Zitat:
Zitat von Schwarzfahrer
Womit wir wieder bei den Relativierungen a la "die Christen haben auch böse Sachen angestellt" angekommen sind. Es geht nicht um Geschichte, es geht um jetzt.
Broders Einschätzung wird übrigens interessantereise von vielen Muslimischen Intellektuellen geteilt - sind das alles böse Propagandisten?
Andererseits, wenn wir die Geschichte bemühen wollen (Achtung, jetzt ecke ich sicher bei einigen an):
Ich fühle mich in der aktuellen öffentlichen Diskussion (nicht nur speziell hier) fatal an eine Zeit vor ca. 80 Jahren erinnert. Damals wurde eine Ideologie, die aus einem großen Kulturvolk Europas entsprang, und dessen Standardwerk in Buchform alles klar beschrieb, was die Verfechter dieser Ideologie vorhaben, von der ganzen liberalen westlichen Welt für harmlos gehalten, für eh nicht umsetzbar, für kontrollierbar; "ein Volk mit solcher Kultur wird so etwas nie machen".... Der Umgang damit hieß glaube ich Appeasement, der Erfolg dieser Haltung wohlbekannt.
Aktuell hat es die Welt mit einer Ideologie zu tun, die erklärterweise die ganze Welt erobern möchte und alle bekehren oder töten; alle Ziele wurden vielfach klar formuliert (wie damals, nur durch ein paar Spinner, könnte man sagen). Die Qualität der Ideologien und der Umgang damit im Stil von Appeasement finde ich frappierend ähnlich. Die einen wollen ihre Wahrheit als alleinige weltweit gelten lassen, die anderen glauben nicht, daß sie es ganz so meinen, und glauben, durch Entgegenkommen und Toleranz die anderen bändigen zu können. Hoffentlich geht es nicht ganz so in die Hose, wie damals.
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Es gibt aber nicht nur schwarz oder weiß auf der Welt. Es gibt sehr viele Schattierungen dazwischen.
Wir sind uns mit Sicherheit alle einig darüber, dass es keine Plattform für Extremisten geben darf. Wir sind uns auch einig, dass Terrorismus scharf bekämpft werden muss. Wir sind uns einig, dass es Gruppierungen gibt, die hoch gefährlich sind.
Ich für meinen Teil überlasse das den zuständigen Behörden sich darum zu kümmern, denn die haben dafür die Mittel und die Leute.
Du schreibst, wir müssen im Hier und Jetzt bleiben und die geschichtliche Betrachtung außer Acht lassen. Das geht aber nicht, wenn ich eine Ideologie kennen lernen möchte.
Es ist noch gar nicht so lange her... Ende der 1990er Jahre, da war ich in Belfast. Am Flughafen schwerstens bewaffnete Männer, Straßenzüge mit Stacheldraht versperrt. Meine Unterkunft befand sich in einer Straße, in welchem Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken begannen und immer wieder aufflammten. Das wusste ich nicht, als ich die Unterkunft gebucht hatte. Dieser Konflikt endete 1998. Da haben sich Menschen christlichen Glaubens die Köpfe eingeschlagen, sich gehasst bis aufs Blut.
Die Geschichte einer Ideologie gehört dazu.
Ich wage die Behauptung aufzustellen, dass auch der islamistische Glauben gezwungen sein wird, sich weiter zu entwickeln. Das wird sicher über einen längeren Zeitraum geschehen. Auch Moslems, die in der westlichen Welt leben, werden von unserer Lebensweise stark beeinflusst. Ob sie es wollen oder nicht. Da können sie sich abschotten, so viel sie wollen. Auch bei diesen isolierten Gruppen gibt es Entwicklungen. LANGSAM, aber es gibt sie. Was können wir tun? Aufklären. Angebote bereit stellen für Integration und den WILLEN haben, Integration zu leben. DARAN scheitert es doch meist schon.