Zitat:
Zitat von alex1
Aber heutzutage sind die Möglichkeiten für Kinder / Jugendliche aus "bildungsfernen Schichten" meiner Meinung nach besser als je zuvor. JEDER hat die Chance ein Studium zu ergreifen, wenn er das wirklich möchte. Es gibt BAFÖG, Studienkredite, Stipendien,... Es gibt Gruppen wie "Arbeiterkind.de" und häufig auch Ansprechpartner an den Hochschulen usw... . Ich glaube nicht, dass in vielen anderen Ländern die Möglichkeiten ähnlich gut sind.
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Schön, wenn Du eine solche heile Welt um Dich siehst. Wer von außen draufschaut, sieht leider ein System mit eklatanten Schwächen in Bezug auf Chancengleichheit. Über die natürlichen Unterschiede hinaus, die verschiedene Elternhäuser bieten (was in allen Ländern gleich ist), fördert das deutsche Bildungssystem vorbildlich die Trennung der sozialen Schichten. Das sehe nicht nur ich so, sondern auch z.B. die UNESCO (s. z.B.
hier in 2003 oder
hier in 2010). Die strikte Trennung der Kinder am Ende der 4. Klasse ist für diesen Prozeß entscheidend. Statt die Kinder möglichst lange zusammen zu unterrichten, damit auch von zu Hause schlechter gestützte Kinder von den anderen profitieren können, trennt man sie früh. Und die meisten Lehrer geben bei gleicher Leistung dem Akademiker-Kind eher die Realschul- oder Gymnasialempfehlung als dem Kind aus der Harz-4-Familie. Und er korrigiert die Realschul-Empfehlung eher auf Gymnasium, wenn Papa Dr. xx sich beschwert, als wenn der wenig eloquente Langzeitarbeitslose seinem Kind mehr zutraut (der es leider auch viel zu selten tut). Das Ergebnis sind sozial selektierte Schulen ab der 5. Klasse, aus denen nur die Stärksten schaffen, auszubrechen, und somit die meisten gar nicht in den Genuß von den Chancengleichheitsbeispielen im Universitäts-Bereich kommen können.
Lucie ist sicher ein gutes Beispiel, daß man das System auch durchbrechen kann, aber wohl kaum die Regel. Lucie, viel Erfolg noch!