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Nogi87 14.03.2023 11:29

Zitat:

Zitat von trithos (Beitrag 1701831)
Doch Verständnis habe ich schon, aber nur bedingt. Vor allem die Formulierung "auf das Verbrenner-Auto angewiesen" oder auch "aufs Auto angewiesen" nervt mich zunehmend. Damit ist nämlich oft gemeint, dass man keine Lust hat, alternative Verkehrsmittel in Erwägung zu ziehen.

Du schreibst weiter oben vom Leben auf dem Dorf mit 30 Kilometer Pendel-Weg. Ohne Deine Situation genau zu kennen, schildere ich kurz meine: Ich lebe auch außerhalb der Stadt und muss auf meinem Arbeitsweg nicht nur IN die Stadt sondern de facto quer durch. 24 km One-Way, davon die Hälfte tatsächlich im Stadtverkehr. Dazu noch das besondere Schmankerl, dass meine Arbeitsstätte auf einem Hügel liegt und meine Wohnung auch, dass also sowohl hin als auch zurück eine kleine Bergwertung (nach Hause 150 Höhenmeter) liegt. Würdest Du anerkennen, dass ich aufs Auto angewiesen bin?

Ich nicht! Als mein Arbeitsplatz dorthin gewandert ist, wo er jetzt ist, hab ich mir ein E-Bike gekauft, mit dem ich täglich mehr als zwei Stunden pendle. Ist manchmal mühsam, wenn es regnet und finster ist. Und vor allem, wenn ich dann auf Kolleg*innen treffe, die behaupten, für ihre läppischen 5 km Arbeitsweg innerstädtisch aufs Auto angewiesen zu sein.

Und weil Du ja auch die Kosten angesprochen hast: gerade die sprechen gegen das Auto, das sowohl in Anschaffung als in Betrieb das teuerste Verkehrsmittel ist. "Aufs Auto angewiesen zu sein" ist also ein relativer Begriff, der meiner Meinung nach zu oft unreflektiert und unwidersprochen in die Diskussion geworfen wird.

Ich leugne sicher nicht die Vorteile, die das Auto bieten kann - auch ich fahre regelmäßig. Aber das ist eben nicht Schicksal, sondern eine bewusste Entscheidung. Und ein Triathlet hat mit der Verwendung eines Fahrrads doch wirklich eine gute Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig Geld zu sparen.

Dann mal meine Situation. Hier gibt es keine Radwege die ich benutzen kann. Nachdem ich das letzte Mal beim Fahrrad fahren angefahren wurde, fahre ich nur noch Sonntags morgens auf der Straße, ansonsten nur noch auf der Rolle. Mit dem Auto brauche ich 32 Minuten zur Arbeit, mit den öffentlichen wenn ich Glück habe 1 Stunde 49. Klar kann man immer sagen das ist zumutbar, allerdings habe ich das 3 Jahre zur Uni durchgemacht, mit dem Ergebnis, dass ich 3 Jahre lang jeden Tag puren Stress beim Bahn fahren hatte. Jedes Mal wenn die U-Bahn nur kurz länger gestanden ist hatte ich einen Puls von 150, weil wenn ich den Anschlusszug verpasse ich nicht 1 Stunde 50 sondern 2 Stunden 50 nach Hause brauche und dann sofort ins Bett muss.
Das mache ich nicht nochmal mit.

keko# 14.03.2023 11:31

Zitat:

Zitat von trithos (Beitrag 1701831)
....

Ich leugne sicher nicht die Vorteile, die das Auto bieten kann - auch ich fahre regelmäßig. Aber das ist eben nicht Schicksal, sondern eine bewusste Entscheidung. Und ein Triathlet hat mit der Verwendung eines Fahrrads doch wirklich eine gute Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig Geld zu sparen.

