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Zitat von Trimichi
such dir einen Maßstab aus und liefere Beweise. Warum ist der Atheismus der Religion überlegen?
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Du fragst:
Warum ist der Atheismus der Religion überlegen? Nähern wir uns der Antwort anhand von zwei Beispielen.
Was ist überlegen: Die Theorie, dass die Erde eine Scheibe ist; oder die Theorie, dass die Erde eine Kugel ist? Die Erde ist eine Kugel, und damit ist der Fall erledigt. Überlegenheit wird hier gemessen
mit dem Grad der Übereinstimmung mit der Wirklichkeit.
Allerdings ist die flache Erde einfacher zu malen. Also könnte man einwenden, dass die Flache-Erde-Theorie deswegen überlegen sei. Aber natürlich würde kein vernünftiger Mensch wegen so einer Kleinigkeit
tatsächlich von einer flachen Erde ausgehen; das wäre ja auch psychologisch schwierig, denn man müsste etwas glauben, von dem man bereits weiß, dass es unwahr ist.
Ein zweites Beispiel: Warum ist die Meteorologie dem Regentanz überlegen? Weil der Regentanz wirkungslos ist und weil die Meteorologie das Wetter nicht nur vorhersagen, sondern dessen Entstehen auch erklären kann. Es gibt folglich keinen Bedarf für den Regentanz.
Man könnte natürlich einwenden: Ja, aber der Regentanz macht den Kindern großen Spaß. Aber jeder vernünftige Mensch würde einsehen, dass dieser Aspekt keine große Rolle spielt, jedenfalls keine so große Rolle, dass man dadurch die Meteorologie fallen ließe.
Vielleicht macht man an Ostern einen Regentanz für die Kinder. Man muss allerdings sehr ungebildet sein, um zu glauben, dass dieser Regentanz, eingebunden in eine lateinische Liturgie, eine ganz besondere Wirkung hätte; und dass jede Störung dieser Zeremonie (etwa durch Tanzen in einer Disco) strafrechtliche Konsequenzen haben sollte. So ein albernes und ungebildetes Verhalten würde natürlich niemand ernsthaft vorschlagen, deswegen ist das Beispiel an dieser Stelle sehr theoretisch.
Ich zeichne hier also zwei Perspektiven, aus der man eine Weltanschauung beurteilen kann: Die eine Perspektive bezieht sich auf die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit; die andere Perspektive bezieht sich darauf, ob's jemand schön findet und ob's vielleicht eine nette Tradition gibt.
Meine These lautet wie folgt:
Religion (ganz besonders das Christentum) scheitert an beiden Kriterien. Dass die Religion nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, entbehrt jeder Diskussion. Damit muss man sich heutzutage nicht mehr aufhalten. Dass die Religion eine schöne Tradition sei und den Leuten unterm Strich einen Gewinn brächte, halte ich für ebenso falsch. Allerdings sehe ich ein, dass hier zumindest eine Debatte möglich ist.
Ein kurzer Exkurs: Warum behaupte ich, dass die christliche Religion nicht nur unwahr, sondern auch keine "nette Tradition" ist?
Die Grundpfeiler des Christentums sind abscheulich. Wir merken das aber nicht mehr, weil wir damit vertraut sind. Dass jemand an Holzstöcke genagelt werden muss, um irgendeine eingebildete "Schuld" zu tilgen, ist abscheulich. (Und dass er damit die Welt rettet, ist zum Lachen.)
Dass ein Vater (Abraham) bereit ist, sein Kind zu opfern, um seinem eingebildeten Gott zu schmeicheln, ist widerwärtig in jeder nur denkbaren Form. Kein noch so schöner Vers in der Bibel kann dies wiedergutmachen. Zudem gibt es nur sehr wenige schöne Verse in der Bibel. Es gibt aber eine Menge Mord und Totschlag, und Mütter, die ihre Söhne kochen (und die Bibel enthält den klaren Hinweis, dass es sich hierbei nicht um eine Metapher handelt). Fast alle Todesopfer in der Bibel fallen nicht nach einem fairen Kampf, sondern werden hinterrücks gemeuchelt; mehrheitlich handelt es sich dabei um Frauen und Kinder. Sicherlich gibt es Leute, die das erbaulich finden. Es gibt ja alles mögliche.
Wie verdreht müsste ein Maßstab sein, mit dem diese widerlichen Dinge in einem guten Licht erscheinen? Und wie verdreht müsste eine Person sein, die diesen Maßstab vorschlägt?
Wenn ich also gefragt werde, warum eine kritisch-rationale Weltsicht besser ist als eine religiöse Weltsicht, dann lautet meine Antwort: Weil sie mit der Wirklichkeit besser übereinstimmt, und weil andere Kriterien zwar statthaft sind, dieses aber nicht überwiegen. Wir können nicht die Wirklichkeit über Bord werfen, nur weil das Osterfest schön ist.