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Hallo Pascal, mich hätte ebenfalls eine Begründung für Deine Meinung interessiert. Es ist ja erst die Begründung, die eine Meinung interessant macht.
Um mit gutem Beispiel voranzugehen werde ich Dir in drei Punkten darlegen, warum ich Deiner Kritik nicht zustimmen kann.
1. Pauschalisierung
Pascal, Du wirfst mir „übelste Pauschalisierung“ vor. Ich sage dazu, dass ein Argument erst dann Gewicht erhält, wenn es sowohl im Konkreten als auch im Generellen wirksam wird.
Man kann das an der Bibel sehen: Viele konkrete Bibelstellen verdeutlichen einen generellen Sinn. Beispiel: Die konkrete Erzählung vom „Barmherzigen Samariter“ soll eine generelle Ethik deutlich machen.
Die Religionskritik muss also wie die Religion vorgehen: Die gezogenen Schlüsse müssen generell sein, aber die Belege dafür müssen konkret sein. Deswegen zitiere ich viel aus der Bibel (das sind die konkreten Belege), aber auch aus dem Katechismus (das sind die generellen Schlüsse).
Deine Kritik, ich würde „übelste Pauschalisierung“ betreiben, trifft also nicht zu. Denn erst dadurch, dass meine Argumente auch generell/pauschal anwendbar sind, erhalten sie Gewicht.
2. Die einzelne Person
Pascal, vielleicht fühltest Du Dich angegriffen, weil Du als einzelne Person nicht berücksichtigt wurdest; stattdessen wurden in der Debatte offizielle Positionen der Amtskirchen berücksichtigt. Dies könnte man als Pauschalisierung kritisieren.
Religionskritik hat aber vor allem dann Gewicht, wenn sie über willkürliche Einzelpositionen hinausgeht. Erst dadurch erhält die Debatte ihre Relevanz.
Du könntest jedes beliebige Argument ins Leere laufen lassen, indem Du lapidar entgegnest: "Nicht alle glauben das". Oder: "Das sind ja nur einzelne Bibelzitate". Um dem zu kontern, bezieht sich die Religionskritik auf solche Punkte, die eben keine Einzelmeinungen oder keine einzelnen Zitate sind, sondern auf Punkte, die in einem größeren Zusammenhang stehen. Das ist keineswegs "pauschal", sondern "relevant".
3. Persönliche Betroffenheit
Warum reagieren Gläubige oft so wütend, wenn ihr Glaube infrage gestellt wird? Zumal in einem Foren-Thread, in dem dies von allen Beteiligten durch die schiere Teilnahme akzeptiert wird? Da werden meine sorgfältig gewählten Bibelzitate als „Jauchekübel“ (Pascal) bezeichnet und man empfiehlt Gewalt und Elektroschocks (Trimichi).
Meine Theorie dazu ist diese: Weil die Gläubigen sich ihren persönlichen Gott nur ausgedacht haben, und weil sie daher mit sich selbst reden, empfinden sie die Kritik als eine Herabsetzung der eigenen Person. Ich kritisiere eine unpersönliche, jenseitige Gottes-Idee – aber die Gläubigen verstehen es als Kritik an ihrer eigenen Person.
Gläubige verwenden eine Weltsicht, die aus "Gut" und "Böse" besteht. Die Wissenschaft denkt jedoch in den Kategorien "wahr" und "falsch". Der Gläubige vermutet also, ich würde sie als "böse" einstufen, wenn ich argumentiere, dass ihre Behauptungen nicht "wahr" seien. Sie empören sich, weil ich angeblich unterstellt hätte, alle Gläubigen wären böse Menschen. Das habe ich aber keineswegs behauptet. Ich sage lediglich, dass die Behauptungen der christlichen Religion nicht wahr sind.
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