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Der eigentliche Knackpunkt ist vielleicht gar nicht, was als rational oder irrational gilt, sondern was als rational empfunden wird, jedoch irrational ist. Hier liegt ein Irrtum und eine Gefahr.
Der Papst empfindet es als völlig rational, eine Predigt darüber zu halten, welche Geister und Dämonen seinem Kopf zuerst besetzen, dann verlassen und zum Schluss wieder zurückkehren. Er gibt auch präzise Auskunft über die Anzahl dieser Dämonen, was ich als Anzeichen für Rationalität werte.
Würde der Papst zuerst mitteilen, dass es sich hier um eine völlig irrationale, rein subjektive Empfindung handelt, würde sich niemand darum kümmern; außer vielleicht sein Therapeut. Aber stattdessen verkündet er, es handele sich hier um eine völlig rationale Tatsachenbehauptung.
Das unterscheidet sich von Dingen, die uns völlig irrational erscheinen, und die wir auch in diesem Bereich des Irrationalen belassen wollen; beispielsweise Liebe. keko bezieht sich immer auf diesen Bereich des Irrationalen, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Hier ist es tatsächlich müßig, zu pedantisch mit Tatsachen zu argumentieren.
Die Behauptungen der christlich-jüdisch-islamischen Religionen sind jedoch rational. Dass Jesus existierte und Gottes Sohn war/ist, ist eine rationale Annahme. Der Grund jedoch, warum die Gläubigen dieser Auffassung sind, ist irrational. Er hält keiner faktischen oder logischen (also rationalen) Prüfung stand. Die Gläubigen empfinden ihre Religion jedoch als rational.
Wenn wir also über Irrationalität debattieren, sollten wir diese Schnittmenge im Auge behalten: Dinge, die als rational empfunden werden, jedoch irrational sind.
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