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Hafu 02.11.2021 09:17

Zitat:

Zitat von Nepumuk (Beitrag 1631339)
Wo siehst du denn ein Hauruck-Verfahren? Ich kenne nicht einen Politiker der das fordert.

(Real-)Politiker fordern in der Regel nur das, was ihnen möglich erscheint. Das ist eigentlich gut, wird aber in der Klimakrise, in der jetzt sofortiges Handeln erforderlich ist, weil die Welt die letzten 30 Jahre, in denen eine langsame Energiewende noch möglich gewesen wäre weitgehend verschlafen hat (insbesondere im Verkehrssektor), zum großen Problem.

Ich gebe dir recht, dass diese Hauruck-Verfahren, von den Parteien, die derzeit in Regierungsverantwortung kommen können niemand fordert und dass es daher (leider) nicht zu erwarten ist, aber es wäre trotzdem IMHO wünschenswert.


Zitat:

Zitat von Nepumuk (Beitrag 1631339)
Ein Rollover der Fahrzeugflotte dauert in Deutschland rund 15 Jahre. Selbst wenn wir ganz optimistisch mal ab 2025 die Zulassung neuer Verbrenner verbieten, würde es also noch bis 2040-45 dauern, bis die Umstellung erfolgt ist. Und dann kommt noch die Weiternutzung im Ausland dazu.
Also ist selbst die optimistischste derzeit diskutierte Variant alles andere als ein Hauruck-Verfahren, sondern ein langsamer Umstellungsprozess.

Ich glaube, dass der Rollover deutlich schneller vonstatten gehen würde, wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht werden würde. Und diese Stellschrauben sind v.a. der Preis der Mobilität.
Menschen können in der Regel sehr gut rechnen und geben ungern freiwillig deutlich mehr aus als sie müssten, um eine bestimmte Leistung zu erhalten.

Wenn also Treibstoff, so wie von FFF seit langem gefordert ausreichend teuer wird (gesteuert durch einen CO2-Preis von 160€/tonne) und gleichzeitig der Preis für gebrauchte Verbrenner (wegen zu erwartendem Überangebot, da viel Menschen ihre spritfressenden SUVs los werden wollen und die Kaufbereitschaft für solche Verbrenner-Autos niedrig ist) schnell genug sinkt, dann wird das den üblichen Rollover massiv beschleunigen, sofern gleichzeitig auch die Lademöglichkeiten für E-Mobilität steigen.
Insbesondere der gesamte gewerbliche Sektor der Mobilität ist extrem preissensibel: Sobald die E-Mobilität für Lieferflotten wie DHL. Hermes, UPS etc auf stabilem Niveau günstiger ist (wegen der o.g. von der Politik beeinflussbaren Faktoren) dann steigen diese Unternehmen unmittelbar um, weil alles was die laufenden Kosten im Tagesgeschäft drückt, die Rendite gegenüber den Mitbewerbern erhöht.

25 € pro Tonne Co2 wie die derzeitige Bepreisung ist, die ja trotzdem schon die Bildzeitung regelmäßig laut beklagt, tut halt weder den privaten Verbrauchern noch der Industrie wirklich weh und ist daher viel zu niedrig, um die gewünschten Verhaltensänderungen hervorzurufen.
Derzeit hilft zwar der massiv gestiegene Rohölpreis, dass sich trotzdem manche Leute mal Gedanken machen, wieviel ihre Karre eigentlich schluckt, aber der Rohölpreis ist nur ein Zufallsfaktor, der vermutlich bald wieder sinken wird, da bei hohem Preis die Förderung von Rohöl automatisch attraktiver wird und dann eben mehr Öl aus Schiefersanden oder von schwer zugänglichen Quellen im Meer oder in Alaska gefördert wird, so dass dieser Preisanstieg irgendwann wieder gestoppt ist und dann wieder sinkt.

keko# 02.11.2021 09:47

Zitat:

Zitat von TRIPI (Beitrag 1631220)
...
Was man aber tatsächlich sagen muss: Es ist schwer fraglich ob sich die Lebenssituation der Ausgebeuteten in zb Afrika ohne Batterie verbessern würde. Man müsste die großen Konzerne zwingen, deutlich transparenter mit ihren Produktionsstätten und Zulieferern umzugehen, nur das würde etwas ändern denke ich.

Wer soll sie denn dazu zwingen?
:Blumen:

dr_big 02.11.2021 09:56

Zitat:

Zitat von Hafu (Beitrag 1631343)
Ich glaube, dass der Rollover deutlich schneller vonstatten gehen würde, wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht werden würde. Und diese Stellschrauben sind v.a. der Preis der Mobilität.

Deshalb wird bei uns der öffentliche Nahverkehr gerade um 5,5% teurer. Hat die Politik da an der falschen Stellschraube gedreht? :-((

Schwarzfahrer 02.11.2021 09:57

Zitat:

Zitat von CarstenK (Beitrag 1631317)
Das sehe ich ähnlich, aber nur wenn er mit Verstand erfolgt und nicht im Hauruck Verfahren bzw. mit der Brechstange wie es mach einem Aktivisten / Politiker vorschwebt.

Zitat:

Zitat von Nepumuk (Beitrag 1631339)
Wo siehst du denn ein Hauruck-Verfahren? Ich kenne nicht einen Politiker der das fordert. Ein Rollover der Fahrzeugflotte dauert in Deutschland rund 15 Jahre...

