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triathlon-szene.de Autor
Registriert seit: 06.01.2007
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Dieses Kribbeln im Bauch...
, das man niemals vergisst...
So ähnlich wars, heute morgen, als ich die TT mal wieder angekickt hab, um zu sehen, wo das Öl herkommt. Alles war plötzlich wieder da. Dieser Geruch, wenn das Reinigungsmittel vom letzten Mal Saubermachen aufm heissen Krümmer und Motor die Sinne benebelt, das befreiende Losgehämmere des Eintopfs mit Kaltstartdrehzahl, das Vibrieren des Lenkers wie bevor man zum Startplatz fährt, alles nochmal im Geiste durchspielt und dann die Kupplung erst ein paar Sekunden gezogen hält, bevor man den Gang einlegt und lostuckert, nachdem der Motor warm ist.
Der rauhe Lauf der der Ausgleichswelle beraubten Maschine, wenn man das Bein über die Sitzbank schwingt, das Gleichgewicht nach rechts verlagert und mit der linken Stiefelspitze nach dem Schalthebel angelt, bevor es endlich losgeht, der Hinterreifen sich in den Kies krallt und ein paar Steine hinten rauswirft, obwohl man noch ganz vorsichtig zu Werke geht.
Freue mich irgendwie tierisch aufs nächste Wochenende, obwohl wie immer diese Ungewissheit in den Gedanken mitschwingt, wie die Geschichte wohl ausgehen wird.
Jedenfalls, bis man darin ist, aufgesogen wird von der Umgebung, sich auf Linienwahl, Brems- und Schaltpunkte konzentriert, dem Triebwerk die Sporen gibt, um sich den Hang hinauf zu katapultieren, in einer Abwärtsrinne einzufädeln, ne Stufe hochzuklettern oder runterzuhopsen und, so oder so, möglichst wenig Zeit und Kraft dabei zu verlieren.
Dann lösen sich Zeit und Raum auf, Ängste, Erwartungen, Ansprüche;- alles ist nicht mehr wichtig ausser dem Hier und Jetzt, der nächsten Ecke, der Rinne vor einem, dem querliegenden Baumstamm, der zu querenden Geröllhalde. Es gibt nichts mehr sonst, nur dieses Hier und Jetzt, und, vielleicht, ein paar aussenrum, denen es genauso ergeht.
Ist mein Kopf beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren voller Gedanken, ist er beim Endurofahren voller Konzentration;- alles Nebensächliche, was vorhin noch wichtig erschienen sein mag, ist abgeschaltet, ausgeblendet, weg. Wo man auf dem Rad in sich selbst hineinhorcht, hört man hier auf den Lauf des Motors, fühlt die Haftgrenze der Räder, das Schrappen der Kette oder das Ächzen des Rahmens bei der Landung nach einem Sprung.
Irgendwie ist das ehrlich.
Wenns mich in nen Felsklotz steckt, tuts weh, aber ich weiss wenigstens, warum. Geh ich anderthalb Stunden Laufen und kann danach ne Woche nur noch humpeln, ist das bitter, wenn es keinen offensichtlichen Grund gibt.
Zum Glück kann ich die Karre mit dem Haxen ankicken und unvernünftigerweise mit kurzen Hosen und ohne Ornat ne runde um den Block drehen, die hier ja weitgehend unasphaltiert ist. Ein Quell der Lebensfreude.
Wenn ichs recht bedenke, kommen in zehn Jahren Endurofahren nicht halb soviele Verletzungen zusammen wie in fünf Jahren Laufen, und die umständliche Formulierung kommt nur dadurch zustande, weil der geneigte Leser normalerweise mit der Hälfte doppelt soviel anfangen kann wie mit nem Viertel.
Vielleicht geht mir bei einem der nächsten Läufe, so die Hinterpfote wieder mitspielt, oder wenn nicht, ner lustigen Radfahrt, mal wieder ne aktuelle Verhältnismässigkeitsrechnung durchn Kopf. Denn natürlich gibt es Fleckerln auf der Erde, wo man besser nur zu Fuss unterwegs ist, aber wenn nicht, wozu sich mit dem Fahrrad hochquälen? Manchmal gehts mit dem Motorrad wirklich besser, als auf allen Vieren...
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Erinnerst du dich an die Zeit vorm Internet, als wir dachten, die Ursache für Dummheit wäre der fehlende Zugang zu Informationen? DAS war es jedenfalls nicht!
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