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31.07.07
Der Fall Lothar Leder
 

Interview mit Kurt Denk und Kai Walter

Am 30. Juli, drei Tage nach der Bekanntgabe des auffälligen Befundes bei den Blutproben des Ironman Frankfurt traf ich mich mit Kurt Denk und Kai Walter in den Räumen von Xdream in Maintal bei Frankfurt. Hier die letzte halbe Stunde eines zweieinhalbstündigen Gespräches.

Ist die Veröffentlichung der Dopingprobe juristisch problematisch?

Kai Walter: Wir haben mehrere Juristen dazu befragt. Wir haben die Position: Eine auffällige Probe ist nun einmal da, und der Befund lässt sich nicht durch die Verwendung eines Höhenzeltes oder einer Sauerstoffmaske beim Rollentraining erklären. Das bestätigen uns alle Experten. Dies reicht für uns aus, zu sagen, das ist privatrechtlich nicht mehr zumutbar, wir kündigen die Verträge, und zwar die sportlichen Startverträge wie auch die anderer geschäftlicher Zusammenarbeit.

Kurt Denk: Wir handeln so aus einem Verdachtsmoment heraus....

Kai Walter: ... und nichts anderes haben wir erklärt. Wir haben weiterhin die Tür offen gelassen: Wenn Lothar uns die Sache erklärt, haben wir alle dazugelernt. Aber das muss erstmal passieren!

Kurt Denk: Zum Beispiel andere Blutwerte von früher, Hinweise auf eine genetische Besonderheit bei ihm – wir haben sehr gehofft, Lothar würde etwas Entsprechendes bringen.

Kai Walter: Das sind alles Dinge, die uns von ihm noch nicht gebracht werden. Solange das nicht geschehen ist, werden wir auch nicht wanken und diese Beziehung beenden, die sportliche wie die geschäftliche. Das erstreckt sich nicht auf Nicole und hat auch nicht grundsätzlich mit der Person seines Partners zu tun.  Das ist eine andere Geschichte, die muss man separat bewerten. Aber mit der Person Lothar Leder können wir erstmal so nicht weiter arbeiten.

Der Test ist sportrechtlich noch nicht anerkannt, wohl auch deshalb, weil er keine hundertprozentig sicheren Aussagen liefert. Macht man sich nicht angreifbar, wenn man mit dem Testergebnis an die Öffentlichkeit geht?

Kurt Denk: Der Test ist zulässig und zuverlässig. Er ist nach den Richtlinien abgelaufen.

Kai Walter: Man muss das auch von der anderen Seite aus bewerten: Soll der Gegenanwalt doch mal machen. Es ist das Recht jedes Athleten, seine Sichtweise vertreten zu lassen, wie die gefundenen Werte zustande kamen. Aber da ist de facto ein schwerwiegender Verdacht. Wir sind uns unserer Verantwortung hier sehr bewusst. Aber die Fairness gegenüber anderen Athleten und unsere Strategie der "Eisernen Transparenz" erfordert, dass wir solche Befunde aufzeigen. Hätte die Pressemeldung zunächst ohne Nennung des Namens des Betroffenen erfolgen sollen, nur um am nächsten Tag eine weitere Pressemeldung zu veröffentlichen, dass wir die Zusammenarbeit mit Lothar Leder beenden? Dann haben wir doch lieber den Mut zu sagen, passt mal auf Leute, so war’s, das ist der Verdacht, aber die Tür ist für den Athleten offen, wenn er sich erklärt.

Kurt Denk: Er soll doch drei Experten bringen, die ihm bescheinigen, dass seine Werte durch die Verwendung eines Sauerstoffzeltes zustande gekommen sein könnten. Dann ist die Sache für uns erledigt. Das konnte oder wollte er bisher nicht, obwohl wir ihm ausreichend Zeit dafür gegeben haben. Wenn seine Blutwerte unproblematisch sind, kann er sie ja veröffentlichen, was hindert ihn daran? (Anm. d. Red.: Lothar Leder hat die Blutwerte mittlerweile veröffentlicht).

Er könnte aber leicht Experten dafür finden, dass der vorgenommene Test als Ganzes nicht aussagekräftig ist. Immerhin wird er von keinem Verband derzeit anerkannt.

Kai Walter: Grundsätzlich zweifelt keiner die korrekte Funktion des Analysegerätes an. Jede Probe wird zweimal getestet, um Messfehler auszuschließen. Ich weiß nicht, ob das für uns überhaupt relevant ist. Wir haben keinerlei Interesse daran, einen Athleten zu "schlachten", aber wir können doch nicht zulassen, dass später mal herauskommt, ihr habt das gewusst und habt es unter den Tisch fallen lassen. Das kann nicht unsere Strategie sein und schon gar nicht unser Wille.

Für die Profi-Athleten bleibt dann aber künftig das Risiko, in Frankfurt mit einem Test getestet zu werden, der nicht anerkannt ist und möglicherweise unsicher ist?

