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Der ganze Faszienzirkus ist ein kommerziell aufgeblasener Hype, mit dem sich ordentlich Geld verdienen lässt über Bücher, Kurse zum Faszientherapeuten, Faszienkongresse und so weiter.
Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man sich Beiträge dazu ansieht oder entsprechende Texte liest.
Bewegung und Training sind ganz komplexe Geschichten. Wenn man trainiert, dann trainiert man niemals nur einen Bereich des Bewegungsapparats (Muskeln, Gelenke, Sehnen, Faszien, neuromuskuläre Steuerung) sondern immer alle Bereiche in je nach Trainingsform unterschiedlicher Ausprägung.
Genauso ist es bei manueller Therapie: Wenn man irgendwo reindrückt, knetet, walkt passiert immer in ganz vielen Strukturen etwas niemals nur im Muskel oder nur in den Faszien. Über die taktilen und Schmerzrezeptoren der Haut passieren darüberhinaus immer auch reflektorische Beeinflussungen des Muskel- und Bindegewebstonus sowie z.T. auch anderer mit dem behandelten Gebiet verschalteter Zonen und Organe.
Weil das ganze so komplex ist, dass sich einzelne Effekte von Handgriffen oder Trainingsmethoden immer ganz schwer vorhersagen lassen, beruht erfolgreiches Training ähnlich wie erfolgreiche manuelle Therapie ganz stark auf Erfahrungswissen, d.h. man wendet Handgriffe, Therapie- und Trainingsmethoden an, von denen man aus eigener oder fremder Erfahrung weiß, dass sie funktionieren.
Und weil das Ganze-wie oben bereits erwähnt sehr kompliziert und auch für jeden Fachmann schwer im Detail zu verstehen ist, besteht auch immer der Wunsch nach Vereinfachung, dass man ein funktionierendes Konzept auf eine einzige Ursache zurückführen möchte, damit man versteht warum es funktioniert.
Der Faszienhype ist aus diesem Wunsch nach Vereinfachung geboren und dass sich damit Geld verdienen lässt: umso besser.
Früher genügte es Manualtherapeut zu sein, um sich von anderen Physiothereuten abzgrenzen, später musste es dann schon die ebenfalls teure Zusatzweiterbildung "Ostepoath" sein. Neuerdings muss der Osteopath selbstverständlich noch zusätzlich "Faszientherapeut" sein, weil es längst viel zu viele (z.T. auch schlechte) Osteopathen gibt und hinter den ganzen Bezeichnungen ja auch eine lukrative Fortbildungsindustrie steckt.
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