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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Jan Ullrich
Thema: Jan Ullrich
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Alt 19.06.2018, 12:32   #299
Hafu
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Klugschnacker Beitrag anzeigen
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Ich kann es nicht beweisen, aber mir scheint, Jan Ullrich wäre ganz froh gewesen, wenn man ihn vor den ganzen gedopten Gegnern hätte schützen können, wenn alle sauber hätten fahren müssen. Sein Talent hätte, nach allem, was man vermuten darf, für den ein oder anderen Sieg und ein gutes Leben als Radsportler gereicht. Es ist nicht allein seine Schuld, das es letztlich anders kam.


Sehr gut zusammengefasst, insbesondere auch die (problematische) historische Geschichte des Profi-Radsportes und die ethische Zwickmühle, in der jeder Radprofi in den 90ern steckte.

Ich würde dir in allem zu hundert Prozent recht geben, bis auf den letzten Absatz mit der Hypothese, dass Ullrich ein überragendes Radsport-Talent hatte, das es auch ohne Doping enorm weit im Leistungssport hätte bringen können.

Das Argument hört man oft, aber es spricht meines Erachtens nach sehr viel dagegen. Gemäß den Dopingbeichten von Ullrichs langjährigem Masseur d'Hont sowie seines Trainers Godefroot hat Ullrich ja (ähnlich wie Armstrong) schon weit vor seiner Profi-Karriere mit Doping angefangen und war auch bei seinem überraschenden Titel als Amateurweltmeister höchstwahrscheinlich randvoll.

Seine Leistungen im Kinder- und Jugendrennsport (irgendwann in seiner frühesten Karriere wird er schon noch sauber gewesen sein) waren sehr gut aber noch nicht überragend. In nahezu jedem Jahrgang gibt es ein paar Radsportler die damals und heute vergleichbar viel gewinnen.

Zu einer erfolgreichen Profikarriere im Ausdauersport gehört neben viel Talent unbedingt auch eine hohe intrinsiche Motivation und auch viel Selbstsdisziplin, Trainingspläne und hohe Trainingsumfänge durchzuziehen und im Leben drumherum (Essen, Schlafen) nicht über die Stränge zu schlagen. Die letzten beiden Eigenschaften fehlen Ullrich meiner Meinung nach komplett und haben ihm immer gefehlt. Auch von seinen gedopten "Mit-Profis" der 90er gab es kaum jemanden, der Jahr für Jahr in der kurzen Saisonpause derartig an Gewicht zugelegt hat (zumindest fällt mir keiner ein) und ohne Appetitzügler, Cortison und andere pharmazeutische Hilfsmittel hätte es Ullrich vermutlich als sauberer Profi nie geschafft bis zur alljährlichen Tour de France auf ein akzeptables Wettkampfgewicht zu kommen, so wie er im März und April noch bei den Frühjahrsklassikern mit Bäuchlein und Pausbacken auf dem Rennrad gesessen ist.

Ich vermute, dass er deswegen einer der besten seiner Zeit war, weil er ein besonders guter Responder auf Doping war und -spätestens nach seinem zweiten Platz bei der Tour knapp hinter Bjarne Rijs- sich aufgrund seiner Popularität und hohem Einkommens auch problemlos finanziell das beste Zeug und die skrupellosesten Doping-Experten aös Berater leisten konnte.
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