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Antracis 04.11.2022 12:37

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1689208)

Übrigens: Kennst Du ein Land, das Corona aktuell ernsthafter bekämpft als Deutschland (mal von China/Shanghai abgesehen)? Steht Deutschland aktuell bzgl. Corona wesentlich anders da, als Länder, die sich deutlich weniger Gedanken um vorgeschriebene Maßnahmen machen, und mehr der Eigenverantwortung der Leute überlassen?

Erlebst Du das aktuell wirklich als so großen Übergriff durch vorgeschrieben Maßnahmen ?

Den großen Teil der Bevölkerung betreffend ist das doch im Wesentlichen die Maskenpflicht im öffentlichen Nah- und Fernverkehr. ( Wird nach meinem Eindruck aktuell so noch zuu 50-60% eingehalten und nicht mehr kontrolliert, zumindest in der Berliner U-Bahn. Im ICE vielleicht strenger)

Dann gibt es noch die 5-10tägige Iso bei positivem Testergebnis. Ich habe da natürlich keinen repräsentativen Eindruck, aber die meisten Leute meiner Umgebung, die zuletzt an Covid-19 erkrankt waren, mich eingeschlossen, hatten einige Tage mittelschwere bis starke Erkältungssymptome und wären die Zeit eh zu Hause in ihrer Wohnung geblieben.

Bleibt Masken- und Testpflicht vor allem für Personal, Besucher und Bewohner/Patienten von medzinischen Eindrichtungen und ähnliches, wo eine Maskenpflicht gilt. Das sind aber differenzierte Risikobereiche, wobei ich da persönlich auch noch mal situativ stark unterscheiden würde zwischen beispielsweise einer betreuten Wohngemeinschaft und einer onkologischen Station in einem Krankenhaus.

Ich finde das aber insgesamt echt nicht viel als Einschränkung. Ich bin selbst leider persönlich relativ stark betroffen, weil ich halt im Krankenhaus viele Stunden FFP2-Maske tragen muss, was nervig ist und es meine Arbeit mit Patient*innen erschwert. Das isses dann aber auch. ICE-Fahrt mit FFP2 würde mich nerven, an dererseits würde ich bei einer meiner (seltenen) Bahnfahrten mittlerweile auch freiwillig FFP2 tragen, weil ich mir dort vermutlich jedes Jahr bisher die meisten meiner banalen Erlältungsinfekte geholt habe.

Ich empfinde das jetzt nicht als großen Eingriff in mein Leben. Für Bewohner von bestimmten Institutionen sieht das sicher anders aus, aber für den Großteil der Bevölkerung sehe ich wirklich de facto nur noch eine sehr geringe Beeinträchtigung durch geregelte Maßnahmen.

Ich würde aber auch die meisten Regeln aufheben.

Schwarzfahrer 04.11.2022 14:14

Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1689245)
Erlebst Du das aktuell wirklich als so großen Übergriff durch vorgeschrieben Maßnahmen ?

Wie stark man die vorgeschriebenen Maßnahmen als belastend empfindet, ist sicherlich subjektiv. Meine Frage zielt aber darauf hin, ob diese überhaupt einen nennenswerten Unterschied ausmachen. Falls dies nämlich nicht belegbar ist, sind auch wenig einschränkende Maßnahmen zu viel unnötige Einschränkung. Effekte im einstelligen Prozentbereich oder drunter rechtfertigen einfach keinen Zwang zu nicht gewollten Verhaltensweisen und Handlungen.
Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1689245)
Ich bin selbst leider persönlich relativ stark betroffen, weil ich halt im Krankenhaus viele Stunden FFP2-Maske tragen muss, was nervig ist und es meine Arbeit mit Patient*innen erschwert. Das isses dann aber auch.

Ich finde es als Patient extrem störend, weil man entweder stundenlang mit Maske warten muß, bis das Gesicht von Kondenswasser aufgedunsen ist, und weil man im Arztgespräch keine Mimik wahrnimmt, und so die Kommunikation stark eingeschränkt ist (ganz absurd unsinnig ist es beim Zahnarzt, wo ich auch ohne Wartezeit die 10 Meter bis zum Behandlungsstuhl Maske tragen soll, wo ich danach u.U. 20 Minuten mit weit offenem Mund da sitze). Das motiviert, Arztbesuche auf das absolut unvermeidbare Minimum zu begrenzen.
Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1689245)
ICE-Fahrt mit FFP2 würde mich nerven, andererseits würde ich bei einer meiner (seltenen) Bahnfahrten mittlerweile auch freiwillig FFP2 tragen, weil ich mir dort vermutlich jedes Jahr bisher die meisten meiner banalen Erkältungsinfekte geholt habe.