Du bist ein Triathlet, mobil und fit. Selbstverständlich sollst du das Fahrrad in deinen täglichen Weg mit einbeziehen.
Und: du hast die Wahl - du kannst Fahrrad fahren oder eben das Auto nutzen.
Die Wahl zu haben ist der entscheidende Luxus., den du genießt. Du kannst dir einen Verbrenner kaufen, eine E-Auto, ein E-Bike, eine billige Stadtschlampe über eBay.
Hoffen wir, dass das so bleibt ;)

trithos 14.03.2023 11:41

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1701838)
Du bist ein Triathlet, mobil und fit. Selbstverständlich sollst du das Fahrrad in deinen täglichen Weg mit einbeziehen.
Und: du hast die Wahl - du kannst Fahrrad fahren oder eben das Auto nutzen.
Die Wahl zu haben ist der entscheidende Luxus., den du genießt. Du kannst dir einen Verbrenner kaufen, eine E-Auto, ein E-Bike, eine billige Stadtschlampe über eBay.
Hoffen wir, dass das so bleibt ;)

Danke, hoffe ich auch. ;)
Aber es ist nicht das Entscheidende, ob ICH mir was leisten kann. Die Frage ist, ab wann man allgemein das Auto als alternativlos ansieht. Und selbst wenn ich ein Auto habe, darf ich ja trotzdem gelegentlich mit dem Rad fahren und das Auto stehen lassen. Vor allem wenn das Geld knapper sein sollte, wäre das aus meiner Sicht doch total naheliegend.

Aber ich verstehe natürlich auch, was Du, Nogi87, schreibst: 30 Kilometer Bundesstraße ist sicher kein Vergnügen, vor allem wenn man schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Die Alterative zum Radeln auf der Bundesstraße ist aber meiner Meinung nach eben NICHT das Auto, sondern der Bau eines Radweges.

Flow 14.03.2023 11:46

Zitat:

Zitat von Nogi87 (Beitrag 1701837)
Jedes Mal wenn die U-Bahn nur kurz länger gestanden ist hatte ich einen Puls von 150, weil wenn ich den Anschlusszug verpasse ich nicht 1 Stunde 50 sondern 2 Stunden 50 nach Hause brauche und dann sofort ins Bett muss.

Cool ! Ein "weil wenn"-Satz mit korrekter Prädikatstellung ... :liebe053:... welch Seltenheit ... :)

twsued 14.03.2023 12:29

Zitat:

Zitat von trithos (Beitrag 1701831)
Doch Verständnis habe ich schon, aber nur bedingt. Vor allem die Formulierung "auf das Verbrenner-Auto angewiesen" oder auch "aufs Auto angewiesen" nervt mich zunehmend. Damit ist nämlich oft gemeint, dass man keine Lust hat, alternative Verkehrsmittel in Erwägung zu ziehen.

Du schreibst weiter oben vom Leben auf dem Dorf mit 30 Kilometer Pendel-Weg. Ohne Deine Situation genau zu kennen, schildere ich kurz meine: Ich lebe auch außerhalb der Stadt und muss auf meinem Arbeitsweg nicht nur IN die Stadt sondern de facto quer durch. 24 km One-Way, davon die Hälfte tatsächlich im Stadtverkehr. Dazu noch das besondere Schmankerl, dass meine Arbeitsstätte auf einem Hügel liegt und meine Wohnung auch, dass also sowohl hin als auch zurück eine kleine Bergwertung (nach Hause 150 Höhenmeter) liegt. Würdest Du anerkennen, dass ich aufs Auto angewiesen bin?

Ich nicht! Als mein Arbeitsplatz dorthin gewandert ist, wo er jetzt ist, hab ich mir ein E-Bike gekauft, mit dem ich täglich mehr als zwei Stunden pendle. Ist manchmal mühsam, wenn es regnet und finster ist. Und vor allem, wenn ich dann auf Kolleg*innen treffe, die behaupten, für ihre läppischen 5 km Arbeitsweg innerstädtisch aufs Auto angewiesen zu sein.

Und weil Du ja auch die Kosten angesprochen hast: gerade die sprechen gegen das Auto, das sowohl in Anschaffung als in Betrieb das teuerste Verkehrsmittel ist. "Aufs Auto angewiesen zu sein" ist also ein relativer Begriff, der meiner Meinung nach zu oft unreflektiert und unwidersprochen in die Diskussion geworfen wird.

Ich leugne sicher nicht die Vorteile, die das Auto bieten kann - auch ich fahre regelmäßig. Aber das ist eben nicht Schicksal, sondern eine bewusste Entscheidung. Und ein Triathlet hat mit der Verwendung eines Fahrrads doch wirklich eine gute Möglichkeit, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig Geld zu sparen.

