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Zitat von qbz
Weil sie natürlich in der Marktkonkurrenz mit den dominanten AG´s stehen  und letztere manchmal auch Anteile daran besitzen.
Ich überflog mal schnell ein Sondergutachten der Monopolkommission für den Bundestag aus 2007. Die Schlussfolgerungen unter 3.4.4., ab Seite 66 sind ernüchternd inbezug auf die ursprünglichen Versprechen der Vorteile der Privatisierung für die Verbraucher und bestätigen meine laienhafte Auffassung. Es scheint sich, nachdem was Du schreibst, in dieser Hinsicht nichts Wesentliches geändert zu haben.
"Sowohl traditionelle Konzentrationsmaße als auch modernere branchenspezifische Indizes weisen darauf hin, dass insbesondere die Verbundunternehmen E.ON
und RWE auf dem Markt für den erstmaligen Stromabsatz eine dominante Marktstellung einnehmen. ..."
"Ferner bestärken die im Rahmen der Anhörung der Monopolkommission von den Wettbewerbern und Strom-Großkunden vorgebrachten Vorwürfe der Kapazitäts- und
Informationszurückhaltung sowie die Aufteilung der Regelzonen beim bilateralen Handel den Verdacht, dass zwischen den Verbundunternehmen kein wesentlicher Wettbewerb besteht. Zusätzlich unterstützt wird diese Vermutung durch einige Gemeinschaftsbeteiligungen an Kraftwerken. Zumindest für diese Kraftwerke ist von einer gemeinsamen Gewinnmaximierung auszugehen."
http://www.monopolkommission.de/imag...9_volltext.pdf
Ps: Eine wirkliche Kontrolle dieses Marktes bräuchte im Parlament schon andere Mehrheiten und weniger Lobbyisten IMHO. Der "freie Markt" richtet es im Selbstlauf nicht zugunsten der Endverbraucher. Es braucht demokratische Kontrolle, aktive Einflussnahme oder eben staatliche Versorger.
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Es wird jetzt doch deutlich OT, deswegen antworte ich nur noch einmal.
Zum einen hat sich der Strommarkt selbstverständlich in den vergangenen 10 Jahren bewegt, die Analyse der Monopolkommission stimmt deshalb nur eingeschränkt. Wir haben ein Oligopol aus vier und nicht ein Duopol aus zwei Unternehmen, zwischen denen mittlerweile doch erheblicher Wettbewerbsdruck herrscht.
Zum anderen wäre schön, wenn Du Deine selektive Wahrnehmung für einen Moment auflösen könntest. Ich nannte 4 Gründe für den hohen Strompreis in Deutschland, die Wettbewerbskonzentration ist EINER davon. Mindestens gleichwertig ist die Behäbigkeit der Verbraucher, die trotz 1000 potenzieller Anbieter einfach nicht wechseln, aus Bequemlichkeit, Loyalität, Angst etc. (das ist wie bei der Erstbankverbindung) Und dann gibt es noch viele weitere Gründe ...
Drittens ist die Infrastruktur, auf der der Wettbewerb aufgesetzt hat, maßgeblich durch eine verfehlte zentral-staatliche Politik entstanden. Die Investitionsruinen der Kohle- und Atomverstromung waren - aus unterschiedlichen Gründen - Jahrzehnte politisch gesetzt. Eine klassische planwirtschaftliche Fehlallokation - gegen jede betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und vor allem ökologische Logik. Was über Jahrzehnte staatlich angerichtet wurde, kann ein Markt nicht in 15 Jahren Liberalisierung "lösen".
Viertens wird es perspektivisch einen "dritten Weg" geben, der die dogmatische Verengung auf "der Markt" vs. "der Staat" auflöst. Nur ein kleiner Hinweis darauf, was ich damit meine: Ich erzeuge mit meinem Haus ca. 11.000 kwh/Jahr und speise das über EON ein, zu einem aberwitzig hoch subventionierten Betrag. Gleichzeitig beziehe ich über Greenpeace meinen Stromverbrauch von ca. 6.000 kwh/Jahr für meine 6-köpfige Familie, ebenfalls u.a. durch die EEG-Umlage zu einem aberwitzig hohen Preis. Wenn wir einmal bei Stromerzeugung und -verteilung unseren Glaubenssatz aufgeben, dass das alles zentral geschehen muss und uns intelligent vernetzten dezentralen Strukturen zuwenden (vgl. Mainframes vs. Serverstrukturen in der IT), werden "große" Erzeuger- und Verteilerkonzerne weitgehend obsolet, der Strom notwendigerweise deutlich billiger, weil wir die ganzen up- und downstream Strukturen nicht weiter mitfinanzieren müssen. Einzige downside: Die Arbeitsplätze in den Konzernen fallen maßgeblich weg und das wird wieder "den Linken" und "den Rechten" gefallen ...