Kai Walter: Deshalb gibt es für die Interpretation der Werte in ihrer Kombination einen Toleranzbereich, den wir berücksichtigen. Die gemessenen Werte von Lothar liegen aber auch da noch drüber.

Kurt Denk: Es wurde genau nach den Richtlinien vorgegangen.

Kai Walter: Das Analysegerät ist offiziell zugelassen. Es wird hunderttausendfach eingesetzt und  liefert korrekte Werte, warum sollte es bei uns anders sein. Der Kampf gegen Doping kann doch nicht nur dazu führen, dass alles tausendprozentig justiziabel sein muss. Ich will keinen Athleten vorverurteilen, aber diese Indikatoren, die der Test liefert, hätten doch dazu führen müssen, dass uns Erklärungen vorgelegt werden müssen. Es ist ja nicht so, dass wir am 30. Juni mit den Werten an die Öffentlichkeit gegangen sind und den Athleten vor vollendete Tatsachen gestellt haben. Es gab mindestens 10 Tage, nachdem wir Kenntnis vom Analyseergebnis erhalten hatten. Lothar kannte die Werte bereits 14 Tage früher.

Gibt es aktuell noch Kontakt zu Lothar?

Kai Walter: Zu Lothar selbst nicht. Wir hatten am vergangenen Freitag (27. Juli) ein offenes Gespräch mit Nicole, Lothar und seinem Geschäftspartner Holger Löw. Wir sagten ihm, wir bedauern die Situation, kündigen aber alle drei Verträge und geben eine Pressemeldung mit folgendem Wortlaut aus. Wir haben ihn über jeden Schritt informiert.

Kurt Denk: Es war ein sehr bewegendes Gespräch. Nicole war sehr betroffen. Mein persönliches Gefühl war, sie wusste überhaupt nichts davon. –  Es hat uns alle sehr bewegt. Lothar war der erste überhaupt, den ich im Triathlon getroffen habe. Es tut mir sehr weh, aber ich kann nicht anders. Für mich ist das ganz, ganz bitter. Ich hätte nie geglaubt, dass ich so einen Moment mal erlebe.

Ihr Verdacht erstreckt sich also nicht auch auf Nicole?

Kai Walter: Nein. Wir haben Nicole sowohl schriftlich als auch mündlich gesagt, dass wir sofort bereit sind, die sportliche Zusammenarbeit fortzusetzen...

Kurt Denk: ... Wenn sie kann! Wenn sie psychisch dazu in der Lage ist. Wir haben ihr auch klar gesagt, wir werden ihr das Geld geben, dass ursprünglich für Lothar und Nicole gemeinsam vereinbart war. Die Familie soll nicht finanziell darunter leiden. Wir werden sehen, ob sie psychologisch zu einem Start in der Lage ist.

Kai Hundertmarck wurde vor kurzem einem Generalverdacht ausgesetzt, weil er jahrelang mit geständigen Dopingsündern das Hotelzimmer geteilt hatte. Müssten Sie Nicole nicht konsequenterweise ähnlich behandeln?

Kai Walter: Die Frage ist berechtigt und muss gestellt werden. Aber sind wir es, die diese Frage stellen müssen? Wir möchten uns an die objektiven Gegebenheiten halten, mehr kann ich dazu nicht sagen. Der Urintest wird noch sein Ergebnis liefern. Es ist nicht unsere Aufgabe, jetzt Nicole mit zu verdammen. Das müssen Journalisten hinterfragen, wenn sie es denn wissen wollen.

In Wiesbaden steht Virginia Berasetegui am Start. Sie war beim Ironman Lanzarote zunächst positiv, kam aber irgendwie aus der Sache raus. Wie stehen Sie zu dieser Personalie?

Kai Walter: Wir hatten damals engen Kontakt zum Veranstalter. Der Fall zog sich endlos hin, zuletzt kam nichts dabei heraus. Das hat der Verband dem Veranstalter mitgeteilt...

Kurt Denk: Gleichwohl, wir haben ihr wie auch allen anderen die Latte wieder etwas höher gelegt. Die Athleten wissen, wenn wir etwas merken starten sie nicht bei uns. Jetzt bringen wir die Schutzsperre noch dazu. Nun kann man sagen: Die gibt es nicht im Regelwerk. Stimmt, die gibt es nicht im Regelwerk – sollen sie klagen...

Kai Walter: In Wiesbaden gehen wir jetzt den nächsten Schritt...

Kurt Denk: ... wir haben ganz schnell dazugelernt. Als privater Veranstalter können und müssen wir schneller agieren als ein Verband. Klaus Müller-Ott hatte bereits vor einem Jahr, als die Zäck-Geschichte war, gesagt, wir müssen Blutproben machen. Ich sagte, ja, dann machen wir das doch. Jetzt ist ein Jahr vergangen und die Journalisten werden in Hamburg fragen, wie hier dort getestet wurde. Über der DTU steht aber die ITU und die ist noch lange nicht so weit, Bluttests zu machen.