Ohne Wenn und Aber, Du fährst täglich mit dem Rad 24km hin zur Arbeit und 24km zurück?

Täglich bei Wind und Wetter?

Toll, find ich gut.:Blumen:

Erwartest Du das von Jedem? (Bis 24km Arbeitsweg)

qbz 14.03.2023 12:39

Zitat:

Zitat von trithos (Beitrag 1701831)
Doch Verständnis habe ich schon, aber nur bedingt. Vor allem die Formulierung "auf das Verbrenner-Auto angewiesen" oder auch "aufs Auto angewiesen" nervt mich zunehmend. Damit ist nämlich oft gemeint, dass man keine Lust hat, alternative Verkehrsmittel in Erwägung zu ziehen.
.....

Offtopic:
Als ich mit der Rente auf ein kleines Dorf umzog, habe ich es das erste 3/4 Jahr ohne Auto probiert, weil ich das die letzten 40 Jahre in Berlin so gewohnt war, alle Strecken, egal wie weit und bei welchem Wetter, mit dem Rad zu erledigen. Am Wochenende und ab 18 Uhr kein Bus mehr zum Dorf, der Bahnhof ca. 10 km entfernt. Ich bin oft mit meinem Hund zum Bahnhof gelaufen (20km hin u. zurück) und natürlich mit Radhänger zum Einkaufen gefahren. Alle Zugverbindungen in Brandenburg sind nach Berlin ausgerichtet, es gibt quasi keine Querverbindungen mehr, die alle mal bestanden haben, aber stillgelegt worden sind: Z.B. für eine MRT-Diagnostik in ein Kreiskrankenhaus, welches das anbietet, fährt man von mir mehrere Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Auto ca. 45min.- 1h. Nach einem 3/4 Jahr habe ich es aufgegeben und es steht seither eine preiswerte Karre auf dem Hof.

trithos 14.03.2023 12:55

Zitat:

Zitat von twsued (Beitrag 1701844)
Ohne Wenn und Aber, Du fährst täglich mit dem Rad 24km hin zur Arbeit und 24km zurück?

Täglich bei Wind und Wetter?

Toll, find ich gut.:Blumen:

Erwartest Du das von Jedem? (Bis 24km Arbeitsweg)

1) Ja, täglich bei Wind und Wetter - es ist gar nicht so schlimm und dank breiter Mountainbikereifen geht´s auch entspannt bei Schneelage (und bei Straßenbahnschienen ;) )

2) Nein, das erwarte ich nicht von jedem. Aber ich würde mich freuen, wenn jeder zumindest dann einmal an eine Alternative zum Auto denkt (gerne auch Öffi), wenn das Wetter schön ist und der Arbeitsweg kurz. Wenn gerade kein Kühlschrank auf dem Heimweg gekauft und transportiert werden muss. Wenn gerade keine Kleinkinder ganz schnell abgeholt und zum Training gebracht werden müssen ...

Kurz: ich bin tatsächlich der Meinung, das das Auto sinnvoll eingesetzt werden kann. Ich bezweifle aber, dass jede und jeder für jede Fahrt und jede Gelegenheit tatsächlich "aufs Auto angewiesen ist".

Weißer Hirsch 14.03.2023 14:01

Zitat:

Zitat von Klugschnacker (Beitrag 1701760)
Das kleine Land in Europa gehört weltweit zu den größten Verursachern des Klimawandels. Bei den kumulierten Abgasen liegen nur die USA, China und Russland vor uns. Wir belegen weltweit den vierten Platz.

Deutschland ist international kein Vorreiter beim Klimaschutz. Wie halten das von uns unterzeichnete internationale Klimaschutzabkommen nicht ein. Zudem bleibt Deutschland hinter den eigenen Gesetzen beim Klimaschutz zurück, vor allem auf dem Verkehrssektor.
:Blumen:

Gemessen an der Zahl der hier produzierten Waren und Dienstleistungen ist die CO2-Bilanz von D ziemlich vorzüglich.

Ok, man kann dafür sein hier weniger produzieren zu lassen. Der Plan läuft ja gerade... Nur, dann werden die selben Waren und Dienstleistungen eben wo anders produziert. Womöglich, und sehr wahrscheinlich, unter schlechteren Bedingungen und insgesamt umweltschädlicher. Ob das besser ist?


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