Mich persönlich trifft die Maskenpflicht in Bahnen nicht, da ich keine benutzen muß, kann immer auf Rad oder Auto ausweichen. Habe mir früher allerdings vor allem in Flugzeugen(an Flughäfen?) Infekte eingefangen, in Bahnen kaum.
Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1689245)
Für Bewohner von bestimmten Institutionen sieht das sicher anders aus

Allerdings. Mein Sohn, der in einer Küche mit anderen geistig Behinderten zusammen arbeitet, muß nicht nur täglich stundenlang in der Straßenbahn Maske tragen (fährt, wenn es geht deshalb lieber je eine Stunde Fahrrad zur Arbeit und zurück), sondern den ganzen Tag in der Arbeit auch noch, und muß dazu wöchentlich mehrmals das Nasenpuhlen über sich ergehen lassen (sogar auch wenn er sich mit Freunden über die Lebenshilfe organisiert zum Kegeln trifft). Das finde ich z.B. eine unverschämte Ungleichbehandlung von geistig Behinderten, die sich nicht selbst wehren können. Nicht-behinderte werden an vergleichbaren Arbeitsplätzen solchen Maßnahmen nicht ausgesetzt. Schutz von Vulnerablen darf nicht einfach darin bestehen, daß man vermeintlich Vulnerable (geistig Behinderte sind per se nicht anfälliger, als andere) zu Sachen zwingt, die ihnen nichts bringen aber belastend sind.

Und die unnötige Zwangs-Isolation bei symptomlosem positivem Testergebnis ist ein wesentlicher Faktor für eine hohe Arbeitsbelastung der Kollegen in vielen Bereichen, allem voran dem Gesundheitswesen. Bei einer Krankheit mit den Risikolevel von Omikron muß man irgendwann zum Prinzip: krank ist, wer Symptome hat, zurückkehren (d.h. auch nur symptomatische Menschen testen, soweit überhaupt von Interesse, mit Krankheitssymptomen sollte man eh zu Hause bleiben, egal von welchem Virus).
Zitat:

Zitat von Antracis (Beitrag 1689245)
Ich würde aber auch die meisten Regeln aufheben.

Also, was spricht dann noch überhaupt dafür, sie zu erhalten?

LidlRacer 04.11.2022 22:20

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1688437)
Aber zur Abwechslung auch mal was Positives von Dirk Paessler:

Seine letzte Modellrechnung vom 20.10. war überwiegend zu pessimistisch.
Sein optimistisches Szenario allerdings annähernd passend.
[...]

Interessant:
Es setzt sich fort, dass bei Paesslers Modell aktuell etwas nicht passt.
Es läuft weiter harmloser als von ihm erwartet - und er ist ratlos:

"Meine bisherigen Modellrechnungen mit Level5+ Varianten (BQ.1.* und XBB.*) können wir vorerst in die Tonne treten: um die neusten RKI-Sequenzierungsdaten nachzuvollziehen muss ich im Modell einen Knick beim Immunescape von 14% auf 3% einbauen am 10.10.

Da stimmt also was nicht.

[Für das zugehörige Diagramm klicke man sich auf seine Website:
https://dirkpaessler.blog/2022/11/04...modellierungen ]

Eine ähnliche Situation hatten wir bei den bisherigen Variantenübergängen noch nie. Wer das schlüssig erklären kann, möge vortreten.

Freuen wir uns, dass die große November Varianten-Welle wohl (erstmal!) nicht so kommt wie zu befürchten war."

Aber ich würd's mit dem Freuen auch nicht übertreiben ...
:Cheese:

waden 05.11.2022 04:03

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1689303)
Aber ich würd's mit dem Freuen auch nicht übertreiben ...

Ojeoje, bloß nicht! Wo kämen wir denn da hin? Am Ende in die gleichen Verhältnisse wie im hier schon viel zitierten Ausland seit dem Frühjahr?

Mo77 05.11.2022 08:12

Zitat:

Zitat von LidlRacer (Beitrag 1689303)
Interessant:
Es setzt sich fort, dass bei Paesslers Modell aktuell etwas nicht passt.
Es läuft weiter harmloser als von ihm erwartet - und er ist ratlos:

"Meine bisherigen Modellrechnungen mit Level5+ Varianten (BQ.1.* und XBB.*) können wir vorerst in die Tonne treten: um die neusten RKI-Sequenzierungsdaten nachzuvollziehen muss ich im Modell einen Knick beim Immunescape von 14% auf 3% einbauen am 10.10.

Da stimmt also was nicht.

[Für das zugehörige Diagramm klicke man sich auf seine Website:
https://dirkpaessler.blog/2022/11/04...modellierungen ]

Eine ähnliche Situation hatten wir bei den bisherigen Variantenübergängen noch nie. Wer das schlüssig erklären kann, möge vortreten.

Freuen wir uns, dass die große November Varianten-Welle wohl (erstmal!) nicht so kommt wie zu befürchten war."

