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Klugschnacker 22.03.2023 21:35

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702802)
Andere Querdenker, die diesen Namen abbekommen haben waren aber sehr wohl Wissenschaftler (mit z.T. labngjähriger Erfahrung und internationaler Anerkennung) und nicht Deine Nachbarin (z.B. die Autoren des Great Barrington Declaration, Bakhdi, Schrappe). Was sie beitrugen, waren Hypothesen und Denkansätze, von denen sich viele im Nachhinein als richtig herausgestellt haben, andere als Irrtümer.

Ja, und? Ein Wissenschaftler kann recht haben oder er kann sich irren. Das hat mit Querdenken nichts zu tun.

In der Wissenschaft gibt es randständige Ergebnisse und Überzeugungen. Beispielsweise gibt es eine sehr kleine Zahl von Klimaforschern, welche nicht vom menschengemachten Klimawandel überzeugt sind. Möglicherweise wurden deren Daten und Berechnungen noch nicht überprüft, vielleicht gibt es irgendwo einen Fehler – aber vielleicht haben sie auch recht. Die Randständigkeit dieser Ergebnisse sind in der Forschergemeinde bekannt und auch der betroffene Forscher weiß, dass fast alle anderen Forscher zu anderen Ergebnissen kommen als er. So weit so gut.

Querdenken bedeutet nun, dass dieser Forscher, der eine randständige Position vertritt, von den Querdenkern zum maßgeblichen Experten gemacht wird. Der ganze Mainstream der Wissenschaft wird einfach ignoriert. Man sucht sich einfach wissenschaftliche Ergebnisse, die irgendwie zu den eigenen Vorurteilen zu passen scheinen.

Der Wissenschaftler ist kein Querdenker, solange er die wissenschaftliche Methode verwendet, selbst wenn er sich irrt. Querdenker sind jene, die selektiv seine randständigen Ergebnisse entsprechend ihrer eigenen Vorurteile als zutreffend darstellen und den ganzen Rest der Wissenschaft ignorieren.

triathlonnovice 22.03.2023 21:53

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702814)

Querdenken bedeutet nun, dass dieser Forscher, der eine randständige Position vertritt, von den Querdenkern zum maßgeblichen Experten gemacht wird. Der ganze Mainstream der Wissenschaft wird einfach ignoriert. Man sucht sich einfach wissenschaftliche Ergebnisse, die irgendwie zu den eigenen Vorurteilen zu passen scheinen.


Wie kommst du darauf ?:confused: Man wägt lediglich gegeneinander abund kommt zu einem Schluss. Nix wird ignoriert.

Klugschnacker 22.03.2023 22:29

Zitat:

Zitat von triathlonnovice (Beitrag 1702816)
Wie kommst du darauf ?:confused: Man wägt lediglich gegeneinander abund kommt zu einem Schluss. Nix wird ignoriert.

Wie ich darauf komme: Das Abwägen und Schließen erfordert eine Menge Kompetenz auf dem jeweiligen Fachgebiet. Besonders dann, wenn die große Mehrheit der Wissenschaftler zu anderen Ergebnissen kommt.

Beispiel: Wenn 500 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ihre Forschungsergebnisse zu einem Teilgebiet der Hochenergiephysik zusammentragen, bist Du außerstande, abzuwägen und zu schließen, wer recht hat.

Klugschnacker 22.03.2023 22:40

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702802)
Das sehe ich aus beruflicher Erfahrung auch anders. Natürlich tragen Berufsfremde wenig zu Lösungen bei, aber gerade die Diskussion eines Fachthemas mit jemand völlig fachfremden bringt durch die nicht übliche Sichtwiese des "Laien" oft völlig neue Anstöße und Ideen auf, an die die "Experten" nie gedacht hätten. Ideenworkshops mit Leuten, die nie was vom Thema gehört haben, sind häufig sehr produktiv, wenn man ihnen zuhört, ohne sich über die Fehler lustig zu machen.

Falls das zutrifft, stimmt etwas mit Deiner Abteilung nicht.

Dieses Argument hat übrigens den Namen "Cherry-Picking": Vielleicht hat irgendwann irgendwo ein völliger Laie eine gute Idee für ein komplexes Problem geäußert, die den Experten, die sich seit Jahren damit beschäftigen, entgangen war. De facto gibt es das aber sehr selten. Sehr viel häufiger ist das Gegenteil der Fall: Ideen von Laien werden verworfen, weil sie sich einfach nicht genug auskennen.

Dein Argument verdreht die große Ausnahme eines Glückstreffers zu einer Regel. Es verschweigt, dass meistens das Gegenteil gilt: Lösungen komplexer Probleme kommen von Experten.

waden 22.03.2023 23:49

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1702796)
Lauterbach ist Politiker. Er trifft politische Entscheidungen. Kann man ihm das vorwerfen?