Ich will keinen Verband angreifen, der ehrenamtlich tätig ist. Nur: ein Jahr ist mir zu viel. Ich bin mir sicher, wären wir nicht vorgeprescht mit unseren Bluttests, wäre man dort auch im nächsten Jahr nicht weiter. Jetzt sind sie unter Zugzwang. Dafür sind wir jetzt negativ in der Presse. Wenn wir es schaffen, die Bluttests in das Regelwerk zu verankern, machen wir einen Quantensprung. Wir dürfen als Veranstalter oder Verband keine Angst vor den Dopingfällen haben, denn nicht wir sind es, die dopen. Wir dürfen keine Angst davor haben, das öffentlich zu machen. Wir müssen rausgehen und den Mut haben zuzugeben, dass da eben Leute bei uns sind, die dopen. Wir dürfen nicht so naiv sein zu glauben, das könne bei uns nicht passieren.

Ein Verband kann nicht wie ein privater Veranstalter einfach irgendwelche Tests vorschreiben, sondern muss sich an das halten, was offiziell anerkannt ist?


Kurt Denk: Das kann er schon. Zum Beispiel der Skiverband tut es, die IAAF...

... ok die Schutzsperren kann er machen...


Kurt Denk: ... und sollte er auch. Es geht doch darum: Es soll vermieden werden, dass dem Falschen der Siegerkranz umgehängt wird. Das wird auch die WTC für Kona machen. Aber die WADA ist der nächste Schritt. Das System der Schutzsperren wurde zunächst nur vorläufig etabliert, bis das Verfahren zertifiziert ist. Das wird im Herbst kommen, da sind wir sicher. Dann wird man nicht mehr nur Schutzsperren mit diesem Verfahren aussprechen können. Dann wird es leichter.

Dass es bei der Blutprobe von Lothar Leder auffällige Werte gab, ist mir bereits eine Woche vor der Veröffentlichung ihrer Pressemeldung bekannt gewesen. Außer mir wussten bereits einige andere Personen davon. Wie kann es dazu kommen?

Kai Walter: Es sind verschiedene Möglichkeiten denkbar. Ich weiß dazu leider nichts genaues. Wir wurden von der PWC informiert. Lothar wusste es zuerst. Wie haben die Information an die DTU weitergegeben.

Hat die DTU sich gemeldet?

Kai Walter: Ja, die DTU hat sofort reagiert. Sie bat um die Übersendung der genauen Blutwerte und der Stellungnahmen der von uns befragten Dopingexperten (Anm. d. Red.: Damsgaard, Schänzer, Saltin). Ich habe die Angaben per E-Mail verschickt an einen einzigen Adressaten bei der DTU.

Kann denn die DTU überhaupt etwas unternehmen? Es handelt sich ja nicht um eine positive Dopingprobe.

Kai Walter: Durchaus. Es gibt in den Regeln eine Passage, die sich auf Verdachtsmomente bezieht. Es wird vielleicht nicht die Konsequenzen wie bei einem positiven Dopingtest geben. Aber ich würde die trotzdem mal arbeiten lassen. Es ist ja nicht so, dass Verbände überhaupt keine Möglichkeiten hätten. Sie können jetzt zuerst mal den Athleten befragen und anhören (was wir ja auch gemacht haben). Man wird sehen. Es ist allerdings überhaupt nicht unsere Intention, dass Lothar seine Karriere beenden soll...

Kurt Denk: ...das haben wir ihm auch gesagt...

Kai Walter: ... wir beenden lediglich unsere Zusammenarbeit mit ihm. Denn für uns reicht die Faktenlage aus.

Hat Lothar angedeutet, ob er seine Karriere beenden wird?

Kurt Denk: Nein, er macht weiter. Er deutete eher an, dass ihn die Sache nicht sehr schockieren würde. Wie er wirklich fühlt weiß ich nicht, aber nach außen hat er einen ziemlich coolen Eindruck gemacht. Eigentlich war ich der emotional am meisten Betroffene. Und Nicole. Wir haben uns angesehen und hätten beide fast geheult.

Kai Walter: Ich habe mir abgewöhnt, in die Psyche der Athleten zu blicken. Jeder Mensch reagiert anders.

Kurt Denk: Wir haben uns lange überlegt, ob wir den Namen des Athleten mit der auffälligen Blutprobe preisgeben. Wir haben uns sehr den Kopf zerbrochen – dürfen wir den Namen überhaupt sagen? Kai Walter hat sich dann abgesichert bei Sylvia Schenk und bei anderen Rechtsberatern, wie wir mit dem Namen umgehen können. Von dort bekamen wir grünes Licht. Also haben wir es gemacht. Alles andere wäre ein Eiertanz gewesen. Wir wollten nicht am einen Tag verkünden, 28 Proben von 29 sind okay, und am nächsten Tag die Beendigung unserer Zusammenarbeit mit Lothar Leder bekannt geben. Damit hätten wir nur eine Hexenjagd auf alle möglicherweise betroffenen Athleten ausgelöst. Am nächsten Tag wäre dann alles klar gewesen. Da sagen wir lieber: So war's.
(Die Fragen stellte Arne Dyck).



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