Zitat:
Zitat von Jörn
Dass die Genetik nicht nur für das Wachstum von Gliedmaßen verantwortlich ist, sondern auch für das Verhalten eines Tieres/Menschen, demonstriert Dawkins an vielen Beispielen. Besonders anschaulich ist es bei der Wandlung des Wolfs zum Hund.
Wölfe haben ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Risiko (also einem Verhalten). Ist ein Wolf zu mutig, dann wird er vielleicht Risiken eingehen, die ihn das Leben kosten. Es gibt eine Schwelle, ab der es zu viel ist. Ist er jedoch andererseits zu feige, dann wird er vielleicht viele Gelegenheiten für Nahrung oder Fortpflanzung verpassen. Es gibt also eine Schwelle, ab der es zu wenig ist.
Der erfolgreiche Wolf wird sich zwangsläufig in einem gesunden Bereich einpendeln, der ihm genügend Beute aber auch genügend Schutz bietet. Woher wissen wir das? Wir wissen es, weil die anderen beiden Optionen zum Aussterben der Art geführt hätte. Wenn der Wolf vorhanden ist, beweist es, dass sein Modell „gerade richtig“ ausbalanciert ist.
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Nehmen wir an, dass die Genetik für das Verhalten des Menschen verantwortlich ist. Zufällig hatte ich gerade die Gelegenheit, ein kleines Gedankenspiel zu erfinden - analog zu dem Beispiel mit den Wölfen.
Wir haben also einen Menschen mit überragendem Intellekt und kompromissloser Wahrheitsliebe. Er lässt jeden anderen spüren, dass er ihn für intellektuell unterlegen hält. Selbst seine potentiellen Partnerinnen, die er braucht, um seine überragenden Eigenschaften weiterzugeben, müssen doch erstens einsehen, dass sie dümmer sind. Und zweitens müssen sie doch auch erkennen, dass es die Wahrheit ist, wenn er ihnen sagt, dass sie darüber hinaus auch körperlich nicht perfekt sind. Er sagt doch nur die Wahrheit, wenn er die potentielle Mutter seiner Kinder darauf hinweist, dass sie zu viel wiegt oder dass ihre Nase zu groß ist. Dummerweise reagieren seine potentiellen Partnerinnen (mangels Intellekt?) total unvernünftig und verlassen ihn mit den Worten: „arrogantes Arschloch!“ Wir haben also eine Schwelle, ab der es zu viel ist.
Und dann haben wir einen Menschen, der sich immer nach den anderen richtet. Der keine eigenen Gedanken entwickelt, der allen Recht gibt und sie immer nur in den höchsten Tönen lobt und bewundert. Anfänglich finden das seine potentiellen Partnerinnen super. Irgendwann dämmert ihnen aber, dass der Typ ein Fähnchen im Wind ist, dass man sich auf ihn nicht verlassen kann. Sie verlassen ihn mit den Worten: „opportunistischer Volltrottel!“. Wir haben also eine Schwelle, ab der es zu wenig ist.
Gewinnen (also fortplanzen) tut sich dann der, der bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen. Der nicht andauernd allen unter die Nase reiben muss, dass sie seine großartigen Erkenntnisse nicht verstehen. Und der nicht allen Recht gibt, um seine Ruhe zu haben. Jemand, der zwar klare Ansichten hat, die aber nicht mit dem Holzhammer den anderen einbläuen will. Jemand, der erkennt, dass der Mensch nicht nur ein intellektuelles Wesen ist, sondern auch ein emotionales. Jemand, der erkennt, dass manchmal der Ton die Musik macht, ...
Gemäß den Regeln der Evolution muss sich langfristig der dritte Typ Mensch durchsetzen.
Die Diskussion hier zeigt mir aber, dass der erste Typ noch lange nicht ausgestorben ist. Hab ich jetzt die Evolutionstheorie widerlegt?
