Zitat:
Zitat von Anja
Ich kann mich erinnern, daß, kaum hat man bemerkt, daß Computer im Berufsleben wichtig werden, EDV, Datenverarbeitung, Informatik etc. unterrichtet hat. Über die Gefahren dadurch, die Risiken des Internets etc. - hab zumindest ich während der Schulzeit nix gelernt.
Gibt es sowas mittlerweile?
Medienpädagogik hab ich im Studium genossen - leider nur ein Semester, so daß für den Bereich "Internet" keine Zeit blieb. Wer kennt sich damit aus? Wie wirken Computerspiele auf Kinder? Welche Funktionen üben Chats etc. aus? Wodurch ist die Faszination begründet? Ja, wären mir sowohl wissenschaftliche als auch Küchentischtheorien sehr willkommen.
Anja
|
Vielleicht polarisiert das jetzt auch ein bisschen.
Ich bin nun noch nicht soooo lange nicht mehr Schüler, ganze sieben Jahre, und bin inzwischen zu dieser Erkenntnis gelangt: Computer haben in der allgemeinbildenden Schule nichts zu suchen. Jugendliche müssen im Unterricht nicht lernen, wie man auf Bildchen klickt. Sie werden damit groß und haben gegenüber den meisten Ihrer Lehrer dabei 20 Jahre Vorsprung. In der Schule durchzunehmen wie man bestimmte (Standard- oder auch nicht) Software bedient, ist IMO nichts als Zeitverschwendung und wie man in MS Word einen Serienbrief erstellt kann man notfalls in einem Handbuch nachlesen, wenn denn Bedarf besteht. Viel notwendiger zu lernen, wären Dinge wie: was ist ein Computer, wie funktioniert das Ding, warum tut es das. Was ist Internet, Bedeutung, Gefahren und dergleichen reichlich mehr. Also eine Palette an technischen und soziologischen, kulturellen, politischen Aspekten und Informationen dazu, die man in mehr als einem Fach unterbringen kann und muss. Wie man das Ding (also zumindest Windows) bedient und im Internet rumsurft wissen erstens die meisten, weil sie es zuhause tun, und zweitens kann man das auch, wenn man keinen eigenen Computer hat, im Internetcafe machen und für einen Euro zwei Stunden lang dran rumspielen. Für das alles braucht man keine Computer, es braucht Lehrer, die das technische und das philosophische umfassend abdecken können. Ansonsten genügt ein Blatt Papier. ein Stift und etwas Anschauungsmaterial, das möglichst nicht Gopher als wegweisenden letzten Schrei der Informationstechnologie preist (ohne dem kleinen feinen Ding Unrecht tun zu wollen). Aber ich war lange genug Schüler, um mitbekommen zu haben, dass man lieber erst mal für zigtausende Computerzeug anschafft um dann hinterher festzustellen, dass man gar niemanden da hat, der mehr als einschalten hinbekommt und sich vor versammelter Mannschaft zum Deppen macht.
Die Grundlegenden Fragen, also wie komme ich an sinnvolle Informationen, werte ich Informationen aus, wie gehe ich mit der Riesenmanege an Informationen um usw., alles Dinge wozu ich alles brauche, außer einen Computer, sind im Schulalltag eigentlich nicht existent.
Kaisers Buchempfehlung:
Clifford Stoll
LogOut.
Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien
Zu den anderen Dingen, also exemplarisch wie sich Computerspiele auswirken, gibt es keine verlässlichen Informationen, auch wenn es immer wieder behauptet wird. Keine Studie dazu kam bisher seriös zustande und lieferte brauchbare Ergebnisse. Ich kann von der allgemeinheit nicht sprechen, sondern nur von mir selbst. Ich spielte mein erstes Computerspiel mit fünf (4?6?), es hieß Cats, zum ersten mal Doom mit 13. Ich habe noch niemanden umgebracht und werde allgemein eher als sehr ruhiger etwas mundfauler Zeitgenosse beschrieben. Was am Computerspielen so faszinierend ist, kann ich nicht wirklich sagen, es macht halt einfach Spaß. Und ja, auch (virtuell) rumrennen und Leute erschießen macht Spaß. Frag mal einen der Verbieter, ob sie es jemals probiert haben. Die Antwort wird in die Richtung gehen: So einen Schund brauche ich nicht zu probieren, ich habe Bilder gesehen, das reicht mir. Noch Fragen?
Was man am Internet an sich faszinierend finden kann, kann ich mir schon eher vorstellen. Es gibt einfach alles, was man sehen will. Natürlich auch an schräg bis kriminell Pornografischem, um wieder auf die Eingangsfrage zu kommen. Jetzt werden nicht mal die sexuell extrem Verwahrlosten sich das öffentlich im Internetcafe reinziehen. Zuhause sind die Eltern gefragt, die bitteschön achten sollen, was ihre Kinder mit der Maschine treiben. In der Schule soll ihnen bitteschön die notwendige Grundlage an Wissen vermittelt werden, die sie brauchen, um das Vorgefundene bewerten zu können.
Abschließend ein weises Zitat des CCC:
Das Anbieten von Informationen ist generell unschädlich. Wichtig ist nur die Medienkompetenz, d.h. die Fähigkeit der Leser mit der Information entsprechend umzugehen. Sprich: Bildung statt Gewalt
Grüße
Andi