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Zitat von niksfiadi
Arne, ich wollte nicht auf FB posten, lieber hier...
Solange wir etwas besitzen haben wir Angst es zu verlieren. Und allein diese Angst ums Haben verzerrt unseren Verstand in eine hässliche verlogene Fratze. Die einen zeigen dabei blank die Zähne, andere verspannen ihre Gesichtsmuskulatur zu einem pseudohumanistischen Gutmenschenblick.
Aber wer von uns würde wirklich (viell. wie Franziskus?) sein letztes Hemd geben?
Ich bin ja sehr dafür, dass den Flüchtlingen geholfen wird, dass aufgenommen wird, wer verfolgt und traumatisiert ist. Dass Flüchtlingskinder hier in der reichen Welt eine Chance bekommen und ich bin auch der Meinung, dass unser Boot hier noch lange nicht voll genug ist. Auf FB wehre ich mich lautstark gegen Parolen und Desinformation, verurteile hässliche und menschenverachtende Phrasen und versuche unangenehm denjenigen gegenüber zu sein, die Hetze forcieren. Ich habe auch die eine oder andere Diskussion geführt, leider ohne für mich befriedigendem Ergebnis.
Schlussendlich frage ich mich, warum es unser Gesellschaft so schwer fällt zu teilen.
Warum schaffe ich, als jemand der alles und noch mehr hat, nicht mehr, als gerade mal ein paar lächerliche Euros auf ein Spendenkonto zu überweisen? Warum kann ich mich nicht dazu überwinden, die brennende Fackel an mich zu reissen und vollen Einsatz für die Menschlichkeit zu zeigen? Wie kann es sein, dass Geld verdienen, Triathlon zu trainieren und mein Hab und Gut sauber und ordentlich zu halten für mich am Ende des Tages wichtiger ist, als meine Zeit denen zu schenken, die wirklich davon profitieren würden?
Ich fühle mich mitschuldig, an all dem, was da draußen passiert. Vielleicht ist meine Verallgemeinerung falsch, aber ich denke ich bin nicht der einzige "Gutmensch", der tief drinnen so fühlt. Prüfe doch jeder mal sich selbst!
Schlussendlich ist nur der ehrlich, der Gutes tut und nicht nur davon redet.
Nik
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+1 . Auch ich fühle mich mitschuldig. Ich spüre, wie bedrückend die Stimmung ist, wie es zu Spaltungen kommt.
Es ist frustrierend im eigenen engen persönlichen Umfeld gegen menschenverachtende Phrasen im Dialog anzugehen, wenn sich das Gegenüber gegen jede Argumentation sperrt. Ich fühle mich auch immer öfter überfordert mit der Diskussion angesichts der Ignoranz meines Gegenübers. Dialog bedeutet, dass man sich gegenseitig austauschen
möchte. Es erfordert die Bereitschaft zum Zuhören und Argumentieren auf beiden Seiten. Daran scheitert es leider zu oft.
Es ist genauso frustrierend zu sehen, wie derzeit verallgemeinert wird. Nicht alle Menschen, die diese Ängste in Form von populistischen Äußerungen kundtun sind Nazis. Sie in diese Schublade zu stecken, verschärft den Konflikt noch viel mehr.
Ich rede hier NICHT von den Brandstiftern und kriminellen Verbrechern, die Asylheime anzünden. Das sind Verbrecher.
Die Frage ist doch, wie kann man den Ängsten begegnen? Man muss sie ganz sicher ernst nehmen.
Wovor genau haben die Menschen Angst? Vor neuen, fremden Kulturen, die sie nicht verstehen? Haben sie Angst davor etwas aufgezwungen zu bekommen, was sie nicht wollen? Was sollte das sein? Davor, dass der neue Nachbar ab und zu vielleicht mal etwas lauter ist? Haben die Menschen Angst um ihr Hab und Gut, ihre Sicherheit, ihr Leib und Leben?
Darauf müssen wir reagieren.
Ein Dialog in einer derart angespannten Lage halte ich für extrem schwer. Erst einmal ist da ganz schnelle Deeskalation angesagt. Dann der Dialog.