Keko, um dir die Hand zu reichen ein Hinweis auf ein 1stündiges Interview, dass wohl nur wenige ansehen wollen, das aber für mich sehr plastisch die Argumentation und Schwierigkeiten eines islamischen Theologieprofessors (immerhin 600 oder 800 Studenten lehrt er) zeigt. Eine sehr bemerkenswerte Biographie mit einer letztlich engen Weltsicht.
Ahmad Milad Karimi: Der Islam - die Religion der Schönheit? (Sternstunde Philosophie)
https://www.youtube.com/watch?v=k21kf_g9_ps
Er hat die selben Schwierigkeiten mit der Theodizee, der Deutung der Worte des Propheten, den Gewaltanweisungen aus den religiösen Texten.
Als es um Gewaltanweisungen der religiösen Texte geht, seien diese bildhaft zu verstehen und an die Entstehungszeit gebunden; da solle man seine Vernunft einschalten. Wenn es aber zB um die Gleichberechtigung der Frau geht, wenn es um Auslegung der Texte geht, muss man sich zuerst an Theologen halten - da reicht dann die eigene Vernunft offenbar nicht
Er argumentiert über das Wesen des Jenseits, als wisse er, wie es beschaffen ist bzw. sicher nicht ist.
Wenn es um die Ergebnisse einer Umfrage unter Deutschlands Muslimen zu Fundamentalismus (Scharia über Grundgesetz) und um Homosexualität (mehrheitliche Ablehnung) geht, verteidigt er Antworten, indem er das Studiendesign in Frage stellt und semantische Spitzfindigkeiten auspackt, und sagt zB den schönen Satz "Ist das was Gott sagt wichtiger, oder das was im Parlament entschieden wird?", um damit zu beweisen, dass Gottes Wort letztinstanzlich das Wichtigste ist.
Beim Thema der Ablehnung der Homosexualität verweist er sofort auf die katholischen Christen - auch ein Ausweichen - er fragt, welche Gruppe der Muslime denn da befragt worden sei. Ein reformiertes Islamverständnis, in dem auch Frauen mit den Männern beten dürfen, lehnt er ab. Er sagt, solche Menschen seien nicht seine Gesprächspartner - er würde nicht dorthin gehen. Das sieht er zB daran, dass eine Frau ihre Hand beim Beten hält wie ein Mann. Dass Männer und Frauen zusammen beten, könnte später vielleicht stattfinden; dem müsse aber eine theologische Debatte vorausgehen...
Man kann viel Dogmatik im religiösen Denken erkennen - und es geht mal nicht um katholische Christen (sondern um den
Cousin)