen, Schuldzuweisungen etc. - betreiben will.
Man kann durchaus darüber nachdenken, ob die bloße Teilnahme an einem neuerlichen Wettkampf - womöglich unter Hinweis auf den "Schnee von gestern" bzw. auf das Gras, das darüber gewachsen ist - immer unter dem Schatten des Regelverstoßes steht und einem anderen Sportler in jedem Fall einen Platz im Ranking weg nimmt.
Oder um es etwas zuzuspitzen: Wer betrügerisch im Sport unterwegs ist und dann befindet, er habe nichts Unrechtes getan, verwirkt seine Teilnahmeberechtigung am Sport.