Das werfe ich ihm nicht vor. Allerdings ist seine politische Entscheidung eben nicht eine wissenschaftliche. Und seine Interpretation wissenschaftlicher Daten werfe ich ihm vor; inwiefern habe ich ja oben schon ausgeführt (Thema Angst als Werkzeug). Und jetzt zu behaupten, die Schulschließungen hätten gar nicht in seiner Verantwortung gelegen, sondern seien Fehler der Wissenschaft gewesen, ist auch ein Hinweis auf sein Wissenschaftsverständnis (und sein politisches Selbstverständnis)

merz 23.03.2023 07:27

Sz: „Wunschliste für die nächste Pandemie“ - okay am Titel müssen sie noch arbeiten, gemeint ist lessons learned -

sehr datenlastig, alles machbar, das bekommen wir dann in Deutschland nicht hin wegen Datenschmutz!

https://www.sueddeutsche.de/projekte.../?ieditorial=1

Ganzer Text und Material frei auf github

https://github.com/SZ-Datenjournalis...liste-pandemie

m.

waden 23.03.2023 08:00

Zitat:

Zitat von merz (Beitrag 1702831)
Sz: „Wunschliste für die nächste Pandemie“ - okay am Titel müssen sie noch arbeiten, gemeint ist lessons learned -

sehr datenlastig, alles machbar, das bekommen wir dann in Deutschland nicht hin wegen Datenschmutz!

https://www.sueddeutsche.de/projekte.../?ieditorial=1

Ganzer Text und Material frei auf github

https://github.com/SZ-Datenjournalis...liste-pandemie

m.

Danke, sehr interessant

Klugschnacker 23.03.2023 08:12

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702802)
Wozu gehen wir alle zur Schule, und wozu lesen viele populärwissenschaftliche Bücher oder schauen Wissenschaftssendungen, wenn nicht um ein Grundstock an naturwissenschaftlichem Verständnis und Denkweise zu erringen? Ist nach Deiner Ansicht der einzige Effekt solcher Bildung das nackte lernen von Richtig und Falsch?

Nein, das hat ja auch niemand behauptet. Bildung ist nicht nur das Abspeichern von Fakten, sondern umfasst auch die Kenntnis von der Methode, wie in der Wissenschaft Kenntnisse gewonnen werden.

Diese Methode ermöglicht eine gewisse Distanz zu den eigenen Vorurteilen. Querdenken bedeutet hingegen, man hängt einem Vorurteil an und sucht sich nachträglich diejenigen Fakten zusammen, welche das eigene Vorurteil bestätigen und ignoriert alle anderen. Wenn ich beispielsweise das Vorurteil habe, dass Frauen schlecht einparken, kann ich Dir sofort 100.000 Beispiele liefern, die das belegen. Die 1.000.000 Beispiele, die das widerlegen, lässt man weg.

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702802)
Und wenn wir alle auf allen Fachgebieten ahnungslos sind - wozu sind dann Wahlen und Volksabstimmungen gut, wir haben doch alle keine Ahnung davon, worum es wirklich geht?

Du setzt hier eine falsche Prämisse und kommst dadurch zu einer falschen Frage. Wir sind nicht "alle auf allen Fachgebieten ahnungslos". Sondern wir leisten uns als Gesellschaft einen sehr aufwändigen Wissenschaftsbetrieb. Nicht nur im Bereich der Grundlagenforschung. Auch im Bereich der politischen Anwendung dieses Wissens. Beispielsweise ist das Umweltbundesamt eine Behörde, welche dem Umweltministerium wissenschaftlich zuarbeitet. In ihm sind 1.500 Personen beschäftigt. Mit anderen Worten, wir verfügen über sehr viel Wissen.

Trotzdem hast Du da einen Punkt, finde ich. Welcher Brite konnte vor der Wahl wirklich die komplexen Folgen des Brexit abschätzen? Wahlen sind immer durch Populismus gefährdet. Deswegen muss sich eine Demokratie gegen Populismus und Fake zur Wehr setzen.

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1702802)
Wieso kann aber die gleiche Redaktion dann die Meinung von Querdenkern als Bullshit qualifizieren, wenn sie doch nichts vom Fach verstehen? Sollten sich dann nicht alle Journalisten darauf beschränken, neutral alle Positionen zu berichten ohne sie zu bewerten?

Gleichwertige wissenschaftliche Positionen sollten als gleichwertig in den Medien zu Wort kommen. Es sind aber nicht alle Positionen gleichwertig.

99% aller Wissenschaftler sind vom menschengemachten Klimawandel überzeugt. Eine winzige Minderheit hält dagegen. Wenn eine Zeitung nun beide Positionen als gleichwertig in einem Artikel vorstellt, oder in einer Talkshow aus beiden Lagern jeweils ein Gast eingeladen ist, dann ist die randständige Meinung stark überrepräsentiert. Es entsteht bei den Leser:innen und Zuschauer:innen der falsche Eindruck, es gäbe zu diesem Thema eine wissenschaftliche Kontroverse, die noch offen sei.

Das sind klassische und zentrale Taktiken und Forderungen der Wissenschaftsleugner und Querdenker, vor allem in den USA.


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