Zitat:
Zitat von Klugschnacker
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Deshalb fällt es mir schwer, die Vorgänge in den 18 katholischen Heimen nur als eine Folge der allgemeinen sozialen Verhältnisse Irlands zu sehen.
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Das besondere an "St. Mary’s Mother and Baby Home" scheint mir, dass in dieser Station relativ systematisch die unehelichen Kinder "beseitigt" wurden (Massengrab mit 400 toten Kindern, in allen Mutter-Kind-Heimen des Ordens 9000 tote Kinder in 40 Jahren). Offenbar sahen die unverheirateten Mütter keinen anderen Ausweg, sonst hätte das ja nicht so stattfinden können. Die strenge bürgerliche und religiöse Oberschichts-"Moral" über uneheliche Kinder und unverheiratete Frauen gab meines Erachtens halt nur die Rechtfertigung und die unverheirateten Mütter waren sehr starken Existenznöten sowie sozialer Entwürdigung / Diskriminierung (Prostitutionsverdacht) ausgesetzt und sahen sich schwer bis nicht in der Lage, für ihr Kind zu sorgen. Es fand eine sozial, eugenisch und religiös motivierte Selektion statt. In der Schweiz wurden unverheiratete, arme Frauen nach der Entbindung zur Sterilisation gedrängt.
Im streng protestantisch geprägten Schweden brachten schwangere unverheiratete junge Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts oft ihr Kind in Dänemark bei fortschrittlichen Frauen-Hilfsorganisationen auf die Welt, wo es dann in Adoptivfamilien weitervermittelt wurde. Sicher gab es fortschrittliche Frauenhilfsorganisationen in England und vielleicht auch in Dublin, aber bei dem streng religiösen, ländlichen Umfeld wählten schwangere, unverheiratete Frauen aus armen Verhältnissen den Weg über die Heime der "Ordensschwestern".