Erwartungsgemäß hatte ich, kaum dass ich den Strand erreicht hatte, schon das erste Pfund Sand in meinen Schuhen eingesammelt und fluchte etwas. Relativ schnell machte sich Verzweiflung breit...
WIE SOLLTE ICH DENN HIER 10 KILOMETER LAUFEN??????????????????? Nach einer gefühlten Ewigkeit piepste meine Uhr. Na klasse, einen Kilometer geschafft. Pace: etwa 6 Minuten. Zaghaft begann ich erste Hochrechnungen. Sollte ich schaffen diese Pace beizubehalten, würde mich das Laufen etwa eine Stunde kosten. Verflucht, so war das nicht geplant... ich trabte möglichst nahe ans Wasser heran, dort war der Untergrund am lauftauglichsten, trotzdem musste ich mich schon ziemlich mühen meine 6er-Pace zu halten. Bei km 2,5 etwa kam mir der erste Mann wieder entgegen - mit einer Geschwindigkeit, die mich vor Neid erblassen ließ ... DER LIEF DOCH AUF DEM GLEICHEN SCH***-SAND, ODER!??? Er winkte mir gut gelaunt zu, rief mir irgendwas zu, ich glaube auf dänisch. Auf jeden Fall habe ich ihn nicht verstanden, freute mich aber sehr!!! Vor lauter Freude schaffte ich es für einen Moment so unaufmerksam zu sein, dass ich plötzlich unmittelbar in einer Nordseewelle stand ... und sich zu meinen zu diesem Zeitpunkt nicht nur zwei Kilo Sand in den Schuhen auch noch mindestens 3 Liter Wasser gesellten. Ich fluchte... stellte aber mit der Zeit fest, dass das überhaupt nicht sonderlich schlimm war und das Laufen, je näher am Wasser man lief, eher einfacher war. Die schnellen Männer, die mir entgegen kamen, nahmen überhaupt keine Rücksicht auf das Wasser und nasse Füße oder nicht ... also versuchte ich es ihnen einfach gleichzutun. Trabte weiter vor mich hin, freute mich total, dass alle Herren, die mir entgegenkamen, hervorragend gut gelaunt waren. Unter den ersten sogar mein Vereinsmitstreiter - WAHNSINN!!!!! Auch wir riefen uns irgendetwas zu, weiter ging es. Km 4 ... eine Frau! Okay, klar. Kurze Zeit darauf die nächste...
ABER DANN BIS ZUM TURNINGPOINT KEINE MEHR!!!!!!!!!!! ICH WAR DRITTE!!!!!!!!!!!!! Blick auf die Uhr, ich schlurfte weiterhin in meiner 6er Pace durch den Sand... stellte aber nach dem Umkehren schnell fest, dass mir
das nicht reichen würde... Frau vier und fünf waren mir dicht auf den Fersen
Ich musste mir irgendetwas einfallen lassen ... und die Möglichkeiten waren begrenzt.
RENN!!! Und Km 6, 7 und 8 gingen in 5:19, 5:18 und 5:18 weg

ein Mitstreiter, der lange mit sicherem Abstand vor mir lief, hängte sich an meine Fersen. Wir liefen gemeinsam, ich versuchte das Tempo hochzuhalten. Umschauen war keine Option, kostete zu viel Zeit. Ich lief. Der Untergrund wurde wieder tiefer, ich langsamer. NICHT SCHWÄCHELN!!! Immer wieder kamen bekannte Gesichter entgegen, fröhliche Zurufe, gute Launge. Knapp einen Kilometer vor dem Ziel kündigte mein treuer Mitläufer an, dass er nun abreißen lassen müsste... "NEIN!!! LOOOOOOOS!!!" Ich rief auch ihm irgendetwas zu, keine Ahnung mehr was. Wir liefen gemeinsam weiter, es waren tolle letzte Meter. Das Adrenalin am Anschlag, keine Frau auf der Überholspur. GENIAL!!!!!!!!!!!!
Fast zeitgleich schossen wir durchs Ziel, ausgetobt, mit kiloweise Sand in den Schuhen, zufrieden.
Als dritte Frau durchs Ziel, zwei Stücke des grauenvollst leckeren Schoko-Kokos-Kuchens (genau meine Geschacksrichtung!!!!!!!!!!) verdient sowie die cooooolste Finishermedaille ever, ein Finisher-Shirt-Deluxe und eine Flasche von irgendeiner Luxus-Kettenschmiere gewonnen
Interessiert sich noch wer für ein paar Zahlen!?
Swim: bescheidene 26:29, da war aber ein bisschen Weg zu der Wechselzone schon inklusive. Trotzdem als 5. Frau der 15 gestarteten aus dem Wasser und somit solide im ersten Drittel
Bike: 1:49:40 auf den 62 Kilometern und somit ein ziemlich glatter 34er Schnitt. Passt. Schnellste Radzeit der Damen und damit natürlich mal wieder hochzufrieden!
Run: 57:24. Die ersten 5 Kilometer in einer knappen halben Stunde, die zweiten 5 Kilometer in 27:30. Spannend mal wieder, was manchmal noch so alles geht
Insgesamt solide 3:17:15 gebraucht ...
... und leider schon am Mittag wieder mit gehörigem Schlafmangel aber bestens gelaunt mit Rennente wieder auf den Heimweg gemacht
