Zitat:
Zitat von Hafu
Mich erinnert die Diskussion hier um einen Doper, der aktuell nicht mehr gesperrt ist, über dessen Dopingvergangenheit und fehlende Reue aber keinerlei begründbaren Zweifel bestehen und wie man mit diesem umgehen soll, im kleinen ein wenig an die aktuelle Diskussion bei der laufenden Schwimm-WM um Sun Yang. Auch Sun Yang ist nicht gesperrt, unterliegt nach der Lesart von Helmut S also"der Unschuldsvermutung" und trotzdem haben viele Schwimmer ein nachvollziehbares Problem mit seiner Anwesenheit bei der WM und mehrere haben öffentlichkeitswirksam auch gemeinsame Fotos/ Handschlag mit ihm bei den Wettkämpfen verweigert, was den Präsidenten der FINA sowie deren Generalsekretät heftigst erzürnt hat.
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Du vermischt hier zwei völlig verschiedene Fälle und unterstllst mir etwas was garnicht zutrifft.
Sun Yang ist ein Ex-Doper, der Sperre abgesessen hat. Im vorleigenden Fall geht es also um eine Widerholungstat und ggf eine lebenslange Sperre. Sun Yang wurde kontrolliert und ist gerade kurz vor knapp aufgetaucht um keinen "missed test" zu bekommen. Er hat dann versucht mit allen möglichen "Finten" der Kontrolle zu entgehen. Er hat zunächst die Legitimität der Kontolleure angezweifelt, obwohl sie sich ausgewiesen haben, hat einen Zirkus veranstaltet hinsichtlich Blut- und Urinprobe. Die er dann doch irgendwie abgegeben hat - aber nur unter beisein anderer Personen. Es ging hin und her, Urinprobe wollte er zunächst gar nicht abgeben, dann aber doch und in der Zwischenzeit hat die anwesende Mutter jemanden beauftragt einen Hammer zu holen und die Blutproben zu zerstören. Die FINA hat in trotzdem starten lassen, was die WADA dazu gebracht hat, vor den CAS zu ziehen. Nicht einer der Beteiligten (auch nicht die Wada) aber hat bei CAS ein beschleunigtes Verfahren beantragt um die Situation noch vor der WM zu klären.
Michael Weiß ist ein Ex-Doper der eine Strafe abgesessen hat. Aktuell ist kein Verfahren oder Auffälligkeit anhängig.
Während bei Sun Yang mehr konkrete Verdachtsmomente der Verschleierung vorliegen, und die FINA ganz offensichtlich kein Interesse hat, ihre eigenen Regeln durchzuziehen, ist bei Hr. Weiß nichts anhängig, was auf Basis des Regelwerks irgendwelche Sanktionen fordern würde.
Ich habe bereits auf den
korrekten Beitrag von Arne zum Thema Doping/Strafe/Ächtung darauf hingewiesen, dass sich der Protest im Grunde gegen die FINA richtet, die diesen Athleten nicht gesperrt haben, sondern sich aufgrund von Formalien ihrer Pflicht entledigt haben - Sun Yang gar nicht bei der WM sein.
Auch die FAZ stellt sich auf diesen Standpunkt - er ist ja recht offensichtlich: Der Protest der Schwimmer ist in erster Linie ein Protest gegen den Verband. Die Art und Weise des Protestes unterscheidet sich übrigens deutlich von dem was iaux getan hat. Ich meine, das der Protest der Schwimmer als Zivilcourage zu bewerten ist.
Zitat:
Genau aus diesem Grund ist der stille Protest von Mack Horton, der bei der Siegerehrung ein Foto mit Weltmeister Sun Yang verweigert hatte, sowie von Duncan Scott, der sich für die gleiche Aktion tags drauf von Sun als Verlierer beschimpfen lassen musste, nur auf den ersten Blick eine Aktion gegen den umstrittenen Superstar aus China. Es geht eben nicht nur darum, dass bei dieser WM ein von den Funktionären hofierter Sportler siegen durfte, der bereits des Dopings überführt wurde und aktuell abermals in eine Affäre um eine per Hammer verweigerte Doping-Probe verwickelt ist.
Es geht um den fehlenden Respekt des Internationalen Schwimmverbands (Fina) gegenüber den Athleten, die keine Lust mehr haben, als Statisten eines Millionenspektakels ausgenutzt zu werden. Keine Lust, olympische Finals mal in den frühen Morgenstunden (Peking 2008, Tokio 2020), mal in der Nacht (Rio 2016) schwimmen zu müssen, um den Primetime-Wünschen des lukrativen US-Markts zu entsprechen. Und keine Lust mehr, dem starfreundlichen Anti-Doping-Kampf der Fina tatenlos zuzusehen. Aktuellster Beweis ist eben das Startrecht für Sun, das auch deshalb erteilt werden konnte, weil die Anhörung zu dem Fall erst nach der WM angesetzt ist – und die Fina es nicht für nötig befand, vor den Titelkämpfen Klarheit zu schaffen.
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Die Unschuldsvermutung bei Sun Yang, die du mir nach deiner "Lesart" unterstellst habe ich nie geäussert. Im Gegenteil: Die starken Indizien im Fall Sun Yang lassen diese gar nicht ernsthaft zu.
Uns eint ein Ziel: Der faire und saubere Sport. Die Wege dorthin müssen meines Erachtens aber auf rechtsstaatlichen Prinzipien und Regeln basieren, die sich der Sport nicht entziehen kann. Der Sport und das Sportrecht findet halt nun mal auf dieser Basis statt. Du siehst das wohl an manchen Stellen anders.
