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Vermutlich könnten sich die meisten Teilnehmer im Forum darauf einigen, dass wir es in Deutschland als wünschenswert erachten, dass jeder Bürger seine Meinung äußern kann, ungeachtet irgendwelcher juristischer Begründungen. Ich denke, dass ist allgemeiner Konsens in Deutschland.
Eine Debatte, die so angelegt ist, dass man sich die Meinungsäußerung nicht mehr traut, ist eine schlechte Debatte. Es ist auch ein Zeugnis für eine schlechte Gesellschaft. Es mag Grenzfälle geben (Leugnung des Holocaust), aber im Großen und Ganzen befürworten wir doch fast alle eine Gesellschaft, in der Meinungen frei ausgetauscht werden und als Folge auch unterschiedliche Lebensentwürfe zugelassen sind.
Wenn es durch Mobbing jedoch unmöglich gemacht wird, diese Freiheit in Anspruch zu nehmen, sei es durch Einschüchterungsversuche, Beschimpfungen, Drohungen oder öffentliche Schmähungen, dann ist das gleichbedeutend mit einem Entzug dieser Freiheit.
Deswegen können Meinungsäußerungen zwar Konsequenzen haben (nämlich, dass widersprochen wird), aber diese Konsequenzen können nicht unbegrenzt sein. Sie dürfen die grundsätzliche Freiheit nicht aushebeln. Und weil wir doch alle vernünftige Leute sind, sollte auch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Nachdem Özil vom DFB, von der Mannschaftsleitung und sogar vom Bundespräsidenten regelrecht verhört worden war, hätte man ihm vom Haken lassen müssen. Er ist doch kein Verbrecher, der von der Bevölkerung gejagt und unschädlich gemacht werden muss.
Dass man mit unserem Gelsenkirchener "Goldjungen", dem wir alle vor ein paar Jahren begeistert zugejubelt haben, eine derartige Hetzjagd veranstaltet, dass sich dieser völlig in die Ecke gedrängt fühlt, ist nicht in Ordnung.
Ich finde, der DFB sollte sich bei Mesut Özil offiziell entschuldigen -- nicht für die Kritik am Foto, aber für das, was anschließend daraus entstand. Der DFB sollte Özil die Rückkehr in die Nationalelf anbieten. Anschließend könnte der DFB über offizielle Regeln nachdenken, ob/wie Fototermine mit Politikern gehandhabt werden sollen, und diese Regeln gelten dann für alle.
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