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Alt 20.06.2017, 13:35   #6888
Jörn
Esst mehr Gemüse
 
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Registriert seit: 22.09.2006
Beiträge: 3.499
Hallo keko, Du sagst, ich würde die Bibel wörtlich verstehen und daher ihren Sinn verfehlen. Mir kommt es so vor, als hätte ich diesen Einwand bereits beantwortet? Hier nochmal in Kurzform meine Erläuterung zur Bibelauslegung:

Die Interpretation der Bibel erfolgt nicht so wie die Interpretation eines Gedichtes. Man ist nicht völlig frei, und es ist auch nicht jede Meinung gleichwertig. Das Ziel ist nicht, *irgendeine* halbwegs stimmige Interpretation zu finden, sondern exakt jene, die der Verfasser meinte. Es gibt also richtig und falsch.

Es gibt, einfach gesagt, *drei* Textarten in der Bibel: Gesetze, Chroniken und Erzählungen.

Gesetze werden nicht interpretiert, sondern allenfalls aufgrund des historischen Rahmens plausibel gemacht (etwa, indem man sich die Gepflogenheiten der damaligen Zeit ansieht, was erklärt, warum ein solches Gesetz nötig war, etwa die Mahnung an die Christen, keinen Sex mit Tieren zu haben; das ist eine Mahnung, die noch nie gegenüber Atheisten ausgesprochen wurde).

Chroniken sind historische Aufzählungen: wer wann König war, wer von wem abstammt, wer wo hinzog, und so weiter. Dies ist wörtlich zu verstehen (und meistens überprüfbarer Unsinn).

Erzählungen werden interpretiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein X plötzlich ein U wird, oder dass man komplexe Dinge ableitet aus trivialen Sätzen wie: „Selig, selig, selig!“ (was als Beweis für die Dreeinigkeit von Gott „interpretiert“ wird, was völlig abwegig ist). Die Erzählungen richteten sich an die Gemeinde, also an einfache Leute und sollten von diesen verstanden werden. Es war nicht das Ziel, die Bedeutung zu verstecken, sondern im Gegenteil, sie anschaulich zu machen, und dass man sie sich gut merken konnte. Die Bedeutung ist meist das, was man auf den ersten Blick versteht.

Beispielsweise, wenn ein König ausruft, dass er seine Tochter opfern würde, wenn Gott ihn heil aus der Schlacht führen würde, dann muss er das auch tun (und er tut es tatsächlich). Das war eine Mahnung an die Gemeinde, dass man nicht in der Not alle möglichen Versprechungen machen soll, um anschließend dem Priester nicht die versprochene Ziege zu geben. Versprochen ist versprochen, und das gilt sogar für den König, und auch für enorme Opfergaben. Die Erzählung ist leicht zu verstehen. Man muss sie interpretieren, aber nur bis zu einem gewissen Grad: Es ging nicht darum, Töchter für Erfolge im Krieg zu opfern, sondern darum, versprochene Opfer auch tatsächlich zu erbringen. Es ging um die Bezahlung der Priester.

Interpretation ist gemeint als ein Herausarbeiten von historischen Zusammenhängen und Lebensumständen. Es ist nicht gemeint als Aufforderung zu beliebiger Assoziation.
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