Ich gebe da Nepumuk Recht, was die Umstellung der Fahrzeugflotte angeht. Wenn allerdings der Anstieg der Elektrofahrzeug-Flotte nicht durch einen entsprechenden gesicherten Anstieg der regenerativen Energieerzeugung abgesichert wird (was außer in Ländern wie Norwegen schwer sein könnte), bleibt die Umweltwirkung der Elektromobilität eher auf lokal sauberere Luft begrenzt.
Zitat:

Zitat von CarstenK (Beitrag 1631317)
Im Endeffekt heißt es also, je weniger zugelassene PKW auf den Straßen, desto besser. Dafür sehe ich aber im Moment keine Bereitschaft. Bei mir vor der Haustüre wird die A3 gerade von 4 auf 6 Spuren ausgebaut, warum wohl ?

Ich glaube, daß die Fokussierung auf die PKW zu schmal gedacht ist. Der Autobahnausbau (wie auch die hohen Instandhaltungs- und Reparaturkosten) ist primär dem stetigen Wachstum des LKW-Verkehrs geschuldet. Die Politik hat über Jahrzehnte die Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene akzeptiert (ich kann mich nur aus den 80-ern an gelegentliche Überlegungen erinnern, daß Güter auf der Schiene umweltgerechter wären, seither werden die Stimmen immer leiser). Der Wirtschaft spart das enorme Lagerkosten, der Steuerzahler bezahlt die Instandhaltungs- und Autobahnbaukosten, und die PKW-Fahrer fluchen im Stau - und sollen jetzt auch noch die Verkehrswende stemmen. Hier gäbe es ein riesen Potential, Ressourcenverbrauch und CO2 zu reduzieren, vielfach effektiver als jeder Batterie-LKW oder private E-Autos - allerdings vom jetzigen Startpunkt aus wäre das auch mit enormen Investitionen und langer Zeit verbunden. Solche Langfrist-Ziele würde ich aber von einer neuen Regierung erwarten, wenn sie es mit einem Wandel ernst meinen.

TRIPI 02.11.2021 10:05

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1631351)
Wer soll sie denn dazu zwingen?
:Blumen:

Die Öffentlichkeit bzw. der Markt. Gehen die Verkaufszahlen runter sind die ganz schnell ganz interessiert;)

keko# 02.11.2021 10:19

Zitat:

Zitat von TRIPI (Beitrag 1631357)
Die Öffentlichkeit bzw. der Markt. Gehen die Verkaufszahlen runter sind die ganz schnell ganz interessiert;)

Der Markt für Autobauer ist halt global. Wenn wir in DE Fahrgemeinischaften machen und mit Öffis fahren und deshalb ein paar tausend Autos weniger verkauft werden, dann interessiert das z.b. Daimler und seine internationalen Investoren nicht. Alleine Daimler verkaufte im ersten Halbjahr 441.570 Fahrzeuge nur nach China.

Wir werden am ganz großen globalen Rad drehen müssen. D.h. Preise hoch und gleichzeitig Steuerung durch den Staat oder privatwirtschaftliche Unternehmen. Dann wird dein Auto eben nicht mehr starten, wenn dein CO2-Kontengent verbraucht ist oder es nur noch 100km/h fahren, wenn du es zu 80% verbraucht hast. Passieren wird das, sobald die Unternehmen darin Geld riechen. Aus meiner Sicht tun sich langsam interessante Geschäftsmodelle auf.

MattF 02.11.2021 11:03

Zitat:

Zitat von keko# (Beitrag 1631361)

Wir werden am ganz großen globalen Rad drehen müssen. D.h. Preise hoch und gleichzeitig Steuerung durch den Staat oder privatwirtschaftliche Unternehmen. Dann wird dein Auto eben nicht mehr starten, wenn dein CO2-Kontengent verbraucht ist oder es nur noch 100km/h fahren, wenn du es zu 80% verbraucht hast. Passieren wird das, sobald die Unternehmen darin Geld riechen. Aus meiner Sicht tun sich langsam interessante Geschäftsmodelle auf.

Sowas muss nicht sein, wenn der CO2 Ausstoss real kompensiert würde.
Z.b. durch Versenken des CO2 in der Erde. Das muss dann halt vom Konsumenten bezahlt werden. 70-80 € / to CO2

https://www.ifo.de/DocDL/sd-2016-05-...2016-03-10.pdf

Genauso wie ich meine Abwassergebühr bezahle und das Wasser was ich zum Duschen gebrauche, hinter der Kläranlage sauber wieder raus kommt. Ich werde auch nicht gezwungen nur 3 min zu duschen. Wenn mache ich es freiwillig oder zahle den Preis.

tandem65 02.11.2021 11:11

Zitat:

Zitat von Schwarzfahrer (Beitrag 1631354)
Wenn allerdings der Anstieg der Elektrofahrzeug-Flotte nicht durch einen entsprechenden gesicherten Anstieg der regenerativen Energieerzeugung abgesichert wird (was außer in Ländern wie Norwegen schwer sein könnte), bleibt die Umweltwirkung der Elektromobilität eher auf lokal sauberere Luft begrenzt.

Also erstmal das grüne E-Netz Leistungsfähig machen für 60Mio E-Fahrzeuge und dann das erste E-Auto zulassen!? :Nee:


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