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Alt 22.10.2015, 22:35   #185
niksfiadi
Szenekenner
 
Benutzerbild von niksfiadi
 
Registriert seit: 11.06.2010
Beiträge: 3.926
Wir denken gerne nach dem Leitsatz: "Was weh tut hilft." (und macht dann schnell) Umso härter wir trainieren, umso mehr Schmerzen wir dem Körper konsequent in perfid ausgeklügelter Reihenfolge zuführen, desto leistungsfähiger werden wir.

Das stimmt schon, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Wir alle haben seit unserer Kindheit gewisse Bewegungsmuster: Beim Laufen, beim Radfahren, auch beim Schwimmen (auch wer nicht im Schwimmverein war, hat wohl schon mal einen Beinschlag gemacht, ist mit Flossen geschnorchelt). Jede große Bewegung (wie zB Laufen) setzt sich aus ganz vielen Einzelbewegungen zusammen. Du Wunder Mensch hast es geschafft, diese zeitgleich zu koordinieren und dir nie weiter darüber Gedanken gemacht. Dafür zuständig waren automatische Lernprozesse unseres Nervensystems, unseres Gehirns: Dort irgendwo sind die einzelnen Bewegungscluster zusammengeschaltet. Denkt einfach drüber nach, wie viele verschiedene Muskeln ge- und entspannt werden müssen, um zu laufen.

Jetzt ists aber bei den meisten so, dass sich in den einzelnen Sequenzen Fehler eingeschlichen haben, vielleicht wurden diese auch nie ausreichend entwickelt oder sie sind einfach durch den Lebensstil verkümmert. Der Klassiker ist zB die schlechte Hüftstreckung beim Laufen durch viel Radfahren: Der "Sitzläufer".

Technik/Koordinationstraining setzt an genau diesem Punkt an, viele kennen das vom Schwimmen: die Schwimmdrills. Mit genau diesen Drills werden immer einzelne Abschnitte der Gesamtbewegung fokussiert und durch Rückmeldung (selbst und fremd) wird versucht, schlechte Bewegungsmuster zu eliminieren. Das ganze macht man bei niedriger Intensität und am Anfang einer Trainingseinheit um mit einem frischen Körper, frische Nervenzellen neu zu programmieren.

Das Lauf ABC zB. könnte man auch als Lauf-Drills bezeichnen. Einbeinig Radfahren, oder hohe Trittfrequenzen wären Rad-Drills. Dabei macht es aber nur Sinn, diese Drills so lange zu machen, wie man sie sauber ausführen kann.

"Zirkeltraining" beschreibt ja nur eine Organisationsform. Die Inhalte machen den Unterschied. Ja vielleicht hat man mal Muskelkater nach so einem Zirkeltraining, aber dann meist dort, wo man es erstmal nicht vermutet, weil man Muskelgruppen enerviert hat, die im Trainingsalltag brach liegen. Aber genau diese Muskelgruppen (zB. im Gesäß oder auf der Oberschenkelrückseite, der Ansatz vom Bizeps femoris, zB) sind es dann, die dazu beitragen, die Gesamtbewegung sauberer, effizienter und schneller zu machen.

Ich muss mich da jetzt stark zusammenschneiden, sonst sitz ich morgen noch da; alleine ein Blick auf das Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten beim Laufen wäre eine Doktorarbeit wert. Wann muss welcher Muskel locker lassen, damit ein anderer vertriebswirksamer Muskel voll anziehen kann?

Koordination-/Techniktraining muss nicht weh tun und man kann es auch nur sehr schwer verallgemeinern, weil jeder was anderes braucht: Es verlangt eine sehr konzentrierte Körperselbstwahrnehmung, ein klares Zielbild (wohin will ich mich verändern?) und einen ausgeruhten Körper und Geist. Und häufige Wiederholung des "besseren" Bewegungsmusters bei niedriger Intensität um dem Gehirn Zeit zu geben, neue neuronale Trampelpfade zu etablieren.

Balanceübungen zB. haben zum Ziel, in der Stützphase beim Laufen die Hüfte zu stabilisieren, damit der durch die Beinstrecker erzeugte Abdruck in den Oberkörper möglichst ohne Ausgleichsbewegung (verbraucht Millisekunden) und direkt weitergeführt werden kann. Am Rad ists schwieriger zu erkennen, aber denk mal an folgendes Szenario: 10% Steigung und 53-11 eingelegt. Du musst nur eine Umdrehung schaffen. Was macht das Bein, welches gerade Druckphase hat? Vermutlich macht das Knie Schlangenlinien und zeigt dir dabei auf, dass auch bei hohen Frequenzen die inter- und intramuskuläre Koordination noch nicht die beste ist.

Lg nik
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Failing Forward. Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht. (Rosa Luxemburg)
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