Die weitere Fahrt verlief dann zwar ohne weitere, krasse Verzögerungen, letztlich ist und bleibt diese Landstrassenfahrerei aber so zäh und nervig wie das Autobahngegurke eintönig ist.
Wenn ich da an den Fred hier irgendwo parallel mit dem Chipstuning denke: wozu brauchen die ganzen Leuts hier im Land die Motorleistung?
150 oder 250PS?
Zum hinter nem Traktor mit 40 herschleichen gewiss nicht. Aber zu Überholen traut sich so gut wie nie einer.
Das Problem ist nämlich nicht, dass ein LKW nu mal langsamer unterwegs ist oder sich auch mal n Bagger auf die Gasse verirrt oder einer nen Baukran hinter sich herzieht, sondern dass die ganzen Hanseln einfach nur hinterherschleichen, statt zu überholen.
So läufste hinten dann auf ne 300m-Schlange auf und bist hoffnungslos verratzt, weil natürlich auch alle Stossstange an Stossstange fahren unds aussichtslos ist, da vorbeikommen zu wollen.
Fuck it, echt.
Am besten ists ja dann noch, wenn ganz vorne so n Möchtegern-Feierabenddesperado und Easyrider seine Chromschlampe im Touristikmodus durch die Gegend schwingt als wär er alleine.
Dass ein Motorrad ne komplette Autoschlange aufhält, häts früher absolut mal nicht gegeben. Niemals.
Aber heut ist das ja eher schon an der Tagesordnung als die Ausnahme.
Keine Ahnung, wieviele Kradler ich in den letzten beiden Wochen überholen musste, weilse nur sinnlos im Weg standen.
Wieso fahren die überhaupt auf irgendwelche kurvigen Gässchen, wennse sich nicht getrauen, Schräglage zu fahren?
Früher haben wir die miesesten Gässchen mit den engsten Kurven mit der Lupe auf der Landkarte gesucht, um die Rasten abzuschrappen, heute muss man um die Brüder Slalom fahren...
Lassen wir das, sonst krieg ich noch schlechte Laune, grad jetzt, wo´s vorbei ist...
Ja, aaalso, um die Sache weiter zu entzerren, wollte ich, was bisher echt selten vorkam, in meiner alten Heimat ein wenig die Trails rippen.
Den Spessart vor der Türe und vielleicht zwei, drei Mal im früheren Leben überhaupt dort mitm MTB unterwegs gewesen...
Geht ja an sich gar nicht.
Also fix bei outdooractive.com n paar Touren rausgesucht, eine ausgewählt, in Heigenbrücken aufm Wandererparkplatz am Wildpark im Auto geknäckt und erstmal gewundert: irgendwie ist nachts da der Bär los.
Um halb Zwölf hält ein Auto 50m weiter, n paar Leute steigen aus, kurz drauf marschiert die doppelte Anzahl mit Taschenlampen an mir vorbei, aus der Gegenrichtung kommt noch ne Karre, grosses Hallo, Halligalli und ne Viertelstunde später waren alle wieder verschwunden, woraufhin dann aber irgendwie so ne Art Konvoi vorbeikam, so dass ich dachte, am Stachus um die Mittagszeit dürfts ruhiger gewesen sein...
Na gut, kurz vor Highnoon konnts endlich losgehen.
Sonne brennt, leicht schwül, und ich Hornochse hab meine Radklamotten vergessen.

Irgendwie glaub ichs manchmal nicht...
Als ich dann endlich (in normalen Klamotten) auf Achse war, führte die Route mich an diversen Träumen und Albträmen meiner Kindheit vorbei.
Pollasch, wers kennt:
Sehr zu meinem Leidwesen war ja meine ganze Sippe in irgendwelchen Wandervereinen organisiert, und Sonntag für Sonntag 'durfte' ich mit.
Dabei wars schon im einstelligen Alter klar so, dass ich eher die zweirädrige Fortbewegung schätzte.
Einmal im Jahr gabs dann das grosse Happening am Pollasch zu Ehren der in den Weltkriegen gefallenen Mitglieder des Wandervereinsverbandes.
Von der gloriosen Aussicht wie heute kriegte man da natürlich nix mit, eher kalte Füsse vom Rumstehen im Mistwetter.
Dann: maximale Baustelle. Irgendwie bastelt die bahn grad ne neue Strecke zwischen Laufach und Heigenbrücken.
Da gabs seit Jahrzehnten ne fiese Steigungsstrecke, wegen der viele Züge im letzten Jahrhundert ne zweite Lokomotive vorgespannt kriegen mussten. Das geschah in Laufach, knapp in Sichtweite von der Bleibe einer Verwandschaft und in Heigenbrücken.
Faszinierend, auch wenn ich nicht, wie so viele, Lokführer werden wollte.
Mit der 'Faszination Eisenbahn' ists dann wieder ein bisschen weniger, wenn der Schwarzkopf- inkl. seiner Servicetunnel, das Viadukt bei Hain und eben die An- bzw. Abkuppelbahnhöfe flachfallen.
Früher standen da fette Dampfloks, später die legendären Krokodile, und heute juckt die Steigung eigentlich kaum noch.
Nu iss aber erstmal der ganze Wald von Baustellenzubringern, Umleitungen für Wanderer und Baumaschinen voll.
Irgendwo hat dann einer ganz unelegant seinen Stahlbrocken verloren oder vergessen...
