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triathlon-szene.de | Europas aktivstes Triathlon Forum - Einzelnen Beitrag anzeigen - Da fasse ich mir echt an den Kopf…
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Alt 30.09.2016, 21:11   #4125
neo
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Registriert seit: 07.03.2016
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Zitat:
Zitat von Jörn Beitrag anzeigen
Es ist an dieser Stelle eine Chronik, nämlich über Feldzüge und Eroberungen. Es ist jedenfalls keine Fabel und kein Gleichnis. In der Antike wusste man sehr genau, was eine Chronik ist. Wir verfügen über eine Menge weiterer Chroniken und wissen, wie diese geschrieben sind.

Bei dem gerade debattierten Text geht es im Kern darum, dass Gott an der Seite des auserwählten Volkes diverse Schlachten angezettelt und durchgeführt hat, und dass er aktiv in die Schlacht eingegriffen hat.

Der Zweck des Textes ist ein Beweis, dass Gott aktiv die Eroberung der betreffenden Gebiete betrieben hat, sodass sich ein Besitzanspruch ableiten lässt, sowie die Drohung, diesen zu respektieren.

Es ist also offensichtlich, aus welcher Motivation heraus dieser Text erfunden wurde, nämlich um nachträglich eine Rechtfertigung für die Eroberungen zu liefern. Das ist auch der Grund, warum der Text eben gerade nicht als Fabel oder Gleichnis geschrieben wurde, sondern als Chronik. Es sollte sich dadurch der Anstrich eines seriösen Zeugnisses ergeben.

Der Text ist deswegen eine komplette Fälschung und nicht etwa die "vergeistigte Ausdrucksweise" eines großen Dichters, der in blumigen Bildern sprach. Es ist eine Chronik. Und sie ist falsch.

Diese Gründungsmythen finden sich in vielen Kulturen, daher kennt man das Muster sehr genau. Es gibt mindestens ein Dutzend Götter, die irgendein Land für ihr Volk erobert haben sollen. Das war nichts neues.
So! Da gebe ich Dir in so ziemlich allem recht!

Aber "Chronik" nennt es sich halt nur in der abendländischen Tradition, die morgenländischen Kirchen kennen diese Bezeichnung gar nicht ... das darf und muß ich zu bedenken geben.

In Regesten und Königs- und Heldengeschichten aller Zeiten und Kulturen wird ausgeschmückt und übertrieben ohne Ende, dazu muß es keine Fabel oder Gleichnis sein. "De bello Gallico" ist eigentlich auch "nur" ein Kriegsbericht mit "dem Anstrich eines seriösen Zeugnisses", gelogen und übertrieben hat Cäsar ohne Ende - extrem geschickt mit einer sehr nüchternen Soldatensprache, der man nicht auf den Leim gehen darf ...

Du darfst halt nicht den Anspruch an den Text stellen, den Du an eine Chronik des 20. Jhdts. stellst. Meine Einschätzung habe ich ja schon früher angegeben: ein Propagandatext für die Propaganda nach innen. "Vergeistigte Ausdrucksweise" würde ich auch nie behaupten - die blumige Sprache hingegen schon! Schau Dir das Alter des Textes an - ein "sachlicher Bericht" ist doch eine moderne Textgattung. Schau Dir den Kulturkreis an: im semitisch-orientalischen Bereich liebt man die epische Breite. Schau Dir das Tariel-Epos an (ich habe es zweimal durchgelesen: eine Nachdichtung, die erträglich war und eine Übersetzung Vers für Vers, 1.700 Strophen), das Gilgamesch-Epos ...
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Zähne zusammenbeißen und die Brocken runterschlucken!
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