Aber ich würd's mit dem Freuen auch nicht übertreiben ...
:Cheese:

Finde ich gut von dir, dass du auch so eine Entwicklung hier postest und nicht unter den Teppich kehrst.
:Blumen:

Schwarzfahrer 09.11.2022 21:10

Interessantes aus dem neuesten RKI Monatsbericht (3.11.22) für alle, die überlegen, ob sie sich (nochmal) impfen lassen, wenn sie schon Corona hatten (fette Hervorhebungen von mir):
Zitat:

Ein kürzlich als Preprint veröffentlichter systematischer Review der WHO (mit Beteiligung des RKI) analysiert und bewertet die internationale Studienlage zum Schutz einer vorangegangenen SARS-CoV2-Infektion sowie einer hybriden Immunität (Impfung + Infektion) vor Infektionen und schweren Verläufen mit der bzw. durch die Omikronvariante.
...
Die Ergebnisse des Reviews, der bis zum 01.06.2022 veröffentlichte Studien bzw. Preprints bis zum 15.07.2022 einschließt, zeigen zum einen, dass sowohl die hybride Immunität als auch eine alleinige vorangegangene Infektion einen etwas höheren Schutz gegen eine Omikroninfektion vermitteln als eine vollständige Grundimmunisierung bzw. Auffrischimpfung alleine
...
Die Schutzwirkung der hybriden Immunität gegen Reinfektionen lässt zwar deutlich über die Zeit nach, jedoch langsamer als nach COVID-19-Impfung alleine. Die Schutzwirkung der hybriden Immunität vor einer Omikroninfektion wird mit 74,1 % (95% KI 61,9 – 79,6 %) nach 1 Monat, mit 60,4 % (49,6 – 70,3 %) nach 6 Monaten und mit 41,8 % (31,5 – 52,8 %) nach 12 Monaten angegeben. Weiterhin zeigt sich, dass die Schutzwirkung der hybriden Immunität gegen schwere Verläufe durch die Omikronvariante anhaltend über 95 % liegt (Daten liegen bis zu 12 Monate nach Impfung bzw. Infektion vor).
...
Die systematische Aufbereitung der internationalen Studienlage zur Impfeffektivität gegen eine Omikroninfektion, die im RKI-Monatsbericht vom 07.07.2022 zusammengefasst wurde, zeigte eine Effektivität der mRNA-Impfstoffe gegen eine symptomatische Omikroninfektion mit der Omikronvariante von initial 41 % bis 76 % mit raschem Abfall über die Zeit und einer Effektivität von maximal 13 % nach über 6 Monaten (Effektivität der Auffrischimpfung bis zu 3 Monate nach der lag zwischen 44 % und 65 %; ausführliche Ergebnisse hier). Gegen schwere Verläufe wie COVID-19-
assoziierte Hospitalisierung oder Tod zeigte die Auffrischimpfung bis zu 3 Monate nach der Impfung eine anhaltend hohe Effektivität zwischen 78 % und 94 %.

Gute Nachricht für die Genesenen, weniger gute für die Impfstoff-Hersteller, solche Erkenntnisse steigern den Absatz nicht.

waden 10.11.2022 14:41

ich habe zu diesem Thema wiederholt geschrieben, dass die Überlastung des Gesundheitssystems als Ursache für zahlreiche Coronamaßnahmen angegeben wurde.
Der zentrale Mangel im Gesundheitswesen ist in diesem Zusammenhang der Pflegekräftemangel, der seit vielen Jahren bekannt ist. Die Politik hat seit vielen Jahren versäumt, hier Abhilfe zu schaffen. Ich hatte zu Beginn der Pandemie gehofft, dass das Scheinwerferlicht auf diesen Mangel zu einer Besserung führen würde. Spahn hatte ja auch diesbezüglich viel angekündigt, worauf er aber nichts lieferte. Lauterbach drehts jetzt andersrum und behauptet einfach, es gebe genügend Pfleger, es werde nur zuviel im Krankenhaus behandelt.
Mich stört, dass die Medien sich damit abspeisen lassen. Jetzt sprechen wir über Waschlappen, kurzes Duschen, Nichtheizen usw.
-
Die Triage drohte vor und droht vielerorts jetzt auch ohne Corona, hier zum Beispiel
https://www.br.de/nachrichten/bayern...-druck,TKiIkyy

Antracis 10.11.2022 16:37

Zitat:

Zitat von waden (Beitrag 1689798)
Der zentrale Mangel im Gesundheitswesen ist in diesem Zusammenhang der Pflegekräftemangel, der seit vielen Jahren bekannt ist. Die Politik hat seit vielen Jahren versäumt, hier Abhilfe zu schaffen.

Ich hatte das ja auch mal zu Beginn der Pandemie verlinkt, der Ärzteblatt-Artikel datiert auf März 2018, über 1 1/2 Jahre vor Beginn der Pandemie:

https://www.aerzteblatt.de/nachricht...el-in-Kliniken


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