Natürlich gilt es auch umgekehrt: wenn jemand von Greta oder Luise Neubauer schwärmt, weiß man meist die Meinung zu den anderen Themen auch.
War schon zu meinen Studentenzeiten so.
....
In der Regel findet man Meinungen in Form von Meinungsclustern:
Wenn man im Gespräch mit einer Person erfährt, dass sie Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des Klimawandels hat, weiß man sofort, was sie über Corona, Migration, Verbrenner-Aus, vegetarische Grillwürste und Gendern denkt. Diese Ansichten treten meistens gemeinsam auf und bilden einen typischen Meinungsgleichschritt, der vielen von uns bekannt sein dürfte.
Dieser Meinungschor kontrastiert in seiner Geschlossenheit stark mit der Selbstwahrnehmung dieser Leute, die sich als freie, unabhängig urteilende Geister sehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser immer gleiche Strauß an Überzeugungen das Ergebnis persönlicher Recherche innerhalb des gesamten medialen Spektrums sein soll. Wenn alle die gleiche Jacke tragen, glaubt man doch nicht, sie hätten sie alle selbst genäht.
Eventuell liegt das auch ein bißchen daran, daß der nahegelegte Meinungskorridor zu den genannten Themen recht schmal geschneidert ist. Die von dir wahrgenommene Konformität könnte auch darin bestehen, daß die als alternativlos präsentierte Uniform etwas zu eng ist. Im Übrigen suggerierst du die Konformität des Gegen-, des richtigen Meinungsclusters ja ebenso, wenn du Abweichungen in nur einzelnen Punkten kategorisch ausschließt ...
Wenn man aber offen ist, kann man immer mal überrascht werden, daß nicht alle Menschen so im Gleichtakt denken, wie man es gerne im Schubladendenken hätte, weil viele eben weder voll einer Seite, noch voll der anderen zustimmen, das wird nur oft als Vereinfachung so zugeschrieben. Die Menschheit teilt sich nie in nur zwei Lager, die einander ablehnend gegenüberstehen, wie Dein Bild suggeriert.
Dabei nicht vergessen : Es ist Krieg !
Da darf es eigentlich nur Freund oder Feind geben ...
Sicher nicht immer, aber ich bin überzeugt, daß es auf beiden Seiten reichlich Menschen gibt, die ihre Überzeugungen oder Meinungen aus eigener Geistesleistung entwickeln. Wenn es meist so wäre, wie Du beschreibst, wären 90 % de Menschen manipulierte Marionetten, die für die jeweilige Sache manipuliert wurden. ....
In Prozente lässt sich das wahrscheinlich schwer ausdrücken. Aber die Pole gibt es definitiv.
Initial arbeiten soziale Medien damit. Denn extreme Positionen bringen Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit bringt Klicks und Klicks bringen Geld.
Etablierte Medien nehmen i.d.R. eine Gegenposition ein. Verteidigen diese desto stärker, desto mehr Klicks auf der anderen Seite produziert werden. So entstehen im Laufe der Zeit zwei gegensätzliche Pole. Das Spiel beginnt, sobald sich die Politik zu einem Thema positioniert. Dann hat man recht schnell diese Pole und ich kann vorhersagen, was mein Nachbar zu einem Thema sagt, ohne ihn gefragt zu haben, weil ich weiß, was er über den Klimawandel denkt.
Eventuell liegt das auch ein bißchen daran, daß der nahegelegte Meinungskorridor zu den genannten Themen recht schmal geschneidert ist. Die von dir wahrgenommene Konformität könnte auch darin bestehen, daß die als alternativlos präsentierte Uniform etwas zu eng ist. Im Übrigen suggerierst du die Konformität des Gegen-, des richtigen Meinungsclusters ja ebenso, wenn du Abweichungen in nur einzelnen Punkten kategorisch ausschließt ...
Grüße ...
Meinungskorridore? Lanz und Precht geschaut?
Aber eigentlich beschäftigt mich Deine Formulierung "nahegelegte" Meinungskorridore. Wer legt denn nahe?
Ich habe das Gefühl, dass diese vermutete Einengung der Meinungskorridore sehr oft in einer Mediendiskussion auftaucht, in der man Medien vorwirft, nicht alle Meinungen angemessen zu berücksichtigen. Dazu zwei Gedanken:
Die Fragmentierung der Gesellschaft ist ja keine Erfindung der Medien. Die lässt sich unter anderem in der Politik nachvollziehen, wenn wir uns die zunehmend fragmentierte (man könnte natürlich auch sagen: bunter werdende) Parteienlandschaft ansehen. Beispiel Niederlande: da sind mittlerweile 15 Parteien im Parlament. Da sind daher 15 enge Meinungskorridore vertreten statt z.B. drei weite, in denen eine gewisse innere Meinungspluralität vertreten wird (wie es in Österreich lange der Fall war).
Und zweitens ist der Vorwurf, die "Mainstreammedien" würden manche Standpunkte nicht angemessen transportieren, in vielen Fällen insofern unberechtigt, als sich manche Parteien einfach verweigern. Zum Beispiel lehnt der Parteichef einer großen Partei in Österreich grundsätzlich Interviewanfragen bestimmter Medien ab, vorwiegend von öffentlich-rechtlichen, aber nicht nur. Er kommuniziert praktisch ausschließlich über parteieigene oder parteinahe Medien. Der Vorwurf der Einengung des Meinungskorridors muss also wohl dem betreffenden Parteichef gemacht werden.
Im Übrigen suggerierst du die Konformität des Gegen-, des richtigen Meinungsclusters ja ebenso, wenn du Abweichungen in nur einzelnen Punkten kategorisch ausschließt ...
Es ist schwierig für mich, aus Deinen Andeutungen herauszulesen, was Dein Standpunkt ist. Mir scheint, Du versuchst, ein Argument aus vermeintlich "richtigen" oder "falschen" Meinungen zu stricken. Ein klassischer Strohmann – davon war überhaupt nicht die Rede.