Der Norwegische Überraschungssieger von heute
Caspar Stornes ist genauso alt wie mein Sohn, also ein 1997er-Jahrgang und war vor vier Jahren noch nahezu eine Klasse schlechter als mein Sohn und belegte damals
beim Qualifikationswettkampf in Weert Rang 31, verlor alleine auf 5 Laufkilometern 35s. Er war damals auch deutlich schlechter als die beiden anderen deutschen Starter.
Nichtsdestoweniger durfte
Stornes in den folgenden drei Jahren insgesamt 43 mal bei ITU-Rennen (Europacup, Weltcup und WTS-Rennen) untersützt vom Norwegischen Verband international starten und wervolle Wettkampferfahrung starten.
Da waren dann natürlich auch viele Plazierungen schlechter als 20 oder sogar schlechter als 43 bei Eliterennen dabei, Plazierungen, die nach Lesart der DTU ja im wiederholungsfall zum Verlust des Startrechtes für WTS- oder Weltcup führen.
Mein Sohn hat in den den drei Jahren nach dem besagten Wettkampf in Weert Null Förderung vom eigenen Verband erhalten, obwohl er im Jahr darauf sogar Deutscher Juniorenmeister wurde, also der nachweislich beste seines Jahrganges war. Diesen Sieg hatte er im Alleingang beim Radfahren errungen, ähnlich so wie heute Stornes beim WTS-Sieg. In den letzten drei Jahren durfte er mit rund 20 Starts nur halb so oft international starten, wie Stornes und diese Starts waren bis auf einen einzigen in Cozumel auch noch selbst (d.h. von mir) finanziert.
Und noch einen ins Auge fallenden Unterschied gibt es zwischen den Strukturen des deutschen und des norwegischen Verbandes (einen Misstand, den ich hier in diesem Thread auch schon mehrfach angeprangert habe): in Deutschland gibt es seit 8 Jahren keine Deutschen Elite Meisterschaften auf der Olympischen Distanz mehr. Für die Kaderstrukturen der DTU kann man sich auf nationaler Ebene nur über Sprintdistanzen (Rennen von ca. 50 Minuten Dauer) oder über den maximal 16 Minuten langen "Leistungstest" in Saarbrücken bzw. Potsdam qualifizieren.
Dementsprechend sucht und findet die DTU seit 8 Jahren systematisch nur nach Sprint-Talente und wundert sich dann, wenn bei zweistündigen Rennen wie z.B. olympische Spiele, Grand-Final oder wie beim Rennen heute mit schwerer Radstrecke deutsche Athleten chancenlos sind.
Die Norweger organisieren dagegen seit Jahren auch eine Elite-Meisterschaft auf der knapp zweistündigen Olympischen Distanz und können heute (wie auch im Verlauf der letzten Saison) für diese durchdachte Selektions- und Förderpolitik die Früchte ernten.
(ich weiß zwar, dass es relativ sinnlos ist, dass ich hier solche Gedanken als Versuch einer Analyse des sportlichen Dilemmas der DTU niederschreibe, da die einschlägigen Funktionäre hier zwar mitlesen, aber sich nur ärgern über derartig konstruktiv gedachte Kritik, anstand ihre Förderkonzepte mal zu überdenken und an die Realität des modernen Triathlon-Leistungsportes anzupassen.<
Ich würde mir wünschen wenn jemand in der DTU sich mal so wie ich die Mühe machen würde, die Biographien der aktuellen Weltklasse im Triathlon zu studieren und auch mal auf Strava das Training der erfolgreichsten Norweger zu stalken. Da könnte man so unendlich viel draus lernen...)